Prokrastination:
5 Tipps gegen Aufschieberitis

Aufschieben ist häufig kontraproduktiv und unnötig. Bloss mehr Selbstdisziplin einzufordern hilft wenig. Simple Massnahmen können aber helfen, Arbeitsblockaden zu überwinden: Fünf Tipps gegen das Prokrastinieren.

Foto: Procrastionation is a thief of time (sean_hickin bei flickr.com)

Foto: Procrastionation is a thief of time (sean_hickin bei flickr.com)

Prokrastination ist das, was ich als Student getan habe, wenn ich lernen musste. Das umfasste seinerzeit so unterschiedliche Tätigkeiten wie Moussaka kochen, Abwaschen oder NHL ’97 spielen. Heute gehe ich arbeiten, habe seit fast 10 Jahren kein Moussaka mehr gegessen und spiele nur noch unregelmäßig Computer. Weniger prokrastinieren tue ich deswegen aber noch lange nicht. Ich zeige euch 5 Tipps, wie ihr das Prokrastinieren vermeiden könnt.

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Zerlege Deine Aufgaben und Projekte in winzige Arbeitspakete
Oft schieben wir Aufgaben vor uns her, weil uns der erwartete Aufwand abschreckt. Wir befürchten, mit dieser Aufgabe viel zu lange beschäftigt zu sein – und vermeiden daher, mit der Arbeit zu beginnen. Ist die Aufgabe dann irgendwann erledigt, war sie selten so schrecklich wie angenommen.

Am besten ist, anstehende Aufgaben in winzigste Arbeitsschritte zu zerlegen und sich nacheinander auf diese Arbeitsschritte zu fokussieren. Wem es hilft, der notiert sich die Schritte auf einer Liste und hakt die erledigten Aufgaben ab. Wenn das nicht klappt, sind die gewählten Pakete vermutlich immer noch zu gross. Also zurück an den Start und nochmals zerlegen.

Dieser Artikel hier entstand als Abfolge dieser Arbeitspakete:

  • Ins Redaktionssystem einloggen
  • Artikel anlegen
  • Outline erstellen (in diesem Fall: anhand der Überschriften)
  • Für jede Überschrift etwas Text schreiben
  • Finales Lesen
  • Beim Redakteur vorlegen

Als Ganzes ist so ein Artikel schon einiges an Arbeit (und wird daher eine Zeitlang vor mir her geschoben). Jedes einzelne der oben erwähnten Aufgabenpakete ist jedoch ein Klacks. Das kriege ich doch hin, denke ich mir, und fange an.

Schalte alle Ablenkungen ab
Wenn Du fokussiert arbeiten willst, schalte alle Ablenkungen aus:

  • Telefon
  • Twitter
  • Mail-Programm
  • Skype

Schliesse Fenster und Türen. Konzentriere Dich auf Deine Liste und die vor Dir liegenden Arbeitspakete. Und dann setze Dir ein Ziel, wie lange Du fokussiert arbeiten willst – dabei kann auch die so genannte Pomodoro-Technik helfen. Ich überlege mir oft noch, welche Belohnung ich mir gebe, wenn ich meinen Fokus solange wie vorgenommen halte (für diesen Artikel gab’s eine Handvoll Gummibärchen, falls es jemand interessiert).

Sprich mit anderen über Deine Ziele
Oft liegt der gleitende Übergang zur Prokrastination auch daran, dass wir wenig motiviert sind. Das hängt ein bisschen von der Tagesform ab – ausreichend Schlaf hilft übrigens immer, am nächsten Tag gut in Form zu sein. Es hängt aber auch davon ab, wie sehr wir an unsere Ziele und daran, dass wir sie erreichen, glauben.

Was mir hilft, an meine Ziele zu glauben, ist mit anderen darüber zu reden. Das zwingt mich, über meine Ziele nachzudenken und sie vorab auf Plausibilität zu checken. Wer will schon etwas erzählen, das unglaubwürdig, wenig durchdacht und lächerlich klingt? Ausserdem setzt mich das öffentlich machen meiner Ziele unter Druck. Die Zuhörer fragen später, wie es mir und meinen Zielen ergangen ist. Oder sie begutachten, was sie begutachten können – und würden dann feststellen, falls ich gescheitert bin.

Dass ich mich zum Beispiel seit dem Artikel über Tim Ferris’ neues Buch 4-Hour-Body meines imgriff.com-Kollegen Moritz an sechs Tagen die Woche ohne «weisse» Kohlenhydrate ernähre, wissen hiermit nun auch alle imgriff.com-Leser (Ergebnis bisher: 5 Kilo und ca. 10 cm Bauchumfang weniger in 7 Wochen ohne nennenswerte sportliche Anstrengungen oder Hunger-Gefühl). Das erzeugt Druck – und es motiviert mich.

