Minimalism:
Mit 100 oder weniger Dingen leben

Minimalismus als Lebensform geistert zur Zeit durch’s Web. Erste Anleitungen werden veröffentlicht, wie man mit bloss 100 Dingen auch zurecht kommen kann.

(Hooverine bei flickr.com)Die Idee finde ich sympathisch: Im Lauf der Jahre sammeln sich Dinge an, die Platz wegnehmen, Staub anziehen und die Sicht auf’s Wesentliche versperren. Aber die wir eigentlich nicht mehr brauchen. Sperrgut, das wir in Schränken, Abstellkammern und Truhen aufbewahren. Die Minimalismus-Theorie sagt nun: Werde diese Dinge los und Du wirst glücklicher leben. Da wir alle glücklicher werden wollen, haben wir uns den Weg dorthin angesehen:

Extrem Minimalism
Kelly Sutton, der 22jährige «Extreme Minimalist», hat es 2010 mit seiner Website cultofless.com zu Bekanntheit gebracht. Bis im Dezember 2010 hat er sein Hab und Gut verkauft, bis der Rest in zwei Koffern und zwei Schachteln Platz fand. Sein Beispiel bietet einigen Anschauungsunterricht, wie man ein weitgehend besitzloses Leben realisiert. Jessica dokumentiert auf minimalstudent.com ein ähnliches Unterfangen. Sie gibt ganz praktische Tipps, wie man minimalistisch kocht oder wie die passende Garderobe aussieht. Natürlich gibt es bereits Ratgeber-Literatur: Everett Bogue etwa hat «Minimalist Business» geschrieben: Ein E-Book, wie man basierend auf der Minimalism-Lebensweise ein Geschäft aufbaut und führt.

Besitz strategisch verringern
Für das E-Book müsst Ihr 37 nicht gerade minimale US-Dollar aufwerfen. Alternativ hält Tucker Cummings von Stepcase Lifehack einige Tipps bereit, wie man ein Leben mit 100 oder weniger Dingen realisiert. Diese Liste scheint interessanter: Erstens ist sie günstiger und zweitens beinhaltet sie einige Anregungen, die auch nützlich sind, wenn man nicht das 100-Dinge-Ziel verfolgt:

1. Erstell ein Inventar aller Dinge. Nur wenn ich weiss, was ich besitze, kann ich entscheiden, was ich loswerden will. Tönt logisch und ist sicher auch spannend, wenn man nichts wegwerfen will: Sich vor Augen führen, was man so alles besitzt.

2. Behalte nur Gegenstände mit Mehrzweck-Nutzen. Tucker führt hier die Knoblauchpresse als Beispiel an: Sie hat nur einen Zweck, also sollte man sie durch ein Mehrzweckgerät ersetzen. Da bin ich skeptisch, weil diese Einzweck-Sachen gewisse Aufgaben einfach besser erledigen.

3. Sei nicht zu spartanisch. Bloss 100 Dinge zu besitzen heisse nicht, sich alle Lebensfreude zu versagen. Aufatmen, ich darf mir die Knoblauchpresse gönnen, wenn sie mir wichtig ist. Sympathisch.

4. Beachte die 12-Monats-Regel. Werde alles los, was Du in den vergangenen zwölf Monaten nicht benutzt hast. Das finde ich einen sehr wertvollen Hinweis. Diese Frage hilft, Unwesentliches zu identifizieren.

5. Wieder-Aufräumen nach drei Monaten. Nachdem diesem Prozess kämmst Du alle drei Monate Deine Habseligkeiten wieder nach den oben genannten Regeln durch. Dauert ja nicht mehr lange.

6. Überprüfe Deine Geschäftsaktivitäten. Wer als Selbständiger oder als Freelancer unterwegs ist, sollte sein Geschäft nach Unnötigem durchsuchen – etwa Faxgeräte oder Drucker durch geeigenete Services ersetzen.

