Geschäftsessen:
Zwischenmenschliche Kontakte pflegen
Wie steht’s eigentlich um das gute alte Geschäftsessen?
In der Firma, in der ich die meiste Zeit verbringe, hat das gute alte Business-Essen viel von seiner Bedeutung verloren. Das liegt zum großen Teil daran, dass wir unser Vertriebssystem auf High Probability Selling (HPS) umgestellt haben. Und bei HPS telefoniert man eben deutlich mehr als die Kunden vor Ort zu besuchen. In anderen Branchen ist das anders: Steuerberater, Anwälte oder Bundestagsabgeordnete sind mehrmals die Woche zum Lunch verabredet.Duncan Bannatyne, Vorstandsvorsitzender der Bannatyne Group (Fitnessclubs, Hotels und Bars), zeigt in einem Interview mit der Financial Times, welch zentrale Bedeutung der Business-Lunch noch haben kann (Link zum Artikel bei der Financial Times). Er nimmt pro Woche an sechs bis acht geschäftlichen Frühstücken, Mittag- und Abendessen teil. Bannatyne hat sich auf drei bis vier Restaurants festgelegt, in denen man ihn sehr gut kennt – und die er sehr gut kennt. Der Vorteil eines geschäftlichen Essens, so Bannatyne, sei die Möglichkeit, sein Gegenüber persönlich kennen zu lernen und eine Beziehung aufzubauen. Man muss sich nicht gleich dem eigentlichen Thema zuwenden – Bannatyne hebt mehrfach hervor, wie wichtig der Small Talk im Vorfeld ist.
Der Journalist Mark Jones sieht das ähnlich. In seinem Artikel High living on other people’s money rechtfertigt er unter anderem seine hohe Spesenabrechnung damit, dass er auch Bewerber zum Mittagessen einlädt. Das habe schon mehrfach die Einstellung von Leuten verhindert, die nicht zu ihm oder seinem Team passen. Ob die Sympathie stimmt, ist auch für Bannatyne eine der Einsichten beim Geschäftsessen. Wenn es nicht funkt, wird’s auch in der Zusammenarbeit kriseln – also besser gleich vermeiden.
In meiner Firma haben wir uns vor geraumer Zeit entschieden, anstelle eines Geschäftsessens lieber einen Kochkurs zu belegen. Ich fand immer, dass Geschäftsessen mit mehr als vier Leuten es nicht ermöglichen, sich mit allen Teilnehmern gleichermaßen zu unterhalten. Da sitzt man dann in seiner Ecke des Tisches und ist an die Sitzordnung gebunden, an die hübsche Einkäuferin am anderen Ende des Tisches kommt man leider nicht heran. Bei Kochkursen ist das anders: Alle haben regelmäßig beim Kochen zu tun (zwischen den Gängen). Und wenn man es hinkriegt, schafft man es sogar, dass selbst die einzelnen Gänge zu immer neuen Sitzordnungen führen. Hat bei uns schon ein paar Mal geklappt!










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Hogi muss sehr viele Freunde haben …
Sehr schöner Artikel und exakt meine Erfahrung: Geschäftsessen sollen in erster Linie die Verbindung zwischen den Menschen herstellen, erst im zweiten Schritt geht’s ums Geschäft. Aber genau dieses läuft mit dem Partner, den man schon vom Lunch kennt wesentlich reibungsloser.
Und, nette Formulierung: “Und wenn man es hinkriegt, schafft man es sogar, …”, wer es dann noch packt, dem gelingt auch…
Schönen Freitag und sonniges Wochenende
Mike
Ein sehr gutes Thema, danke für den Beitrag. Ich glaube schon lange, dass dies ein Thema ist, etwas was in der heutigen Zeit wirklich ins Hintertreffen gerät. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, der persönliche Kontakt zum Kunden scheint etwas auf der Streckke zu bleiben und vernachlässigt zu werden, doch dabei ist doch genau er es, der das Folgegeschäft aufrecht erhält …
Ein schönes WE
Victor