Nevernote:
Evernote nativ unter Linux nutzen

Nevernote ist ein nativer Linux-Client für das beliebte Notizentool Evernote. Im Test stiessen wir auf Extrafunktionen, aber auch einige Kinderkrankheiten.

Das Web-Notizbuch Evernote bietet Clients für Windows, Mac und Mobilgeräte von Blackberry bis Windows Mobile. Nur Linux-Nutzer mußten bisher auf einen nativen Client verzichten. Der Klon Nevernote will genau diesen bieten. Noch ist allerdings fraglich, ob er anderen Lösungen wie etwa dem offiziellen Client, der unter dem Windows-Emulator wine auf Linux-Systemen läuft, oder den Web-Komponenten von Evernote vorzuziehen ist.

Gedankenspeicher für alle Fälle
Evernote ist eine Anwendung, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Die Kombination von Desktop-Client und Webanwendung macht das Online-Notizbuch zu dem Ort, an dem Artikelideen, Shoppingtips, Netzfundstücke oder der schnelle Geistesblitz zwischendurch landen. Mindestens ebenso wichtig wie das schnelle Ablegen ist das zuverlässige Wiederfinden: Dank Suchfunktion und Tagging funktioniert das bei Evernote sehr gut. Gregor hat hier auf imgriff.com vor einiger Zeit beschrieben, wie er Evernote für die tägliche Arbeit nutzt.

Jetzt auch für Linux!
Um den Client auf meinen Linux-Rechnern zu nutzen, muß ich allerdings auf den Windows-Emulator wine zurückgreifen oder mich auf das Web-Interface verlassen. Dessen Bedienung bietet allerdings bei weitem nicht denselben Komfort wie der native Client. Hier kommt Nevernote ins Spiel. Der quelloffene Evernote-Klon will primär einen Client für Linux bieten, läuft jedoch auch auf Windows und Mac. Er kann sowohl Evernote-Notizbücher verwalten oder als lokales Notizbuch ohne Evernote-Account verwendet werden.

Optisch gibt sich der Client schlicht und an die Linux-Systemoptik angeglichen. Er lenkt daher mich weniger ab als die offizielle Anwendung. Mit einem Klick auf den «Minimieren»-Knopf nistet sich Nevernote platzsparend im Gnome-Panel ein.

Alternativprogramm mit Extrafunktionen…
Nevernote bietet etliche Features, die der offizielle Client nicht hat – vom Festlegen einer Farbe für Notiztitel und Hintergrund über Themes bis zur Verschlüsselung der Nevernote-Datenbank. Freunde von Tastaturkürzeln werden sich über die Möglichkeit freuen, Tastenkombinationen den eigenen Vorlieben anzupassen. Nützlich ist auch die Möglichkeit, Bilder in Nevernote zu drehen oder innerhalb einer Notiz Text hervorzuheben. Und die Einstellung, beim Schließen des Programms automatisch mit dem Evernote-Server zu synchronisieren, erspart einem manchen Frustrationsmoment.

… und Kinderkrankheiten
Im Test reagierte das Programm beim Bearbeiten großer Notizbücher etwas träge. Zwischen den Versionen 0.94 und 0.96 war allerdings ein deutlicher Unterschied zu bemerken; die neuere Version operierte im Test deutlich flotter. Die Geschwindigkeit läßt sich zusätzlich über die «Close Notebook»-Funktion etwas verbessern; damit können nicht so häufig gebrauchte Notizbücher verborgen werden. Nevernote verfügt weder über ein Screenshot-Tool noch über Handschrifterkennung, und die Mailfunktion verschickt nur Reintext-Mails. Wer auf diese Funktionen bei Evernote Wert legt, wird von Nevernote enttäuscht sein.

Fazit: Es kommt darauf an…
Nevernote benötigt nicht zwangsläufig ein Evernote-Konto. Es kann auch lokale Notiz-Datenbanken verwalten. Dafür erscheinen allerdings gerade unter Linux Desktop-Tools wie Tomboy, Desktopwikis oder digitale Zettelkastensysteme sinnvoller und ressourcenschonender. Ob Nevernote als Alternative zum offiziellen Evernote-Client gelten kann, ist angesichts der Beschränkungen, vor allem hinsichtlich der Geschwindigkeit und des Fehlens einer Screenshot-Funktion, Geschmackssache. Seine Nützlichkeit hängt letzten Endes davon ab, welche Features von Evernote für den jeweiligen Nutzer zentral sind. Das Projekt befindet sich, der relativ raschen Folge neuer Versionsankündigungen im Forum nach zu schließen, in aktiver Entwicklung und es ist zu hoffen, daß die Geschwindigkeitsprobleme bald der Vergangenheit angehören.

» Projekt-Homepage
» Öffentliches Notizbuch des Nevernote-Teams

 

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3 Kommentare

  1. Ich nutze auch seit mehr als einem Monat Nevernote unter Ubuntu Linux.

    Von einfachen TXT-Dateien bin ich dann doch auf ein anderes “Tool” gewechselt, bis dato bin ich mit Nevernote auch sehr zufrieden, läuft stabil und nicht allzu träge.

    Ich bin gespannt wie sich das ganze verhält wenn die Anzahl meiner Notizen steigt. ;-)

  2. Das angebliche Problem der fehlenden Screenshot-Funktion ist m.E. keins. Jede (?) Linux-Distri bringt eine leistungsfähige Funktion mit, Nevernote braucht alsp nicht unbedingt eine eigene. Sie würde allerdings die Bedienung in dieser Beziehung um einen Schritt verkürzen.

  3. Ich möchte angesichts der NSA Affäre meine Projekte wieder lokal verwalten und arbeite mich langsam in Nevernote ein, Unter windows ist mir die Installation sofort gelungen, unter Linux Mint Debian nicht.
    Ich finde Nevernote sehr ansprechend, auch den Desktop. Toll ist auch, dass sogar pdf Dokumente importiert werden können.
    Was mich stört: Ich weiß nicht, wie viele Dokumente per Datenbank abgespeichert werden können oder wie groß die Datenbank auf dem Speichermedium werden darf, ohne dass Nevernote abstürzt. Schade ist, dass die .nnex Datenbank-Datei wohl nur von Nevernote geöffet werden kann.
    Was mache ich, falls Nevernote mal streiken sollte??????

    Gruß

    Jutta Hinrichs

Ein Pingback

  1. [...] meinen heimischen Linuxsystemen aus. Zwar läuft Evernote unter wine, und mit Nevernote (das ich hier besprochen habe) gibt es einen durchaus funktionsfähigen Klon. Allein: Beide sind nicht unbedingt [...]

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