Müßiggang:
Die Renaissance des Nichtstuns

Die können das mit dem Müßiggang

Die können das mit dem Müßiggang

Martin Weigert, Autor unseres Schwesterblogs netzwertig.com, fragte heute vormittag bei Twitter:
«I get 80 % of the ideas for articles I write when taking a shower. Pretty remarkable. Does anyone has an explanation?» («Erstaunlich: 80 Prozent der Ideen für meine Artikel habe ich unter der Dusche. Hat jemand eine Erklärung dafür?»)

Vielleicht diese: Vor wenigen Tagen erst hat Zeit Online einen Artikel über die «Wiederentdeckung der Muße» veröffentlicht, darin heißt es:

«Wirklich schöpferische Einfälle kommen einem am ehesten dann, wenn man sie nicht zu erzwingen versucht.»

Unter «Muße» wird dabei übrigens nicht verstanden, in den nächsten Wellnesstempel zu fahren oder einen Roman zu lesen – denn das wäre sozusagen Entspannung mit Funktion, nämlich der eines Gegenpols zur Arbeit.

Muße hingegen ist in der Tat die Zeit des Nichtstuns.

«Was geradezu nach verschwenderischem Luxus klingt, betrachten Hirnforscher mittlerweile als Zustand, den wir zur Regeneration dringend benötigen. Wie neurobiologische Experimente zeigen, braucht unser Gehirn offenbar immer wieder Zeiten des Nichtstuns – nicht etwa zum Ausruhen, sondern um sich gesund sortieren zu können».

Das Duschen läuft automatisch ab. Wir denken nicht darüber nach, wo wir nun das Shampoo und Duschgel verteilen, sondern handeln wie von selbst, und dabei beginnen die Gedanken zu fließen (womöglich hat das Rauschen des Wassers ja noch eine zusätzliche gedankenstimulierende Wirkung). Beim Kochen, etwa dem Zerkleinern einer größeren Menge Gemüse, passiert manchmal dasselbe – oder beim nächtlichen Autofahren auf gerader, leerer Autobahn. Wir tun zwar etwas, aber eben eher mit den Händen als mit dem Hirn (das natürlich trotzdem involviert ist).

Der ganze, lesenswerte Artikel bei Zeit Online:

» Die Wiederentdeckung der Muße (zeit.de, gefunden bei @klauseck, Foto Flickr/Gattou, CC-Lizenz)

Hier erscheint jeden Tag von Montag bis Freitag ein Link zu einem besonders lesenswerten Text rund ums Thema Produktivität. Viel Spaß bei der Lektüre!

 

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3 Kommentare

  1. danke, super Link!

  2. Ist ja ganz interessant. Wieso sich jetzt allerdings Muße und “Wellnesstempel” & Co ausschließen sollen … Mag ja sein, dass man mit der Intention zur lockeren Entspannung zu Massage, Sauna oder Wirlpool-Herumlungern geht – trotzdem sitzt man dann ja nicht ständig konzentriert da, und denkt “Nun entspann dich, nun entspann dich, …”. Im Gegenteil, gerade ihr Gemüseschneidebeispiel ist ja noch viel mehr eine absichtsvolle Tätigkeit, genau wie das Duschen. Wenn “Muße” im Artikel-Sinne dabei funktioniert, dann ja wohl durchaus auch bei klassich-passiven Entspannungsmethoden wie z.B. in der Sauna sitzen …

    Der Zeit-Artikel ist dabei aber selbst auch nicht konsequent, wird dort nämlich gerade das Roman-Lesen als Mußestunde erwähnt – ja wie denn nun, Konzentration oder Langeweile zum Gehirnaumbau – beides gleichzeit geht ja wohl auch bei einem Roman nicht, außer man legt den ständig zur Seite. Wobei das Träumen über so einen Roman ja auch wieder eine mehr oder weniger konzentrierte/fokussierte Tätigkeit ist. Hmmmm. Oder will man hier gar eine bildungsbürgerliche Front aufmachen? Belletristik super, Proll-Amüsement sorgt dagegen für Gehirnkrebs? lol.

  3. » Dummschwall: Berechtigte Einwände. Möglicherweise hatte der Autor des Zeit-Artikels ein Wellnesserlebnis mit Parkplatzsuche, Warteschlange und überfüllter Saunalandschaft in Erinnerung …

Ein Pingback

  1. [...] ist ein Klischee, aber es stimmt: Die besten Ideen hat man unter der Dusche – oder auf dem Weg ins Büro, abends in der Kneipe, beim Laufen im Park, kurz: Immer dann, [...]

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