Zuverlässig zusammenfassen:
Exzerpte für Studium und Schule

Camilla Kutzner, 12. Juli 2010 09:00 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Ob in der Schule oder im Studium, jeder war wohl schon einmal dazu aufgefordert, einen Text aus der Feder eines anderen zusammenzufassen. Mit einigen Grundsätzen sind Exzerpte probate Hilfsmittel beim Schreiben von Sachtexten wie beim Lernen.

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Für mich war das Herausschreiben von Informationen aus einem Text nicht nur ein wichtiges Mittel des Lernens, sondern auch ein Dreh- und Angelpunkt der wissenschaftlichen Hausarbeiten, die ich im Studium verfasste. Manchmal war es sogar unumgänglich, etwa wenn ich mit Literatur arbeiten musste, die ich weder ausleihen noch kopieren konnte. Ob ich aus einem kopierten Text, einem entliehenen Buch oder in der Bibliothek aus einem nicht entleihbaren Band exzerpiere, es gilt: Das Exzerpt soll verlässlich sein und alle notwendigen Daten zur Verfügung stellen, damit ich die Inhalte eines Textes wiedergeben kann, idealerweise muss ich nach der Fertigstellung nicht noch einmal ins Original sehen.

Vorarbeit Nr. 1: Auswahl
Selbst mit einer guten Exzerpttechnik ist das Zusammenfassen eines langen Textes in eigenen Worten noch ein zeit- und arbeitsaufwendiges Unterfangen. Bevor ich mich mit Stift und Papier oder Laptop in die Bibliothek setze und ein komplettes Buch von vorne bis hinten zusammenfasse, tue ich gut daran, erst einmal zu prüfen, welche Kapitel, Abschnitte oder Unterabsätze eigentlich relevant für meine Fragestellung sind. Voraussetzung dieser Auswahl ist freilich, dass ich bereits eine klare Fragestellung habe; wenn auch manchmal Lektüre und Präzisierung der Fragestellung sich gegenseitig bedingen, tendiere ich dazu, nicht ohne klares Erkenntnisinteresse an ein Exzerpt heranzugehen.

Vorarbeit 2: Lektüre mit Randbemerkungen
Ein tragfähiges Exzerpt beginnt mit der Lektüre. Für mich haben sich Randbemerkungen und farbige Unterstreichungen als wichtiges Hilfsmittel erwiesen, was natürlich mit Büchern, die mir nicht gehören, nicht machbar ist. Hier ist es nützlich, bereits eine Fragestellung im Kopf zu haben, etwas, das ich vom Text wissen will, und nur sparsam anzustreichen, sonst geht es einem wie Christian Fürchtegott Gellert:

«Des Übels Ursprung las ich jüngst in Hallers Werken
und nahm mir vor, mit einem Strich die besten Stellen zu vermerken.
Ich las, strich an, las fort, strich an und freute mich,
und als ich fertig war, sieh, da war alles Strich.»
(Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769)

Ich persönlich lese erst einen Satz, manchmal einen ganzen Absatz, bevor ich zum Marker greife, die wichtigsten Worte oder Satzteile des Absatzes hervorhebe und Randbemerkungen mache. Andere schwören auf Lesetechniken wie SQ3R.

Auch in PDFs kann man Anmerkungen machen (z.B. mit dem Foxit PDF Reader), und sogar auf Websites kann man mit dem Firefox-Plugin Quicknote (von Marcel Weiss bereits hier besprochen) oder mit dem Awesome Highlighter (Artikel von Florian hier besprochen) Notizen machen. Bessere Lesenotizen waren auch schon einmal Thema unseres täglichen Linktipps.

Das Exzerpt selbst
Beim Exzerpieren selbst behalte ich zwei Dinge im Kopf:

  • Erstens: den Zweck des Exzerpts. Für mich soll es meistens als Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit dienen, und dazu sollte es so verlässlich sein, dass ich den Inhalt des Textes, soweit er für meine Fragestellung relevant ist, wiedergeben kann, ohne den Originaltext erneut in die Hand zu nehmen.
  • Zweitens leiten, wie bereits unter dem Punkt «Lektüre» erwähnt, mein Erkenntnisinteresse und meine Fragestellung die Lektüre und die Auswahl dessen, was ich herausschreibe.