Oder doch wie Karin?
Tucker liefert einige Ideen die für jeden von uns nützlich sein können. Obwohl ich bezweifle, dass mich der Besitz von 100 oder weniger Gegenständen viel glücklicher machen würde: Unnützes Zeugs will ich auch loswerden. Vielleicht bietet Karin Friedlis Beispiel eine etwas entspanntere Vorgehensweise: Unsere Kollegin vom Blogwerk-Verlag räumt ein Jahr lang auf und wird jeden Tag einen Gegenstand los. Ihr Unterfangen haben wir schon einmal vorgestellt und seit August 2010 dokumentiert sie den Prozess auf ihrem Blog.

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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18 Kommentare

  1. Weniger ist mehr. Finde das auch. Deshalb auch nur ein minimalistischer Kommentar: Gefällt!

  2. Das Thema “Minimalismus” scheint nun auch ind Deutschland langsam “anzukommen” – und das, nachdem Everett Bogue nun schon wieder dessen Ende verkündet hat…

    Eine Diskussion wurde bereits vor einigen Wochen begonnen – und wird zurzeit hier (http://oliverpeiss.de), hier (http://www.schwingelschwingeldingdong.com/)und auf twitter fortgeführt…

  3. Was Du heute wegwirfst, weil Du es nie brauchtest, wirst Du morgen neu kaufen, weil Du es unerwartet dringend brauchst. Don’t mess with Murphys Law. (Ausser Du bist Franziskaner)

  4. Stecke gerade mitten im Umzug und finde auch, dass ich vieeel zu viel Ballast mit mir herumschleppe.

    Aber:
    Das Thema Minimalismus ist gar nicht so neu. Es kommt seit Jahrzehnten immer wieder hoch, ist sozusagen ein ständiger Begleiter des Kapitalismus. Das zumindest hat mir der Frankfurter Ethnologie-Professor Dr. Hans Peter Hahn in einem Interview gesagt: »Immer, wenn Wohlstand akzeleriert, wenn wir es also mit einem schnellen Wohlstandszuwachs zu tun haben, steigt die Konsumkritik.«

    Zum Artikel über zu viel Kram und Zeugs.

  5. technische Frage: Zählt da eine Schachtel mit 200 LPs als 201 Dinge oder als ein Ding?

    • Wenn Du Deine LPs in der ganzen Wohnung verteilst, gelten sie jedenfalls ganz bestimmmt nicht als 1 Teil.

      Wenn Du sie in eine Kiste packst, evtl. schon. Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden.

      …Warum überhaupt 100 Teile, und nicht 112 oder 97?

  6. Minimalismus ist eine gute Sache, und in der Tat: Die Idee der Genügsamkeit und des Maßhaltens ist nicht wirklich neu.
    Trotzdem tut es gut, nicht immer bei “höher,weiter,schneller” mitmachen zu müssen. Durch Reduktion ist man mit einem Beinchen schon aus dem Hamsterrad draussen.

    Trotz allem finde ich diese 100-Dinge Sache ziemlich dämlich. Wenn man sich bei den amerikanischen Minimalisten mal diese Listen anschaut, nehmen sie es nicht so genau…
    Diese Regeln sind anscheinend seeeeehr dehnbar, und dann kann man es ja auch gleich sein lassen.

  7. Minimalisten. Sollte nur mal in die Schulen gehen, da gibt es Minimalisten en masse. Scheint ein ziemlicher Kult zu sein, dieser Minimalismus, aber man kann es ja auch übertreiben.

  8. @Markus .. kommt darauf an, wieviel Platz Du in der Liste noch hast .. ;-)

  9. “Reduktion ist Gewinn.”
    Otl Aicher

  10. für diejenigen, die den “trend” eh schon leben – wir diskutieren aktiv und gerne unter: http://thetechnomads.net/ – come around and join us!

    • Hallo Dan, habe mich eben durch die Kommentare gelesen und bin dabei auf deinen Link gestoßen. Vielen Dank dafür. Ich wusste von der Seite gar nichts. Habe mich gleich erstmal in die Liste eingetragen und den tumblr abonniert.

