Multitasking:
Teste Dich selbst

Multitasking funktioniert nicht; das tönt logisch, es gibt Studien dazu und wir sagen es immer wieder, etwa hier oder hier. Ein Test bietet nun Gelegenheit, es in drei Minuten selber auszuprobieren.

Clarke Ching, ein Software-Entwickler, hat vor einiger Zeit auf seinem Blog eine Übung zum Multitasking veröffentlicht, die wir gerne auf deutsch vorstellen: Die Übung lässt in eindrücklicher Art am eigenen Leib erfahren, dass Multitasking nicht effizient ist. Das Ganze dauert drei Minuten und ist ziemlich unterhaltsam. Du wirst in dieser Übung drei «Projekte» bearbeiten, zuerst mit Multitasking, anschließend ohne.

Nimm zunächst ein Blatt Papier und zeichne mit Linien drei – noch leere – Spalten darauf. Die drei Projekte haben folgende Ziele:

  1. In der ersten Spalte sollen untereinander die Buchstaben A bis J stehen.
  2. In der zweiten Spalte sollen untereinander die Ziffern von 1 bis 10 stehen.
  3. In der dritten Spalte sollen untereinander die römischen Ziffern i bis x stehen.

Das Endergebnis sollte ungefähr so aussehen:

A | 1 | i
B | 2 | ii
C | 3 | iii
und so weiter.

Nun geht’s los. Fülle die Spalten nach folgendem Muster:

  • Zuerst mit Multitasking: Du arbeitest von links nach rechts, beginnst mit A, füllst dann in der zweiten Spalte die 1 ein und schreibst i in die dritte Kolonne. Anschließend machst Du Dich nach demselben Schema an die zweite Zeile, und so weiter bis ans Ende.
  • Die zweite Runde im «Singletasking»: Zuerst füllst Du die linke Spalte von oben nach unten mit A bis J, dann die zweite mit 1 bis 10 und am Ende die dritte mit i bis x.

Vermutlich muss man die Zeit dabei gar nicht stoppen, der Unterschied ist spürbar. Ich hab’s gemessen, meine Zeiten lagen bei 47 Sekunden im Multi-Tasking versus 28 Sekunden in der zweiten Runde. Noch Fragen?

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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15 Kommentare

  1. Wenn man zuerst den Multitasking Versuch macht, muss man sich aber auch im Klaren darüber sein, dass man für den Singletask Test bereits das Gehirn auf die ersten Stellen im Alphabet und die Folge der römischen Ziffern trainiert hat.
    Aber auch wenn man den Test mit dem Singletasking beginnt ist der Zeitunterschied gut zu erkennen.

  2. So ein schwachsinniger Test – mit Multitasking am PC hat das wohl wenig zu tun. Arbeite doch mal mit jeweils nur einer Applikation. Beispiel: Surfen; dann Inhalte merken; Browser schließen und dann MS Word starten, um Schreiben zu können.

    Wo bleibt da der Komfort?

    Das war jetzt ein Beispiel, das aus menschlicher Sicht gegen Multitasking spricht. Na und? Auf dem iPhone finde ich es trotzdem geil, MT benutzen zu können.

    • Der Rechner kann es ja praktischerweise, das MT. Wir Menschen können Multitasking in dem Sinne nicht, dass wir unsere Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig voll auf mehrere Dinge richten können.

      Absolute Routineaufgaben gehen nebenher, weil sie die Aufmerksamkeit eben nicht voll brauchen. So kann es kommen, dass wir von der Arbeit zuhause ankommen, uns gar nicht an die Fahrt erinnern, aber eine komplette Präsentation im Kopf entworfen haben.

      Bei der oben vorgestellten Übung arbeiten wir in beiden Fällen sequentiell, nicht parallel. Im langwierigeren Fall springen wir nur mit der Aufmersamkeit häufiger, was natürlich länger dauert.

      So habe ich’s mal gelernt, meine ich. Keine Garantie.

    • Es geht in dem Artikel nicht um das Multitasking von Maschinen.

  3. Soll dieser Test ernsthaft eine typische Multitasking-Situation abbilden? Wenn ja: Belege dafür?

    In realen Multitasking-Situationen passiert doch eher folgendes: 1. Ich arbeite zum Beispiel an einer Präsentation für irgendein Projekt. 2. In einer Skype-Diskussion trudelt ein Kommentar eines Mitarbeiters ein, der sich auf das Projekt bezieht und mich zum Nachdenken bringt. 3. Ich rufe deshalb einen anderen Projektmitarbeiter an, gemeinsam treffen wir eine Entscheidung und bauen den neuen Gedanken in die Präsentation ein.

    Ich habe jedenfalls noch nie effizienter gearbeitet als heutzutage.

