Literaturverwaltung I/II:
Literaturlisten und Zitate im Griff

Das Leben zeigt: Der falsche Umgang mit Zitaten in wissenschaftlichen Arbeiten kann zum Karrierekiller werden. In diesem Artikel geht es um Grundsätze der Literaturverwaltung, in einem zweiten Teil stellen wir geeignete Software vor.

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Einer der gewöhnungsbedürftigen Aspekte am wissenschaftlichen Arbeiten war für mich der penible Umgang mit Literatur. Wie behalte ich den Überblick, wie merke ich mir, welches Zitat aus welchem Aufsatz stammt, wie generiere ich eine Literaturliste, die alle wesentlichen Angaben enthält – nicht nur so, daß sie den Ansprüchen eines Professors genügt, sondern auch derart, daß ich zum Beispiel in der Bibliothek sofort finde, was ich brauche? Wie gestalte ich eine Arbeit so, daß die Literaturnachweise einem konsistenten Schema folgen und den Vorgaben meines Fachbereichs entsprechen? Und wie behalte ich im Auge, was ich zu einem Thema noch alles lesen muß?

Hier kann einem eine moderne Literaturverwaltung viel Arbeit abnehmen und den Kopf merklich entlasten. Zwar bedeutet die Auswahl eines Bibliographieprogramms, die Einrichtung, ggf. das Erstellen von Formatvorlagen für Zitate und nicht zuletzt die Einarbeitung eine gewisse Arbeit. Spätestens ab der zweiten Seminararbeit macht sich dieser Arbeitsaufwand jedoch bezahlt.

Vom Sinn der Literaturangaben
Bibliographie bezeichnet eigentlich die Auflistung von Literatur zu einem Thema, in einem erweiterten Sinn bezeichnet «bibliographieren» auch die Herstellung eines solchen Verzeichnisses. Alle modernen Literaturverwaltungssysteme sind im Grunde nur Systeme zur Verwaltung von Datenbanken, die speziell auf die Gegebenheiten von Literatur eingerichtet sind, erweitert um Möglichkeiten, mit Textverarbeitungsprogrammen zu interagieren.

Derlei Nachweise sind wichtig, um einem Prinzip gerecht zu werden, das in allen Wissenschaften gilt, nämlich dem Grundsatz der Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit. Banal formuliert lautet es: «Zeig mir, woher du deine Gedanken hast und mache mir möglich, sie selbst dort nachzulesen». Nach diesem Prinzip kann ich die Quellen einer Arbeit prüfen und sehen, ob ich mit diesen Informationen zu dem selben oder einem anderen Ergebnis komme.

Fachspezifischer Umgang mit Literaturangaben
Die Einzelheiten der Art, Literatur nachzuweisen, sind von Fach zu Fach verschieden. Zwar gibt es eine DIN-Norm über Literaturangaben (DIN 1505), viele wissenschaftliche Publikationsorgane und Institute verwenden jedoch ihre eigenen Richtlinien, wie eine Literaturangabe und Literaturnachweise im Text auszusehen haben. Wesentlich sind allen diesen Nachweisformen zwei Bestandteile: Einmal der Kurznachweis im Text, oft in Form einer Fußnote oder Endnote, und zum anderen das Literaturverzeichnis im Anhang.

In Computerzeitschriften und medizinischen Texten habe ich oft den Usus gesehen, die Quellen in der Reihenfolge ihrer Erwähnung im Text numeriert am Ende aufzulisten und im Text selbst nur mit einer in eckigen Klammern gesetzten Zahl darauf hinzuweisen. In geisteswissenschaftlichen Disziplinen ist es dagegen üblich, zumindest Autor, Jahr und Seitenzahl in Klammern oder als Fußnote zu nennen und der Arbeit ein alphabetisch geordnetes Literaturverzeichnis anzuhängen. Welches Programm das richtige ist, hängt deshalb auch von fachspezifischen Anforderungen ab.

Wie Bibliographiesoftware helfen kann
Warum sollte man nun nicht einfach die Bordmittel von Word oder eine selbstgestrickte Datenbank dafür einsetzen, sondern eine dezidierte Literaturverwaltung? Auch Word und OpenOffice bieten in ihren aktuellen Versionen eine Literaturverwaltung. Unter Umständen reichen diese Lösungen bereits aus. Spezialisierte Literaturverwaltungen können jedoch weit mehr als nur Literaturlisten generieren:

  • Integrierte Suche in Bibliothekskatalogen und ggf. Fachdatenbanken erleichtert bereits die erste Suche nach Literatur.  In der Regel können ausgewählte Einträge aus den Suchergebnissen direkt in die Literaturdatenbank übernommen werden. Einige Anwendungen bieten zusätzlich an, anhand einer ISBN-Nummer Literaturangaben zu importieren.
  • Sie stellen die einheitliche Zitierweise sicher, indem Quellenangaben zuerst als Platzhalter eingefügt werden. Erst wenn die Arbeit fertig ist, werden diese durch die richtigen Titelangaben ersetzt. Darüber hinaus können in vielen Anwendungen die Formatvorlagen für Literaturnachweise selbst gestaltet werden – was nützlich sein kann, wenn z.B. der Fachbereich eine eigene Richtlinie verwendet.
  • Zur Kernfunktion gehören oft Module zur Zitatverwaltung: Das Zitat wird dabei nicht in der Textverarbeitung, sondern vorerst in der Literaturverwaltung eingegeben. Per Mausklick kann es samt dem Platzhalter für die zugehörige Literaturangabe an der gewünschten Stelle in der Textverarbeitung eingefügt werden.
  • Einige Programme (z.B. Bibliographix, Citavi) bringen ein integriertes Wissensmanagement mit: Ideen können damit schnell sortiert und vor allem wiedergefunden werden, man behält den Überblick über das Wissensgebiet und das schon Geschriebene, und selbst Ideen, die ihren endgültigen Platz in der Arbeit noch nicht gefunden haben, gehen nicht verloren.
  • Als erweiterte Funktion bieten einige Programme einen Import von Mindmaps aus Freemind und MindManager in eine Gliederung an.
  • Einige Anwendungen können Gliederungen von und nach Word und OpenOffice importieren bzw. exportieren.

Windows- und Mac-User haben eine große Auswahl an Programmen, von denen jedes seine besonderen Stärken, Nachteile und Konzepte hat. Welches Programm das richtige ist, hängt im wesentlichen von den Anforderungen ab – Philosophen werden in den seltenen Fällen eine Recherche in medizinischen Datenbanken benötigen, Kunsthistoriker sind dagegen unter Umständen sehr froh, auch Bildzitate verwalten zu können. Wer seine Arbeiten mit LaTeX schreibt, wird sich nicht sonderlich für eine nahtlose Integration in Word interessieren.

Mit einigen Vertretern der Gattung Literaturverwaltung wird sich der zweite Teil dieser Reihe beschäftigen.

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7 Kommentare

  1. ben
    schrieb am 8. März 2011 um 19:16 Uhr (#)

    Kleiner Hinweis: In Word ist eine extrem mächtige Literaturverwaltung direkt eingebaut, die sehr komfortabel zu bedienen ist. Alles da: Literaturverzeichnis, Zitate einfügen mit 2 Klicks, simple Eingabemaske für neue Einträge…

    Leider (aber immerhin) lässt sie sich nur über XML-Dateien an eigene Vorlieben anpassen. Mit etwas trial&error habe ich jedoch noch jede Verlagsvorgabe geschafft.

  2. Dori
    schrieb am 13. März 2011 um 07:50 Uhr (#)

    Wann kommt Teil 2? Ich schreibe gerade an einer Seminararbeit und würde mich über mehr Informationen freuen.
    Ansonsten – sehr interessante Seite, danke!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Thomas Mauch
      schrieb am 13. März 2011 um 22:44 Uhr (#)

      Hallo Dori, danke für das Interesse. Der zweite Teil wird gegen Ende März erscheinen.

    2. Pia
      schrieb am 6. April 2011 um 13:08 Uhr (#)

      Hallo zusammen,
      ich stecke in der gleichen Situation wie Dori und habe jeden Tag kontrolliert ob Teil 2 schon eingestellt wurde. Da wir jetzt schon Anfang April haben nun die Frage ob der Artikel noch kommt oder ob ich mich anderweitig nach Tests vor allem für Mac-Literaturverwaltungen umsehen muss.

      Ansonsten aber ein super Artikel
      Gruß,
      Pia

    3. Schreibt hier auf dem Blog Camilla Kutzner
      schrieb am 6. April 2011 um 13:53 Uhr (#)

      Danke für Euer lebhaftes Interesse. Teil II ist immer noch in Arbeit und wird hoffentlich Ende der Woche fertig. Über das Erscheinungsdatum entscheidet allerdings die Redaktion.

  3. Pia
    schrieb am 12. April 2011 um 13:01 Uhr (#)

    Und Redaktion wie schaut’s ?

  4. Schreibt hier auf dem Blog Thomas Mauch
    schrieb am 14. April 2011 um 07:51 Uhr (#)

    Nochmals danke für Euer Interesse – heute ist der zweite Teil online gegangen.

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