Habe ich eine klare Fragestellung vor Augen, beginne ich, den Text zusammenzufassen, indem ich den Inhalt jedes Absatzes im Hinblick auf meine Fragestellung in einem Satz zusammenfasse, der selbstverständlich nicht zum Bandwurmsatz werden soll. Jeder Abschnitt – hier orientiere ich mich, sofern vorhanden, an den Zwischenüberschriften – bekommt eine Überschrift, die das Hauptthema in möglichst wenigen Worten charakterisiert. Am Rand halte ich fest, wo eine neue Seite beginnt, indem ich die Seitenzahl hinschreibe.
Zumindest am Anfang des Exzerpts halte ich die korrekten bibliographischen Daten fest – nicht nur so, dass ich den Text jederzeit wiederfinde, sondern so, dass ich ihn nur mit diesem Exzerpt in der Hand den Standards meines Fachbereichs entsprechend zitieren könnte.

Um nicht ins Abschreiben zu geraten, achte ich darauf, möglichst in meinen eigenen Worten den Inhalt des Textes wiederzugeben. Besonders gewissenhafte Naturen sollten sich am Anfang ermutigen, dem eigenen Verständnis des Textes zu trauen. Für den wissenschaftlichen Gebrauch ist es zentral, die eigene Meinung von der des Autors zu trennen. Um Autorenmeinungen zu referieren, habe ich mir im Lauf meines Studiums einen Vorrat an spezifischen Floskeln zugelegt, von «xy zufolge» bis zu in der Alltagssprache eher nicht geläufigen Konjunktiv-Konstrukten. Dem «Nicht-Abschreiben» dient ebenfalls die Richtlinie, nur wenige wörtliche Zitate zu verwenden, also nur die besonders tollen, treffenden, prägnanten Sätze wörtlich zu zitieren. Die Zeit, diese Zitate buchstabengetreu abzutippen – sofern man nicht ohnehin auf Copy & Paste zurückgreifen kann – sollte man sich nehmen: Das erspart einem, den Text noch einmal ausfindig machen und das Zitat korrigieren zu müssen.

Natürlich lauert beim Exzerpieren die Falle, von Anfang an schöne Wissenschaftsprosa schreiben zu wollen. Diesen Perfektionismus, der die ohnehin oft zähe Arbeit weiter bremst, kann man aber getrost außer Acht lassen: Das Exzerpt ist vor allem Grundlage der Arbeit, gleichsam «Rohmaterial», es darf, bevor man es im fertigen Text verwendet, ausgiebig überarbeitet werden. Inhaltliche Korrektheit ist im eigentlichen Arbeitsgang des Herausschreibens wichtig, sprachliche Schönheit zweitrangig.

Mit diesen Maximen bin ich im Studium zu Zusammenfassungen gekommen, die mir ermöglichten, Forschungsmeinungen knapp und sachlich wiederzugeben und zu vergleichen; auf die Technik des Exzerpierens greife ich heute noch zurück, wo ich mich intensiv und kritisch mit Sachtexten auseinandersetzen will.

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5 Kommentare

  1. Daniel
    schrieb am 12. Juli 2010 um 14:12 Uhr (#)

    Ich finde Exzerpte super, habe aber immer wieder Probleme ein System zu finden, die Exzepte über ein längeren Zeitraum nutzenbar zu machen. Konkret: Wie oder wo legt man Exzerpte wiederfindbar ab (Ausdruck, Datei(-name)? Wie stellt man sicher, dass man nach Monaten zu einem Text auch noch weiß, dass es hierfür ein Exzerpt gibt (Stichwort: Verlinkung)? Gibt es da Ideen?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Camilla Kutzner
      schrieb am 13. Juli 2010 um 13:30 Uhr (#)

      Im Studium habe ich leider nicht sonderlich viel Wert auf diesen Aspekt gelegt. da hatte ich für jedes Projekt einen eigenen Ordner und für die Magisterarbeit für jedes Kapitel einen Unterordner. Was man eventuell unter dieser Richtung verbuchen könnte: ich habe die ausformulierten Exzerpte mit dem Wissensmanagement-Modul und der Zitatverwaltung von Citavi im Überblick behalten; das ist allerdings projektspezifisch und macht mich nicht darauf aufmerksam, daß ich z.B. im Rahmen eines älteren Projekts ja schon einmal etwas “Wiederverwendbares” gelesen habe.

