Aufgabenmanagement für Schüler:
Junge Rebellen und To Do-Listen

Unterricht, Hausaufgaben und Lernen: Auch mit der besten Selbstorganisation werden die Pflichten im Leben von Schülern nicht weniger. Aber mit etwas Planung bleibt am Ende mehr Zeit für die spannenden Dinge.

Gastautor Ryan Klarhölter

Als ich 16 Jahre alt war, erwähnte meine Kunstlehrerin, dass sie sich jeden Morgen aufschreibt, was sie an diesem Tag alles erledigen will. Ich hörte sofort auf zu malen und war entsetzt. Überall gibt es Regeln, dachte ich, und diese Frau schafft sich auch noch selbst welche. Selbstbeschränkung: 1. Spontanität: 6.

To-do-Listen sind für viele in diesem Alter mit schrecklichsten Vorstellungen verknüpft. Wenn du gerade in diesem Alter bist, dann klick jetzt bitte nicht weg, sondern lies noch ein paar Zeilen. Ich kann dir nämlich erklären, warum die Vorstellung, To-do-Listen und Selbstmanagement hätten etwas mit geistiger Unbeweglichkeit zu tun, falsch ist, und dir zeigen, was Listen dir persönlich – nicht deinen Eltern oder Lehrern – für Vorteile bringen.

Want-to-do
Lass uns zunächst den Begriff «To-do-Liste» ändern – der klingt nach Vorschrift. Ich schlage «Want-to-do-Liste» vor. Sie unterstützt dich dabei, mehr von dem zu tun, was du tun willst, und weniger Zeit in die Dinge zu investieren, die du eigentlich nicht tun willst.

Die Listen
Eine To-do-Liste führst du wahrscheinlich schon: die für deine Hausaufgaben. Want-to-do-Listen brauchst du drei:

AKTUELL: Auf dieser Liste hältst du alles fest, was in einem Schritt erledigt ist und du sobald wie möglich machen möchtest: etwas einkaufen; das YouTube-Video suchen, von dem neulich jemand erzählt hat; Freund wegen Computerproblem anrufen etc.

VIELLEICHT/IRGENDWANN: Hier notierst du alles, was du vielleicht oder irgendwann einmal tun möchtest: ein Instrument lernen; mit den Freunden einen Wochenendausflug an die See unternehmen; eine Schülerzeitung gründen; die nächste Revolution anzetteln – solche Dinge.

PROJEKTZETTEL: Einige deiner Vorhaben werden sehr gross sein und mehr als einen Schritt benötigen, um erreicht zu werden (z. B. «Schülerzeitung gründen»). Das sind deine Projekte. Diesen grossen Aufgaben solltest du dich nacheinander widmen. Deshalb existiert auch immer nur ein Projektzettel. Alle anderen grossen Vorhaben warten auf der Liste «Vielleicht/Irgendwann».

Der Projektzettel
Dein aktuelles Vorhaben wird die Überschrift deines Projektzettels. Auf der Rückseite listest du grob die Schritte auf, die erforderlich sind, um dein Ziel zu erreichen («Informationen einholen», «Mitstreiter finden», «Treffen organisieren», «erste Ausgabe planen»). Das verschafft dir eine Übersicht und hilft, den nächsten Schritt herauszufinden.

Den nächsten Schritt herausfinden
Funktioniert eine To-do-Liste nicht, hat das wahrscheinlich den Grund, dass die Aufgaben nicht deutlich definiert wurden. «Mitstreiter finden» ist keine Aufgabe. Du kannst «Informationen einholen» nicht erledigen. Was du aber tun kannst: Deine Lehrerin aufs Gründen einer Schülerzeitung ansprechen, um herauszufinden, ob die Schule dich unterstützt, etwa in Form von Räumlichkeiten, Computern und Kopierern.

