Der 90 Minuten-Plan:
Produktiv aus Gewohnheit

Tony Schwartz empfiehlt, den Tag mit einem 90-Minuten-Arbeitsblock zu beginnen, an jedem Tag und zur gleichen Zeit.

Tony Schwartz

Tony Schwartz

Seit zehn Jahren arbeitet Tony Schwartz, der CEO der Firma The Energy Project mit einem 90 Minuten-Plan. Seinen Arbeitstag beginnt er immer zur selben Zeit mit einem 90 Minuten-Block. Alle potenziellen Ablenkungen – E-Mail, nicht benötigte Programmfenster, Telefon – werden eliminiert. In diesen 90 Minuten arbeitet er eine Aufgabe ab, für die er sich am Vorabend entschieden hat. Die 90 Minuten sollen ausschliesslich dem Bearbeiten der Aufgabe gewidmet werden, nicht dem Auswählen.

Mehr und bessere Resultate
«Typischerweise erledige ich in diesen 90 Minuten mehr Arbeit als in jedem anderen vergleichbaren Zeitraum während des Tages. Und ich bin mit dem Resultat zufriedener», meint Schwartz zu seiner Methode. Er habe sein letztes Buch in der Hälfte der Zeit geschrieben, die er für die vorherigen Bücher aufgewendet habe. Entscheidend für ihn ist die festgelegte Startzeit und der Unterbruch nach 90 Minuten – egal wie fit er sich fühlt: Nach anderthalb Stunden gibt’s Pause. Die sture Zeitplanung hat gute Gründe:

So wenig Selbstdisziplin wie möglich
Die immer gleiche Startzeit soll helfen, aus dem Vorhaben des 90 Minuten-Plans eine Gewohnheit werden zu lassen. Routinen sind wichtig und können grosse Hilfen sein: Eine Gewohnheit erledigen wir automatisch, damit zu beginnen kostet uns wenig Energie und Selbstdisziplin – wie beim Zähneputzen. Das ist deshalb wichtig, weil Selbstdisziplin oder Selbstkontrolle nur eine begrenzte Ressource ist: Wir können uns nicht unbeschränkt «zusammenreissen», wie etwa die als Marshmallow-Experimente berühmt gewordenen Untersuchungen zeigen.

Gewohnheiten trainieren
Routinen zu entwickeln dauert seine Zeit – vermutlich sehr individuell, in der Literatur findet man Angaben zwischen 30 und 66 Tage. Wichtig ist einzig, dass man sich einen definierten Trainingszeitraum festlegt: Also dass man plant, die neue Gewohnheit in den nächsten sieben oder 30 Tagen konsequent umzusetzen. Während des Trainings sollte man seine Aktivitäten in Bezug auf die angestrebte Gewohnheit unbedingt protokollieren. Dazu eignet sich ein Tagebuch, auf Papier oder elektronisch wie OhLife, oder spezielle Tracking Tools wie das hier kürzlich vorgestellte Joe’s Goal.

Tipps um Gewohnheiten aufzubauen
Über Tipps und Tricks, wie man sich neue Routinen angewöhnt, haben wir hier schon einiges geschrieben: Im Zen To Done-Guide von Leo Babauta findet Ihr acht Hinweise, ausserdem haben wir 15 Tipps aufgelistet, um Gewohnheiten aufzubauen.

» A 90-Minute Plan for Personal Effectiveness, Tony Schwartz im Harvard Business Review-Blog

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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6 Kommentare

  1. Das ist ein interessanter Ansatz, gerade weil man die Aufgabe am Abend zuvor definiert und gewohnheitsbedingt dann am Morgen gleich damit anfängt, richtet man sich optimal darauf aus. Danke für den Hinweis zu Schwartz’s Beitrag!

  2. Ich stimme zu, das ist wirklich ein sehr guter Ansatz – allein wenn man 90 Minuten lang von keinem E-Mail, Anruf, etc. unterbrochen wird, steigt die Konzentration, und somit die Produktivität, bestimmt ungemein! Eine Theorie, die es wert ist ausprobiert zu werden!

  3. Hallo Thomas,

    danke für deine informativen Zeilen. Ich bin auf der Suche nach noch nicht so häufig genannten Methoden des Abarbeitens/der Produktivität diesen Artikel gestoßen und finde die Methode ganz spannend.

    Einzige Frage: Was macht Tony, wenn er mal einen Business Trip hat? Was macht er, wenn seine Kids ihm auf der Nase herumspringen?

    Dass Selbstdisziplin nur ein begrenzter Tank ist, haben ja Vohs et al. (2000) bestätigt, von daher ist es mit Sicherheit lohnenswert, sich eine solche Gewohnheit des Arbeitens vor alle anderen noch zu erlernenden Gewohnheiten zu setzen.

    Ob ich mich 90 Minuten am Stück konzentrieren könnte, sei mal dahin gestellt. Flow wäre da hilfreich! ;)
    Danke für eure Mühe!

    Lieben Gruß aus Köln,
    Michael

  4. Produktiv aus Gewohnheit. Vielen Dank, dieser Tipp überzeugt mich wirklich. Zumal es mir eigentlich nicht an Disziplin und Fleiss fehlt, sondern dass ich mir täglich eine “to do Liste” erstelle, welche zu bewältigen sein sollte und trotzdem mit Frust wieder einige Punkte auf den nächsten Tages übertragen muss. Mir 90 vordefinierte Minuten täglich, ohne Ablenkung, zu reservieren und dies zur Gewohnheit werden zu lassen, werde ich ab sofort probieren.
    Vielen Grüsse aus Romanshorn am schönen Bodensee (Schweiz)
    Monika Reinhard

  5. Sehr interessanter Beitrag, vielen Dank dafür. Das werde ich ab Montag testen. Die Ablenkung durch andere Dinge ist in der Tat riesig. Es ist erschreckend wie lange man für manche Dinge braucht, die eigentlich nicht einmal die Hälfte der Zeit benötigt wenn man sich einzig darauf konzentrieren würde.

    Ich hoffe das ich diese 90 Minuten auch zu meiner Gewohnheit hinzufügen kann, das würde sicherlich eine Bereicherung für den Arbeitsalltag darstellen.

  6. Guter Ansatz. Kann nur richtig gut funktionieren. Im Endeffekt kann man in diesen 90 Minuten sicherlich mehr erledigen als den Rest des Tages.

3 Pingbacks

  1. [...] die er mit der ganzen Morgenenergie erledigt – ganz im Sinne von Tony Schwartz und dessen 90 Minuten-Plan. Wer E-Mails als Erstes lese, verschwende wertvolle Kraft.Filtern und planen Für den Umgang mit [...]

  2. [...] 90 Minuten Aufgabe erledigt, bevor er sich anderen Dingen, wie einer Pause, widmet. Eine deutsche Zusammenfassung ist auch bei imgriff.com zu [...]

  3. […] 90-Minuten-Block, wie ihn Tony Schwartz, der CEO der Firma The Energy Project vorschlägt. Einen gut zusammengefassten Artikel haben die Autoren von imgriff.com darüber […]

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