      Mit einer guten Desktopsuche könnte man nach dem Prinzip verfahren: Aussagekräftigen Dateinamen wählen, irgendwo ablegen, wo es halbwegs logisch erscheint und bei Bedarf über die Desktopsuche herauskramen.
      Wenn ich jedoch sichergehen will, daß ich mich überhaupt in zwei Jahren noch an dieses Exzerpt erinnere, würde ich das unter dem Schlagwort “Wissensmanagement” angehen; mein Tool der Wahl wäre hier ein Desktop-Wiki (oder, wenn es lieber im Netz sein soll, ein richtiges Wiki auf meinem eigenen Webspace). Dort könnte man dann entweder die Dateien verlinken – könnte ein wenig unpraktisch sein, wenn man mit verschiedenen Versionen arbeitet – , das fertige Exzerpt per copy/paste ins Wiki einfügen oder das Exzerpt gleich im Wiki führen.
      Inwieweit Zettelkasten-Lösungen für diese Aufgabe hilfreich sein könnten, wäre noch zu erkunden. Derzeit, muß ich zugeben, nutze ich die Methode “aussagekräftiger Dateiname + Desktopsuche”.

      Für überzeugte Papier-Verwender habe ich einmal die Anregung gelesen, Exzerpte in einer Kartei abzulegen. Die will dann natürlich auch gepflegt sein; als Infrastruktur dafür bietenn sich Manila Folders oder Classei- bzw. Mappei-Systeme an.

  2. Michael Kieweg
    schrieb am 14. Juli 2010 um 07:00 Uhr (#)

    Man kann sich doch auch ganz einfach eine (Excel)Liste der verfasten Excerpte anlegen.
    Erstellungsdatum, Dateiname (ev.direkt als Link), Thema des Excerpts, Quelle.
    Dann muss man nur noch so diszipliniert sein, diese Liste auch zu führen…..

  3. MoroX
    schrieb am 14. Juli 2010 um 21:04 Uhr (#)

    Das kostenfreie JabRef (jabref.sourceforge.net) kann man auf allen Betriebssystemen nutzen, um Bibliografiedaten zu erfassen und dazu eigene Notizen (Review, Exzerpt, …) zu verfassen, sowie mehrere Dateien zu einem Eintrag verlinken. Das Erstellungsdatum wird direkt erhoben und kann in der Listendarstellung aller Einträge zur Anzeige gebracht werden.

    Die Literaturtypen richten sich zunächst nach BibTeX, sind aber selbst erweiterbar. Bspw. ließe sich ein Typ “Exzerpt” anlegen, der “Autor”, “Title” und “Year” beinhalten MUSS und “Language” umfassen KANN. (Einträge, bei denen ein MUSS-Feld nicht ausgefüllt wird, werden farblich hervorgehoben.)

    Eine Suchfunktion über alle Felder lässt auch nach Jahren die Suche nach – sagen wir bspw. – “Strich” das Finden eines Texts / Exzerpts zu, in dem das Wort vorkam.

    In selbst anzulegenden, sogenannten “Groups” kann man seine Literatur / Exzerpte zudem selbst einordnen. Hat man bspw. die (Projekt-/Themen/…)Gruppen G1 bis G9 erstellt, kann man einen Eintrag in keine / eine / mehrere bis hin zu allen Gruppen einordnen (und natürlich wieder löschen). Die Gruppen sind beliebig hierarchisch aufbaubar. Filterfunktionen lassen es zu, nur (wichtige) Teile der Hierarchie in der Listendarstellung angezeigt zu bekommen.

    JabRef ist anfangs nicht ganz einfach zu bedienen, aber es bietet viele Möglichkeiten. Ich bin voll und ganz zufrieden damit und kann es jedem (gegenüber Citavi, Zotero, etc. pp.) nur ans Herz legen. Andere Literaturverwaltungen bieten (gegenüber JabRef) den Vorteil der automatischen Extraktion von Bibliografiedaten, wogegen ich aber gern den Verlust des Bewusstseins der Nutzer für eben jene Daten anbringe. “Wer soll den Text geschrieben haben?”… ;)

  4. He.ute
    schrieb am 18. Juli 2010 um 21:20 Uhr (#)

    Eine wirklich gute und prägnante Erläuterung zu den Exzerpten. Zu Beginn des Studiums habe ich genau nach so etwas gesucht, aber alles was ich fand war eher schwammig formuliert.
    Eine Exzerptübersicht halte ich mir projektbezogen in MS OneNote fest, das Programm ist gerade für Projekte, Informationen sammeln und speichern meines Erachtens sehr gut geeignet, aber da hat sicher jeder seine eigenen Favoriten.
    Viele Grüße
    Heike

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