      Ich habe selbst auch einen Blog zum Thema: http://www.minimalkult.de

      Schönen Gruß

    • howdy ryan,

      ja, hab deinen blog gesehen. spannend! gute experiment!

      ich hab nach meinem 3 monatigen roadtrip durch die staat und burning man, mein hab&gut in eine studibutze gelegt, 10qm, tisch bett, internet.

      danach alles komplett wegverschenkt, verkauft, verliehen um dann über ein jahr im ausland zu reisen und zu leben.

      bis letztes jahr nicht viel neuen besitz angeschaft und dann wieder um die welt getingelt für 10 monate – ES GEHT !!!

      was mich nur stört, ist diese hype, trend, was auch immer “bewegung” in verbindung mit “wirtschaft/business” affig!

      wie du selbst sagst, wer einmal 1 woche draussen in der natur war, weiss genau was wir alle nicht brauchen: konsum.

      konsum macht träge, fett und ist der moter eines 9to5 idioten kapitalismus, der “high potenials” und “performer” hervorbringt. menschen, die mit 40 kaputt sind und nicht verstehen warum.

      ich denke, wir sind auf dem richtigen weg: leben statt besitz! cheers!

  11. was ich etwas schade finde ist, dass gar nicht auf den “Erfinder” dieser Bewegung eingegangen wird, Dave Bruno. Der hatte schon 2007 verkündet, ein Jahr lang mit weniger als 100 Sachen leben zu wollen und damit einen regelrechten Hype ausgelöst. Sein Erfahrungsbericht kam Ende letzten Jahres heraus (100-Thing-Challenge).

    Auch finde ich es sehr befremdlich, dass gerade Everett Bogue genannt wird, der jüngst verkündet hat, dass Minimalismus vorbei ist und Blogger wie Leo Babauta überhaupt nicht erwähnt werden. Tja, etwas mehr Recherche hätte dem Artikel gut getan. Würde mich sehr freuen, wenn ihr öfters etwas zu dem Thema schreibt, die vielen Kommentare zeigen ja, dass Interesse besteht.

  12. Ein sehr anregender Artikel!
    Ich werde versuchen der Anregung zu folgen. Heute habe ich damit begonnen: http://family-hermann.de/…yhermann/archives/83

  13. Also ist lustig wie auf Ideen eingegangen wird die schon viel länger zurückliegen und das ist bei weitem kein Hype der neuzeit, diese Idee gab es schon lange vor der Digitalen welt. Mit weniger glücklicher zu sein.

    Ich würde behaupten geht mindestens einige hundert Jahre zurück. Dann im letzten Jahrhundert gabs, Ghandi und Bruce Lee als bekanntere beispiele. Wie immer altes aufgegraben wird und als neuheit verkauft wird ist schon sehr amüsant.

  14. Ich grüße euch alle,

    der Minimalismus als Lifestyle ist mir seit kurzem kein unbekanntes Ding mehr und jetzt wo ich zufällig auf diese Seite gestoßen bin, verspüre ich gewissen Drang mein Kommentar abzugeben … auch wenn ich darum gar nicht gefragt wurde. :D

    Der Minimalismus als solcher ist keine schlechte Sache, aber gerade bei solchen Blogs merkt man wie heftig manche den Sinn der ganzen Sache verfehlen. Wenn ich manchmal manchen Menschen zuhöre, denke ich fast sie hätten nur darum gewettet mit möglichst wenig zu leben und nicht weil das ihr eigener Wille sei. Ich will nicht hart klingen, aber alle diejenigen, die denken umso weniger man besitzt, desto minimalistischer sei man, sind einfach nur lächerlich.

    Das wäre das Erste. Und das Zweite ist dieser ganze Hype, als ob es für alles einen speziellen kultigen Namen geben muss, was bereits seit Jahrhunderten, gar Jahrtausenden existiert. Geht man einen Schritt zurück und betrachtet das Leben als ein Ganzes, dann hat diese Lebenseinstellung bereits seinen Namen – das orthodoxe Christentum, auch als das orientalische Christentum bekannt.