Wechsle Deine Arbeits-Umgebung
Verschiedene Umgebungen erzeugen verschiedene Stimmungen. Dieses Bild hier erinnert mich an einen ganz speziellen Tag auf Fraser Island, Australien. Wir hatten den ganzen Tag 38° und als ich das Bild aufnahm, stand ich mit beiden Füssen im kühlen Nass des Lake McKenzie. Ein ziemlich guter Platz im Universum. Meine Stimmung dort unterscheidet sich definitiv von der, die ich in der Ausnüchterungs-Zelle einer Polizeiwache an einem frühen Dienstagmorgen haben würde.

Positive Stimmung durch ein positives Bild

Positive Stimmung durch ein positives Bild

Wenn unsere Stimmung von der Umgebung abhängt, ist die Umgebung vielleicht auch wesentlich daran beteiligt, wenn wir prokrastinieren. Schau Dir Deinen Schreibtisch an: Ist das der Ort, an dem Du arbeiten kannst und willst? Oder willst Du dort lieber schlafen oder zocken oder mampfen? (Und wenn Du dabei bist, schau Dir an, wie der Schreibtisch von imgriff.com-Redaktor Thomas Mauch aussieht – ganz unten in den Kommentaren siehst Du auch meinen Schreibtisch!).

Schaffe Dir die Arbeitsumgebung, in der Du am wenigsten vom Arbeiten abgelenkt wirst und in der Du am besten arbeiten kannst. Denk aber dran, dass Du Dich änderst. In einigen Monaten wird sich auch Dein Schreibtisch ändern müssen, um Dich und Deinen Fokus nicht zu verlieren!

Fang an!
Am Ende des Tages zählt nur eins: Fang endlich an! Es gibt keine perfekte Zeit für Deine Aufgaben und Projekte. Und es wird immer Gründe geben, warum Du gerade jetzt irgendwas anderes machen solltest. Wenn Du auf den perfekten Moment wartest um anzufangen, dann wirst Du ewig warten. Also höre auf, zu planen, zu teilen, zu warten und Dich vorzubereiten. Lege los, fange an! Wenn Du nicht irgendwann handelst, wird nichts passieren.

» Mehr Info und Tipps: 11 Practical Ways to stop procrastination von Lifehack.com

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

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7 Kommentare

  1. Diesem Artikel ist nichts hinzuzufügen – außer, dass man für gutes Zeitmanagement nicht zwingend auf Moussaka verzichten muss. Mit dem richtigen Zeiterfassungstool kann man sich ja auch mal selbst beobachten – vielleicht war gar nicht die griechische Küche der große Zeitfresser. :)
    Liebe Grüße, Tanja

  2. Prima Artikel,
    ein gutes Zeitmanagementsystem ist auch ein Buch in das man alle Aufgaben einträgt und an einer zentralen Stelle bündelt!
    Grüsse

  3. Ach ja, Moussaka. Das waren Zeiten. Für ein gutes Moussaka würde ich ja zu Fuss nach Griechenland laufen… ach was. Im Krebsgang rückwärts würde ich das machen.

  4. Mit Prokrastination hatte ich lange zu kämpfen. Und lange habe ich mich dafür selbst beschimpft und mich in diesen Momenten gezwungen, an der Arbeit zu bleiben. Was nicht gerade zu einem entspannten Leben geführt hat.

    Heute prokrastiniere ich immer wieder – und auch gern. DAs funktioniert, weil ich versuche, parallel an mehreren Projekten zu arbeiten. Habe ich für das Wichtigste keine Motivation, dann nehme ich mir eben ein anderes her (GTD hilft dabei). Irgendwann habe ich wieder Lust dazu (oder der Druck ist so hoch, dass ich dadurch die nötige Motivation erhalte).

    Klappt natürlich nicht immer, aber eigentlich recht häufig.

    :-)
    Ralf

  5. Für NHL 97 ist ein wenig Prokrastinieren erlaubt!

  6. Klasse Zusammenfassung. Hin- und wieder eine kleine Pause hilft auch sehr gut.

Ein Pingback

  1. [...] den Blogartikel über weiss-nicht-was lesen, usw. usf. Ob wir’s «Prokrastination», «Aufschieberitis» oder wie auch immer nennen: dieses Verhalten hat hohes Frustrationspotenzial.Ich staune immer [...]

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