  4. Das Argument gegen (menschliches) Multitasking geht ja folgendermassen: Es braucht sehr viel Zeit, Aufgabe A wieder aufzunehmen, wenn ich mich durch Aufgabe B unterbrechen lasse.

    Beispiel: Ich schreibe einen Artikel, beantworte zwischendurch Kommentare auf imgriff.com und schreibe dann den Artikel fertig. Gesamthaft werde ich bei dieser Reihenfolge mehr Zeit benötigen, wie wenn ich den Artikel fertigstelle und dann die Kommentare beantworte. Der Grund: Nehme ich das Schreiben des Artikels wieder auf, dauert es einige Momente, bis ich gedanklich weg von den Kommentaren hin zum Artikel komme.

    Mehr will dieser Test nicht zeigen. Aber auch nicht weniger.

    Und mein iPhone ist mit OS4 unerträglich langsam geworden.

  5. Ich hab aus Versehen zuerst den Single-Task-Test gemacht. Ehrlich: Ich fand das “Multitasking” dann weder spürbar langsamer noch besonders “Multitasking”.

    Bei Multitasking gehts doch nicht darum, drei im Grunde gleiche Aufgaben repetitiv runterzuspulen. Der Test ist imho A) lächerlich und B) beweist er rein gar nichts, weil statistisch nicht repräsentativ. Da müssten schon wirklich deutlich von einander divergierende Aufgaben gestellt werden, die zu unterschiedlichen Teilen abgearbeitet werden. Hier ist die Last gleich verteilt, die Aufgabe ist im Prinzip die Gleiche und wer die Positionen der Buchstaben im Alphabet problemlos den Zahlen zuordnen kann, wird wohl keinen Unterschied in der Aufgabenlösung merken.

    Wer den Test erstellt hat, kann keine Ahnung davon haben, wie Multitasking funktioniert. Hier werden gewohnte Zuordnungen (Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet), eher ungewohnten Zuordnungen (Position der Buchstaben im Alphabet) gegenübergestellt. Das ist kein Multitasking.

  6. Glaubt ihr nicht das auch die wie vieles andere eher ein problem dessen ist was man trainiert hat? Sobald man in die schule kommt wird man immer nur mit einer sache konfrontiert diese wird gelöst und dann gehts zur nächsten auch daheim macht mans normal und und weil mans so immer macht auch meistens auf der arbeit wenn der mensch immer mehrere sachen auf einmal macht glaube ich das man es schon recht gut hinbekommen könnte. Wenn man mache mathe genies gedächtniskünstler usw sieht. die meistens auch verschiede dinge miteinander verbinden weils so für die einfach ist, dann denke ich das man sowas nie wirklich ausschließen kann.

    Denn um zu wissen obs natürlich so ist oder antrainiert, müsste man ja zwillinge holen und diese nach geburt trennen und unterschiedlich unterrichten und dann die ergebnisse vergleichen. Also eine sehr lange und sehr harte studie.

  7. Multitasking beim Menschen funktioniert so nicht. Das sollte aber jeder – auch ohne fragwürdige Tests – wissen. Dein Beispiel mit dem Artikel schreiben und zwischendrin Kommentare beantworten beschreibt die Situation schon besser. Der obenstehende Test zeigt zwar – wie du “beweisen” willst – dass man Routineaufgaben besser in einem Stück durcharbeitet, anstatt jeweils umzuschwenken, aber dies gibt überhaupt keine (brauchbare) Ergebnisse zu “Multitasking” im eigentlichen Sinne.

    Uns wurde das folgendermassen vor die Augen gehalten:

    Wir mussten auf dem Laptop einfache Rechenaufgaben (1+7, 2+8, etc.) innerhalb von jeweils fünf Sekunden lösen und uns nebenbei einen Satz “einprägen”, der via LED-Laufband durchlief.

    Das ganze mussten wir mit einem Abstand von 2 Wochen machen. Einmal mit und einmal ohne Rechenaufgaben. Das Ergebniss ist klar: Das “einprägen” ging ohne Rechenaufgaben “besser/schneller”.

    Damit kann man seine “Multitasking” Fähigkeiten “besser” überprüfen, als mit obigem “Test”. So zumindest meine Meinung.

    Aber hey, ich glaube du hast dein Ziel erreicht. Das zeigen jedenfalls die Kommentare. :-)

  8. Also mit meinem Trackbacken haut irgendwas nicht hin. Wahrscheinlich mag mein Blog auch nicht multi-tasken… jedenfalls habe ich beim Denkpass auch was zum Thema Multi-Tasking geschrieben:

    http://denkpass.de/2010/0…n-wir-multi-tasking/

  9. Der Mensch ist meiner Meinung nach nicht Multitasking fähig! Wir haben es hier doch eher mit einer sequentiellen Verarbeitung zu tun die in Zeitintervalle unterteilt wird. Studien zu diesem Thema zeigen, dass die Effizienz beim Versuch “zu multitasken” abnimmt.