    Wenn man jetzt mal die Gott/Jesus/Heiliger Geist Geschichte auslässt, geht es bei praktischem Leben einfach nur darum sich von allen materiellen Sachen loszulösen und sie schlicht und einfach als alltägliche Werkzeuge zu betrachten. D.h. keine emotionale Bindung zu den Gegenständen entwickeln zu lassen, sondern nur zu seinen Mitmenschen und gerade deshalb soll umso stärker diese emotionale Bindung zu ihnen sein. Es geht nicht darum möglichst wenig zu haben, nein. Es geht darum sich einen leeren Raum vorzustellen und ihn schrittweise mit “Lebenswerkzeugen” zu füllen, die man auch braucht – überspitzt gesagt jeden Tag einen neuen Gegenstand, bis man sie alle hat und das Inventar erst dann erweitern, wenn ein neuer Gegenstand benötigt wird und nicht umgekehrt.

    Es geht um eine geistige Einstellung das Leben bescheiden und von Freude erfüllt zu führen. Liebe, Vernunft, Bescheidenheit, Kommunikation, Kooperation, Einklang mit der Natur wären die wichtigsten Begriffe, die man bei der Auseinandersetzung mit dieser Lebenseinstellung im Hinterkopf beibehält. Solch eine Person kennt weder Neid noch Habgier. Das einzige dürfte nur der unstillbare Hunger nach Wissen und Schaffen sein, welcher im Übermaß ausgeprägt ist, zumindest im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung.

    Hat jemand von euch schon mal einen Ausflug durch die mittelalterlichen serbischen Kloster und Kirchen gemacht? Es ist gar nicht mit Worten zu fassen welche Lebensenergie die einfachen teils sehr jungen Mönche ausstrahlen. Sie sind künstlerisch tätig, sei es Malen, Holzschnitzerei, Steinhauerei; sie haben ihre Gärten und sind totale Kenner der Kräuter- und völkischen Heilkunde; sie stellen ihre Lebensmitteln selber her und und und. Und trotzdem benutzen sie Internet, kennen aktuelle Ereignisse und können sich mit allen über alle Themen unterhalten. Ganz nebenbei bin ich ein Geisteswissenschaftler und kann euch sagen, diese Mönche sind wahre Philosophen, manche auch richtige Kyniker. Diese Menschen leben einen wahren Minimalismus nach. Ich selber habe bei der Durchreise mehrere Tage im Kloster verbracht und konnte sie genauer beobachten. Diese Bescheidenheit und daraus resultierende Großzügigkeit, unbeschreiblich. Sie wollten für die Übernachtung nicht mal Geld von mir haben, nur wenn ich freiwillig bereit bin an die Kirche zu spenden (dort gibt es keine Kirchensteuer wie bei uns). Ich habe gut gespendet, war aber jetzt nicht sooo viel, aber sie waren überglücklich, was sie mir nicht alles als Gegengeschenk mitgegeben haben – von selbsterzeugten Wein, verschiedene Teesorten, aus Holz geschnitzte Ikone, auch ein Talisman in Form eines Armbandes, das mich vor Krankheiten schützen soll. Diese offene (keine vorgespielte) Freundlichkeit als kannten wir uns seit der Kindheit, die einem selbst Mut und Energie gibt, kann man auch nicht beschreiben.

