43things:
Ziele verfolgen mit Spaß
und sozialem Faktor

Um Ziele im Auge zu behalten, reicht im Minimalfall eine schlichte Liste. Dennoch gibt es zahlreiche Programme und Websites, um sich zu motivieren oder langfristige Ziele zu verfolgen. 43things war uns einen Blick wert, denn das Konzept ist originell und macht Spaß.

Die Startseite von 43things begrüßt einen mit der Frage: «What do you want to do with your life?» Das fasst auch die Essenz des Dienstes zusammen: 43things ist keine Anwendung für den ernsthaften, strebsamen Karrieristen. Das Konzept zielt auf das ganze Leben, auf die Dinge, die man erleben will, auf den Spaß, die Freude am Abenteuer, darauf, dass es sich lohnt, alle diese Erlebnisse im Auge zu behalten, ob es sich nun um vernünftige und ernsthafte Ziele handelt oder um «verrückte» (seinen Partner im Regen küssen oder: In der Öffentlichkeit singen und sich nicht um Reaktionen scheren).

Screenshot-Galerie: 43things
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Bereits auf der Startseite (Bild 2 in der Bildergalerie), noch ohne Registrierung, kann man eine Liste von Zielen anlegen, die man verfolgen möchte. Um sie zu speichern, sollte man einen Account einrichten – der Rest ist optional:

In tagebuchartigen Einträgen kann man festhalten, was man für ein Ziel getan hat; mit der «I’ve done this»-Funktion darf zu jedem beliebigen Ziel, das man bereits erreicht hat, erzählt werden, wie man das geschafft hat, ob es wert war, getan zu werden, was es einem gebracht hat und welche Lektionen man anderen weitergeben möchte. Hier wird manchmal auch die eine oder andere Misserfolgsstory erwähnt, aber die positiven Geschichten überwiegen.

Ziele können – natürlich – auch getaggt werden, und auf der Liste kann man sie per Drag&Drop beliebig anordnen. Beim «Dranbleiben» hilft eine Erinnerungsfunktion, die einen in festgelegten Abständen (von «jeden Tag» über «nächste Woche» bis «nächstes Jahr» können diese beliebig eingestellt werden) per E-Mail an das Ziel erinnert. Die Intervalle sollten hier nicht zu eng gewählt werden, sonst erwischt man sich bald dabei, die Erinnerungsmails mit einem entnervten Druck auf die Entf-Taste zu quittieren.

Der Witz an 43things sind aber die sozialen Funktionen. Denn Ziele und Einträge bei 43things sind grundsätzlich öffentlich; wer viel Wert auf Privatsphäre legt, wird diesem Dienst nicht viel abgewinnen können. Eine zentrale Funktion sind «cheers», eine Art «Applaus»-Punkte, die man anderen Nutzern für ein Ziel oder einen Eintrag geben kann. Wieviele cheers ein Ziel bekommen hat, sieht man dann jeweils auf der Liste der Ziele («your n things»). Einträge können auch kommentiert werden.

Wenn man bei einem anderen Nutzer ein Ziel findet, das man ebenfalls verfolgen möchte, kann man es mit einem Klick auf den «I want to do this»-Button auf seine Liste setzen. Findet man ein sehr ähnliches Ziel, kann man seine eigene Bezeichung anpassen oder die andere Person darauf aufmerksam machen. Und nicht zuletzt erlaubt die «Ask for advice on meeting this goal»-Funktion, andere um Rat zu fragen.

