Der Link am Morgen:
Warteschlangen-Mathematik

Florian Steglich, 1. Oktober 2009 08:46 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Das kennt wohl jeder: Man steht im Supermarkt und hat es eilig, mehrere Kassen sind geöffnet, an welcher geht’s wohl am schnellsten? Dann entscheidet man sich für eine Mischung aus «Wenige Leute in der Schlange», «Wenige Produkte in den Einkaufswagen», «Junger Kassierer» und «Junge Leute in der Schlange» – und muss am Ende doch wutschnaubend zusehen, wie alle Nebenschlangen an einem vorbeiziehen.

Den Mathelehrer Dan Meyer beschäftigt dieses Problem seit Jahren. Also hat er etwas Feldforschung dazu betrieben und kommt zu interessanten Ergebnissen. Eines der wichtigsten: Die «Express Lane», die Kasse für Leute, die nur wenige Produkte kaufen möchten, bringt in der Regel gar nichts. Weil ein Kunde an der Kasse unabhängig von dem, was er kauft, und sonstigen Hindernissen immer durchschnittlich 48 Sekunden «kostet», sich an der Schnellkasse aber so viele Kunden anstellen, fährt man meistens mit einer anderen Warteschlange besser.

» What I Would Do With This: Groceries (blog.mrmeyer.com, gefunden bei Twitter)

Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein Link zu einem besonders lesenswerten Text rund ums Thema Produktivität. Viel Spaß bei der Lektüre!

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29.10.2008, 0 KommentareDer Link am Morgen:
Warteschlangen-Wissenschaft

Mehr Mathematiker in die Supermärkte! Das muss man denken, wenn man den Artikel "Wie wir alle schneller shoppen könnten" bei Spiegel Online gelesen hat.

7 Kommentare

  1. Johannes
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 11:36 Uhr (#)

    Es gibt einen einzigen mir bekannten Markt mit einer “Schnellkasse”. Dort hat man (die Leute haben ja weniger Produkte) den Einpackbereich im Wesentlichen eingespart, was dazu führt, dass der durchschnittliche Kunde ein Stück länger die Kasse blockiert. Außerdem ist diese Kasse ein wenig weiter in Richtung Ausgang, so dass mehr Leute anstehen, wenn die Enden der Warteschlangen gleichauf sind. Spricht also vieles dafür, sich nicht dort anzustellen.

    Theoretisch gibt es dort zwei Schnellkassen auf dem Platz einer normalen Kasse, gab aber so ein Durcheinander, dass jetzt nur noch eine besetzt wird. Fehlinvestition würde ich sagen.

  2. Matthias
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 11:37 Uhr (#)

    Einhundert Jahre Warteschlangentheorie und ein Lehrer erklärt auf einmal die Welt. Herrlich.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 11:47 Uhr (#)

    » Matthias: Dass darüber Viele und schon lange nachdenken, ist doch klar. Wenn Du ergiebigere Links hast, immer her damit!

  4. Michael (Eifelpfeil) Kieweg
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 14:03 Uhr (#)

    Meine Frau arbeitet in so einem Supermarkt mit “Schnellkasse”.
    Der Hauptgrund, warum das Prinzip nicht funktioniert, hat 2 Beine und heißt Kunde.
    Geplant ist, daß dort nur Kunden abgefertigt werden, die weniger als 10 Teile zu bezahlen haben. Das wird aber häufig geflissentlich ignoriert. Wenn die Kassiererin jetzt einen Kunden mit mehr als 10 Teilen im Wagen wegschicken will, gibt das einen solchen Aufstand, daß es einfacher und schneller ist, ihn einfach abzukassieren.
    Prinzip ad absurdum geführt.
    Zum Jahreswechsel sollen die Schnellkassen deshalb (mal wieder) abgeschafft werden.
    Ähnliches gilt für die Möglichkeit wenige Teile an der Info zu zahlen. Da die Kraft dort auch noch genug Anderes zu tun hat, ist man an einer normalen Kasse meist schneller.

  5. Erik
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 15:18 Uhr (#)

    Vor Jahren hatte ich mal Zeiten gestoppt. Das Problem ist die Variablitität der Zeiten. Wenn der Autor schreibt, Barzahlung ist i.A. schneller als Zahlung mit EC-Karte (ich glaube das waren so ca. 30 Sekunden gegen 1 Minute). Nun kann es aber sein, dass jemand ewig nach dem passenden Kleingeld in den Hosentaschen kramt und dann doppelt so lange braucht wie ein durchschnittlicher Kartenzahler. Außerdem weiß man vorher nicht, wer mit Karte und wer bar zahlt.

    Wenn man aus den angegebenen Daten ein “Formel” für die zu erwartende Wartezeit errechnen kann, dann heißt dass nicht, immer die schnellste Schlange zu wählen, sondern im besten Falle, im Mittel die schnellste Schlange zu wählen. Ob das den Aufwand rechtfertig, bezweifle ich.

  6. xconroy
    schrieb am 1. Oktober 2009 um 21:22 Uhr (#)

    “Schnellkassen” sind bis dato ein Witz.

    Möglicherweise ließe sich das System optimieren, zb. durch Lichtschranken o.ä., die an bestimmten Kassen Einkaufswagen schlicht nicht durchlassen und deren Räder blockieren (oder sowas in der Art), nur kann man sich dann als Filialleiter zurecht fragen, ob man dadurch einen Marktvorteil erringt (“wir haben die einzige echte schnelle Schnellkasse”) oder nicht doch eher die Kunden gegen sich aufbringt. Ganz billig wäre so eine Aufrüstung nämlich nicht.

    Eine gute Alternative, die leider bisher nicht sehr verbreitet ist, sind SB-Kassen. Die sind aus zwei Gründen optimal für Leute mit wenig Einkauf: einmal, weil sie für Großeinkäufe ungeeignet sind, und dann, weil sich viele, v.a. Ältere, da gar nicht rantrauen.
    Habe ich aber bisher auch nur in sehr großen Märkten (real zb.) gesehen, weil bei kleineren wohl auch kalkuliert wird, ob die Anschaffung Vorteile bringt…

  7. Christoph
    schrieb am 2. Oktober 2009 um 00:09 Uhr (#)

    Mich wundert, dass noch niemand das Kassenkonzept vom nord-süd-gespaltenen Discounter mit A kopiert hat. Ich bin sehr begeistert und von der Geschwindigkeit verwöhnt:
    - alle Artikel haben auf allen Seiten Bar-Codes, ergo kein Suchen danach
    - Kassiererinnen von A waren m.E. schon vor den Scannerkassen die schnellsten und sind auch damit nicht langsamer geworden
    - irgendwie hat es A geschafft, sogar die schnellsten EC-Kartenterminals zu haben.

    Gegenüber ist bei uns das genaue Gegenteil: ein Groß-Supermarkt mit 15 Kassen und Expresskasse. Der Wochenendeinkauf läuft bei A schneller, als die drei Teile, die ich gegenüber brauche.

    Die Studie ist jedenfalls sehr interessant! :-)

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