    Warum erzähle ich diese Geschichte? Es ist einfach ein herber Vergleich wie eine Lebenseinstellung und daraus resultierende Freude aussieht im Vergleich zu Leuten, die einfach paar überflüssige Sachen bei ebay verscherbeln. Was ist denn da überhaupt der Sinn des Minimalismus? Ist das der hochgepriesene Minimalismus oder nur eine Selbstlüge? Eine übergewichtige Frau steht vor dem Kühlregal im Supermarkt und holt sich statt zwei einen Becher Fruchtjogurt – ist das eine light- oder hardcore Variante des Minimalismus? :D

    Klingt hart, aber ich hoffe einige sehen, dass ich manche zum Nachdenken anregen möchte. Gegen solche Blogs habe ich nichts, aber mal im Ernst, braucht man sie? Nicht wirklich. Wer seinen Weg sucht, wird ihn finden, auch ohne eine “wie-lebe-ich-minimalistisch”-Anleitung. Es geht vielmehr darum durch Erfahrung eine gewisse Reife zu erlangen und mit dieser Reife sein Leben umzugestalten. Die Transformation beginnt erst im Kopf, nach einer Weile ändert sich auch der Körper und die allgemeine Fitness, und erst dann beginnt sich spontan die eigene Umwelt zu verändern. Der umgekehrte Weg ist meist der falsche.

    Ja, ich hätte eigentlich soviel zu sagen, aber ich bin mir nicht sicher, ob mein Kommentar auch so veröffentlicht wird, deswegen lasse ich es. :D Ich kann euch allen nur dazu raten, sich weniger um irgendwelchen von der Masse erzeugten Hype zu kümmern und euren eigenen Weg intuitiv zu suchen, eurem Charakter und euren Fähigkeiten entsprechend.

    Was sinnvoller als ein “How-To” Blog wäre, ist ein Austausch-Blog, wo jeder schreiben könnte, wo er demnächst reisen wird und so können sich Gleichgesinnte weit weg von der virtuellen Welt austauschen und etwas gemeinsam unternehmen. Hmm, vielleicht mache ich so was, reise ehe in 2 Monaten nach Südeuropa (wo es mal im Sommer auch 40+ warm wird), bleibe dort für halbes Jahr auf einem Bauernhof ein wenig auf dem Acker arbeiten und nebenbei lerne ich wie man auf die traditionelle Art verschiedene Lebensmittel selber herstellt – von Käseprodukten bis hin zu den alkoholischen Getränken. Verstärkung wäre nicht schlecht, dann kann man sogar eine kleine “cooperativa” (Genossenschaft) gründen und nebenbei auf dem lokalen Markt Geld verdienen und vom verdienten Geld, falls ausreicht, eventuell ein kleines Ackerland kaufen, kleine Holzhütte bauen und saisonell auf dem Acker arbeiten und leben… ;)

    Viele Grüße und gute Nacht
    der minimalistisch lebende “Antiminimalist” ;)

  15. Ich bin auch gerade mit dem Ziel 500 Gegenstände in einem Jahr loszuwerden. Bin heute bei Tag 120 und bin um 177 Gegenstände leichter :)

    Link: http://projectbyebye.wordpress.com/

5 Pingbacks

  1. [...] Wege einschlagen. Unter Umständen gar bis zur Revolution im eigenen Haushalt oder wie man mit 100 Dingen im Leben auskommen [...]

  2. [...] Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viele Worte verlieren, sondern direkt auf einen interessanten Artikel auf imgriff.com verweisen: http://imgriff.com/2011/0…eniger-dingen-leben/ [...]

  3. [...] einer geselligen Runde das Gespräch auf das Buch. An Kritik mangelt es nicht: Das Buch pflücke hier oder hier oder dort Ideen, die andere längst gehabt hätten. Es komme zu wenig wissenschaftlich [...]

  4. […] wieder die Blog-Bewegung der Minimalisten ein, die mit durchschnittlich 100 oder gar nur 50 Dingen den Alltag beschreiten. Laut einer Online-Statistik besitzt der Durchschnittseuropäer im Schnitt pro Kopf um die 10.000 […]

  5. […] seinem Artikel fasst Thomas Mauch bei imgriff.com ein paar lesenswerte Artikel und Blogs über den Minimalismus zusammen. Und brachte damit mich und den Kreis der Hatemalo-Mitglieder auf eine wie ich finde […]

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