Die Life List der gewählten Ziele (anklicken füer größere Ansicht)

Die Life List der gewählten Ziele (anklicken füer größere Ansicht)

43things macht einfach Spaß. Allein schon den Fortschritt zu einem Ziel zu dokumentieren, hat einen gewissen Belohnungswert, darüber hinaus cheers für einen Eintrag zu bekommen, ist ungeheuer gut für das Ego und ermutigt, das Ziel im Auge zu behalten (dieser Effekt lässt allerdings nach einigen Tagen nach). Schön finde ich auch, nachlesen zu können, wie andere ein bestimmtes Ziel erreicht haben. 43things ist auch für weniger konkret benennbare und langfristige Ziele – also etwa «gesund essen» statt «jeden Tag 3 Portionen Obst essen»- brauchbar. Das schließt kurzfristige und konkrete Ziele (z.B. «meine Steuererklärung abgeben») nicht aus, sondern ein.

Kleinere Schwächen hat 43things allerdings auch: Links führen manchmal nicht zu dem Ziel, das man erwarten würde. So hat es eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass ein Klick auf ein Ziel mich nicht zu der Person bringt, die es verfolgt, sondern mir erstmal alle Nutzer zeigt, die es jemals verfolgt haben, mit den «I’ve done this»-Erfolgsstories voran. Wo so viel zu entdecken ist, besteht natürlich akute Prokrastinations- und Verzettelungsgefahr.

Durch die eher tagebuchartige Anlage erscheinen Ziele weniger messbar und konkret; 43things eignet sich dadurch z.B. besser für das Oberziel «nächstes Jahr einen Marathon laufen» als als Trainingstagebuch. Für Dinge, die man kurzfristig jeden Tag tun will und ein visuelles Feedback haben will, würde ich eher einen Dienst wie joesgoals empfehlen.
Der Name hat übrigens laut Auskunft des 43things-Teams nichts mit den aus Getting Things Done bekannten «43 Folders» zu tun, sondern 43 schien einfach eine schöne Zahl zu sein:

«Alles braucht einen Namen. Wir denken, dass 43 die richtige Zahl an Dingen ist, die eine vielbeschäftigte Person zu tun versuchen sollte. Warum nicht mehr? Das ist zuviel. Warum nicht weniger? Du kannst weniger tun, aber wir nennen es immer noch 43things.»

43things gibt es außer auf Englisch auch auf Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Französisch und Deutsch.

Fazit: Journal mit starker sozialer Komponente

Eine gewisse Liebe zur Öffentlichkeit und Freude daran, sich mit (wahrscheinlich) wildfremden Menschen über Ziele auszutauschen muss man mitbringen, um 43things etwas abgewinnen zu können; wer nur für sich seine Ziele im Auge behalten möchte, ist z.B. mit joesgoals.com oder lifetick.com besser bedient. Auch vertraut man heikle Ziele 43things besser nicht an. Ob man es überhaupt für sinnvoll hält, seine Ziele öffentlich zu machen (siehe den Link am Morgen vom 16. Juli: Behalte Deine Vorsätze für Dich), ist die zentrale Frage, von der die Bewertung einer Website, für die gerade das so wesentlich ist, abhängt. Mein persönliches Fazit lautet: 43things muss man nicht haben, aber mir macht es Spaß.

» Das englische Original: 43things.com
» Die deutsche Version: de.43things.com

 

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2 Kommentare

  1. “Auch vertraut man heikle Ziele 43things besser nicht an.”

    Och. Schade eigentlich. Wollte immer schon mal vom Fernsehturm pinkeln :o)

    Aber das Dingens schaut aus wie das Plus-Logo. Kommt sicher bald ein Rechtsstreit.

    Die Antwort auf alles ist 42. Was ist das 43. wichtige Ding?

  2. Hallo Schtonk!, ich meine, mitbekommen zu haben, daß Plus jetzt Netto wird, und ob die sich auf die letzten Tage der Marke noch einen Streit um ein paar Pixel geben?

    Das 42. oder 43. Ding hängt ganz vom jeweiligen User ab…;)

Ein Pingback

  1. […] ist es bei 43Things.com, der originellsten Website dieser Art. (Mehr dazu hier.) Zuerst wählt man dort bis zu drei Ziele aus, kurz und bündig, nicht länger als eine SMS. Zum […]

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