  10. Natürlich sind wir Menschen Multitaskingfähig ;-) …

    Wie sonst könnten wir gleichzeitig Verdauen, Blut durch unsere Adern pumpen, Botenstoffe durch unseren Körper schicken, Giftstoffe ausscheiden und was weiß ich nicht noch alles andere. Allerdings sind das alles Vorgänge, die wir nicht bewusst steuern.

    Bei Tätigkeiten, die unsere dauernde bewusste Aufmerksamkeit fordern, wird es in der Regel schwierig. Viele meinen zwar, dass sie mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, aber bei genauerer Betrachtung entdeckt man meist, dass die Tätigkeiten nicht wirklich gleichzeitig, sondern in schneller Abfolge hintereinander erledigt werden ähnlich dem Tellerdreher im Zirkus. Oder eine oder mehrere der Tätigkeiten sind in die unbewusste Kompetenz übergegangen und können von uns ohne bewusste Aufmerksamkeit ausgeführt werden wie z.B. die Schleife an unseren Schuhen binden.

    Mir ist bisher noch niemand begegnet, der z.B. zwei verschiedene Texte gleichzeitig schreiben kann. Das wäre meiner Ansicht nach echtes Multitasking.

    • Mir ist bisher noch niemand begegnet, der z.B. zwei verschiedene Texte gleichzeitig schreiben kann. Das wäre meiner Ansicht nach echtes Multitasking.

      Neben dem Schreiben eines Textes zu essen, Musik zu hören oder über etwas Anderes als den Inhalt des Textes nachzudenken ist meines Erachtens ebenfalls Multitasking. Es handelt sich beim Multitasking eben nicht um das Ausführen von zwei gleichen Handlungen zur gleichen Zeit, sondern um die Fähigkeit, neben einer Tätigkeit eine nicht zwingendermaßen gleichrangige Tätigkeit auszuführen. Und das kann im Prinzip jede beliebige Person.

      Dazu auch die englische Wikipedia im dritten Satz zum Artikel Human multitasking: “An example of multitasking is listening to a radio interview while typing an email.”

      Dass Multitasking auf einer Ebene erforscht wird, wo es um produktives Arbeiten geht ist nur allzu natürlich. Dann aber zu behaupten, Multitasking funktioniere nicht, offenbart nur, dass die Person, die solche Behauptungen aufstellt nicht verstanden hat, worum es bei Multitasking geht.

      Vielleicht sollten Interessierte sich zuerst mit der etymologischen Herkunft des Wortes Multitasking beschäftigen, bevor sie Behauptungen darüber äußern.

  11. Echtes Miltitasking kann mann bei den Müttern mehrerer Kleinkinder beobachten: die können gleichzeitig kochen, die Kinder unterhalten und beaufsichtigen und telefonieren :-)
    Oder ähnliches.

  12. Das IKOBE Institut arbeitet mit einem Multitasking Test der für Airforce Piloten entwickelt wurde:
    http://facebook.com/Studi…osts/658891287536872

7 Pingbacks

  1. [...] bei den Kollegen von Imgriff entdeckt (und die haben es vom Software-Entwickler Clarke Ching): Ein Multitasking-Selbsttest, der [...]

  2. [...] aus dem englischen übernommen. Warum ist das jetzt so interessant? Weil ein jeder – mit einem kleinen “Spielchen” selber herausfinden kann, wie gut er im Multitasking ist &#823… oder auch [...]

  3. [...] Multitasking: Teste dich selbst! [...]

  4. [...] Switch zu einer neuen Aufgabe kostet Zeit und Energie, um kognitive Regeln aus- und einzuschalten (hier könnt Ihr Euch gleich selbst testen). Für Viel-Multitasker dauert das übrigens länger als für Gelegenheits-Multitasker, wie die [...]

  5. [...] der eindrücklich erfahren lässt, dass Multitasking nicht effizient ist, haben wir letztes Jahr hier [...]

  6. [...] bringt nichts – der ständige Wechsel der Aufmerksamkeit führt nur zu schwachen Ergebnissen. Singletasking ist zielführender. Um eine Aufgabe rasch zu erledigen, widme ich ihr meine volle Aufmerksamkeit – [...]

  7. [...] alle einig. Aber funktioniert Monotasking? Ein Versuch.Multitasking ist nicht gut, haben wir hier schon öfter geschrieben. Multi-Tasken erzeugt sogar schwächere Arbeitsleistung als bekifft zu arbeiten. [...]

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