Arbeit erzählen:
Das Microblogging-Experiment

Microblogging-Tools wie Yammer halten Einzug in Unternehmen. Hans de Zwart will das Instrument bei Shell nutzen, um den Activity Stream seines Teams aufzuzeichnen: Seine Mitarbeiter erzählen ihre Arbeit.

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Das «Narrating your work» Experiment nennt Hans sein Vorhaben. Als Innovation Manager for Global Learning Technologies bei Shell arbeitet er in einem virtuellen Team mit Mitarbeitenden auf der ganzen Welt. Er stellt fest, dass im Team häufig wenig Wissen darüber existiert, was die Kollegen gerade tun, wo sie anstehen oder was sie Neues gelernt haben. Das Arbeiten in verschiedenen Zeitzonen tut ein übriges, um sich ab und an «disconnected» zu fühlen.

Der Feed meiner Arbeit
Hans de Zwart startet deshalb ein Microblogging-Projekt mit Yammer, dem bekanntesten Tool für Enterprise Microblogging. Ganz ähnlich wie Facebook erlaubt Yammer den Nutzern, Status-Updates zu posten, Fragen ans Team zu stellen oder Dokumente und Links zu teilen. Yammer generiert daraus einen Activity Stream, wie wir ihn von anderen Social Media-Kanälen kennen. Die Teilnahme ist für das Team von Hans freiwillig; wer sich dafür entschliesst, verpflichtet sich für eine von drei Optionen.

  1. Konstantes Update: Jedesmals wenn Hans’ Mitarbeiter jemanden ausserhalb des Teams treffen, ein Dokument erstellen oder sonst etwas tun, dass nicht bloss E-Mails bearbeiten ist, posten sie einen Update.
  2. Tägliche Updates: Am Ende eines Tages bloggen die Mitarbeiter über ihren Tag bzw. die Menschen, Orte und ihre Arbeit.
  3. Wöchentliche Updates: Am Freitag Abend oder am Montag stellen die Mitarbeitenden einen kurzen Text online, in dem sie die vergangene Woche Revue passieren lassen: Was hat gut funktioniert, wo hatte ich Probleme, was wird mich in der kommenden Woche beschäftigen.

Spannendes Experiment
Die Updates zu erfassen ist verpflichtend, wenn man sich zur Teilnahme entschlossen hat; das Lesen der Einträge von anderen ist freiwillig – die Versuchung wird aber sehr gross sein. Hans de Zwart will nach zwei Monaten sein Experiment evaluieren. Ich stelle mir das als ein sehr spannendes Experiment vor – alleine in dem kleinen Blogwerk-Team, in dem ich arbeite, ist es häufig schwierig, den Überblick zu behalten. Vielfach wäre es hilfreich zu wissen, wenn mein Kollege jemanden getroffen hat, der vielleicht auch für mich noch ein interessanter Kontakt wäre. Oder wenn ich meine Hilfe anbieten könnte, weil ich sehe, dass eine Kollegin bei einem Text ansteht.

Integration anderer Services
Idealerweise müsste man auch andere Social Media-Dienste einbinden können. Hans regt etwa auch an, auf die LinkedIn-Profile zu verweisen, wenn man eine Person ausserhalb des Unternehmens trifft. Das Ein-Klick-Einchecken an Orten, wie man es von Foursquare kennt, würde auch helfen.

Fragen und Hindernisse
Ich bin gespannt, was die Resultate sind – und welche Hindernisse sich zeigen: Etwa der Zeitaufwand zum Erfassen der Updates, der Umgang mit all diesen Informationen und dem Nutzen, den sich am Ende für die Teilnehmer des Experimentes zeigt. Wird nachhaltig ein Vorteil für die Schreibenden und Lesenden entstehen?

Was meint Ihr? Wäre ein konstanter Activity Stream Eurer Kollegen hilfreich für die Arbeit?

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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10 Kommentare

  1. Wir nutzen Yammer seit einiger Zeit. Großartiges Tool! Um die Updates richtig “filtern” zu können, ist etwas Twitter-Erfahrung sicherlich hilfreich. Wir beschränken uns i.d.R. darauf, erledigte Arbeiten zu posten. Das ist gerade bei kleineren Dingen praktisch. Dinge, für die man nicht extra von Raum zu Raum rennt, die aber doch alle betreffen.

    Die Frequenzen müssen natürlich an die Unternehmensgröße angepasst werden.

  2. Wir setzen bei unserer PLattform auch schon einige Zeit auf yammer und es erleichtert die Kommunikation doch sehr. Insbesondere weil wir als kleines Bootstrapping-Startup noch nicht alle Vollzeit am Projekt arbeiten können, ist es doch sehr gut, kurze Zwischenfragen irgendwo stellen zu können. E-Mail ist da für uns das falsche Medium.

    Jedoch benutzen wir für Status-Updates kanbantool.com und yammer.com eher als Pre-Ticket-System für die Entwicklung. Sprich: Kurz evaluieren, ob und in welcher Form das Ticket notwendig ist und nach kurzem Dialog wird das Ticket dann in Redmine oder einer ähnlichen Umgebung eingefügt. Funktioniert super!

  3. Wir benutzen Yammer bereits seit mehreren Jahren.
    Das wirklich positive ist, dass man da alles erzaehlen kann, was einem gerade passiert. Sei es der Streit unter Kollegen, oder dass die Firma gerade den Bach runter geht weil ein Projekt desastroes endete. Und wir koennen sicher sein: morgen weiss es die ganze Welt, unsere Aktienkurse fallen, und wir sind wirklich unrettbar pleite.
    Ausserdem haben wir uns letztes Jahr gewundert, warum eine Firma eine gleiche Idee wie wir auf den Markt gebracht hat. Schade, dass unsere Idee noch nicht marktreif war. Jetzt koennen wir aber das Produkt der anderen Firma benutzen. Ist doch super, oder?
    Ja, Yammer ist ein absolut sinnvolles Tool um zu erzaehlen, woran man gerade arbeitet.

    • Das Problem kennt man ja auch von Zugfahrten: Die beiden Herren im Erstklass-Abteil, die sich ausgiebig und lautstark über Internas ihres Unternehmens unterhalten. Ich bin überzeugt, dass Firmen und Mitarbeiter lernen müssen, mit Tools wie Yammer oder Twitter umzugehen, die entsprechenden Kompetenzen aufbauen und allenfalls auch Richtlinien einführen. Nur hinstellen und laufenlassen funktioniert wohl nicht.

  4. Mich würde interessieren, ob Shell weiterhin Yammer einsetzen würde, wenn die sich über die Datenschutz- und Sicherheitsprobleme im klaren wären?

    http://rohablog.wordpress…d-services-unsicher/

  5. Wie ist das Experiment denn ausgegangen ?

  6. Guten Morgen zusammen

    Danke für die Fragen – wir haken mal nach.

    Viele Grüsse, Thomas

3 Pingbacks

  1. [...] werden. Vor drei Jahren galt sein Vorhaben als exotisch. Inzwischen halten soziale Networks wie Yammer in Firmen Einzug, mobile Gruppenchats sind der aktuelle Hype, Chats und Videokonferenzen machen [...]

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