Unter die Überschrift deines Projektzettels schreibst du also: «Frau Soundso wg. Schülerzeitung ansprechen». Du musst nie den ganzen Weg kennen. Es ist sogar sehr unwahrscheinlich, dass du das jemals tust. Dir müssen immer nur zwei Dinge bewusst sein: dein Ziel und der nächste Schritt dorthin.

Deine Liste AKTUELL sollte nur nächste Schritte enthalten. Es sind die vielen kleinen Sachen, die du nach einem Schritt erledigt hast: «Lisa wg. Wochenende anrufen» oder «Video von Jens auf YouTube suchen».

Anwendung
Deine Listen sind angelegt, du hast alle Vorhaben und Aufgaben notiert. Wie hilft dir das jetzt, mehr Spass zu haben und weniger Zeit mit Pflichten zu verbringen? Erstmal muss ich dich enttäuschen: Deine Pflichten reduzieren sich nicht. Dein Stundenplan bleibt unverändert, deine Eltern werden dich weiterhin in die Hausarbeit einbinden.

Aber das macht nichts. Du schaffst einen Gegenpol, in dem du endlich aktiv all die Dinge angehst, die du dir bisher nur vorgestellt hast.

Gehe deine Listen jeden Abend durch: Bringe sie auf den neuesten Stand und lege eine bis drei Aufgaben für den nächsten Tag fest. Keine Sorge: Du kannst deine Wahl jederzeit ändern. Die Liste soll dir nix diktieren. Das tun schon genug andere. Es ist nur für den Fall, dass du dich morgen auf die Schnelle für keine Aufgabe entscheiden kannst. Dann erledigst du einfach das, was du dir gestern vorgenommen hast. Langes Grübeln raubt bloss Zeit.

Unterricht und Hausaufgaben
Schule soll keinen Stressfaktor darstellen; das würde deine kostbarste Zeit ruinieren: die danach. Damit du dich in Ruhe deinen eigenen Sachen widmen und Spass haben kannst, solltest du die Auswirkungen von Schule und anderen Pflichten gering halten.

Wenn du Mathe schon im Unterricht begreifst, spart dir das eine Menge Zeit zu Hause: Du musst nichts mehr nachschlagen und die Hausaufgaben gehen leicht von der Hand. Pass die paar Minuten im Unterricht auf und verschwende keine Zeit mit Ärger. Deine Kraft brauchst du für wichtigeres: deine Ziele.

Noch ein Tipp für die Hausaufgaben: Setze dir ein Zeitlimit von 20 Minuten (oder was du für angemessen hältst) und stelle dir einen Wecker. Dann hast du von Anfang an ein Ende in Sicht.

 

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7 Kommentare

  1. Was, wenn man mit der Hausübung nicht fertig wird? Man hat außerdem ja in jedem Fach HÜ.

  2. So einen Artikel hätte ich etwa 8 Jahre eher benötigt, schade. Hat mich jedoch auch als Studentin angesprochen und mich wieder auf die Idee gebracht, meine Want-To-Do-Listen stärker zu integrieren.

    Grüße, Dori

  3. Ist zwar jetzt etwas zu spät wo ich aus der Schule raus bin aber trozdem ist so eine Want-To-Do-Liste ein guter ansatz und kann auch in anderen Lebenslagen ausser der Schule helfen.

  4. Sehr schön geschrieben, Herr Klarhölter…und vor allem sehr nützlich für Schüler.

  5. Super! Aus der Sicht eines jungen Menschen endlich mal ein Statement für die Organisation von Arbeit. Ich werde das meinen SuS mal unter die Nase halten :D

  6. Die Idee mit “Want-to-do” finde ich noch ganz originell …

  7. Schön geschrieben. Ich werde das mal so im Schulalltag zusammen mit der Pomodoro-Technik ausprobieren. Listen per Wunderlist, die Aufgabenbewältigung (zumindest bei größeren Sachen) per Pomodoro-Technik. :-D

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