Evernote:
Erfolgreich gegen Goliath Google

Evernote ist in kurzer Zeit zu einem extrem populären Online-Tool für Notizen aller Art geworden. Dahinter steckt eine kleine Firma, die sich mit ihrer Idee gegen das Web-Schwergewicht Google behaupten musste. Wie hat sich Evernote durchsetzen können?

Evernote hilft seinen Nutzern, Notizen und Dokumente online zu sammeln. Ivan hat bereits vor einem Dreivierteljahr Evernote ausführlich vorgestellt, und es ist eines der meistgenannten Tools, die unsere Leser zum Organisieren ihrer Aufgaben verwenden. Interessant ist aber nicht nur, auf welche Art und Weise man Evernote nutzen kann, sondern auch, wie es entstanden ist. Darüber berichtete Ende März 2009 ein Artikel in der Financial Times.

Einige Wochen vorher habe ich auf meinem privaten Blog «Denkpass» darüber geschrieben, wie Google die kollektive Intelligenz seiner Mitarbeiter nutzt, um ständig neue Innovationen zu liefern. Am Beispiel von Evernote sieht man, dass Google zwar sehr innovativ ist, dass jedoch Größe auch verbunden mit vielen Innovationen trotzdem nicht immer zum Sieg reicht.

Der Riese steigt in den Ring

Als Google seinen Bookmarking- und Notizensammelservice «Google Notebook» startete, sah man bei Evernote das Ende kommen:

«Unsere Befürchtung war, dass Google nichts falsch machen werde, dass ihr Service unangreifbar gut und alles, was sie tun, perfekt sein werde.» (Evernote-Chef Phil Libin in der Financial Times)

Während Evernote aber immer weiter an seinem Dienst arbeitete, wurde das Google-Produkt nur sporadisch verbessert. Dies mag damit zusammen hängen, dass bei Google die Mitarbeiter sehr viel Freiheit haben und sich die Projekte, an denen sie arbeiten, zum Teil selbständig aussuchen dürfen; vielleicht hat Google Notebook intern nicht genügend intellektuelle Fähigkeiten angezogen, um sich gegen Evernote durchzusetzen. Anfang 2009 jedenfalls kündigte Google an, die Arbeit an seinem Tool einzustellen – und Evernote reagierte schnell und bot wenig später eine Lösung an, Daten aus Google Notebook zu importieren.

Antisozial, aber belesen

Die Evernote-Macher hatten also zwei Vorteile eines kleinen Unternehmens: Sie konnten sich ihrem einen Produkt widmen, das nicht hinter womöglich profitträchtigeren anderen Produkten im selben Haus zurückstecken musste; und sie konnten rasch reagieren, als der größere Konkurrent eine Schwäche bot.

Noch drei weitere wesentliche Gründe für den Erfolg werden in der Financial Times genannt:

  • Ein Feature, dessen Nutzen jeder sofort versteht, und das besonders überzeugend funktioniert: Evernote ist sehr gut darin, Schrift zu erkennen und in Notizen umzuwandeln. So kann man etwa Präsentationen oder Visitenkarten fotografieren, das Tool kann die Inhalte «lesen».
  • Schwimmen gegen den Strom: «Als wir mit Evernote begannen», sagt Phil Libin, «war alles andere da draußen irgendwie ein soziales Netzwerk.» Evernote hingegen ließ anfangs «Sharing», «Collaboration» und ähnliches vollständig vermissen (mittlerweile sind solche Features eingebaut). Man konzentrierte sich darauf, die möglichst perfekte Notizverwaltung für den Einzelanwender zu sein.
  • Offene Schnittstellen: Externe Anwendungen können an den Programmiercode von Evernote andocken und so neue Formen von Daten-, Notiz- oder Aufgabenverwaltung ermöglichen.

» Evernote
» Alle Notizen an einem Ort: Unser Test von Evernote
» Artikel in der Financial Times (nur nach kostenloser Registrierung zu lesen)

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

Mehr lesen

IQTELL: E-Mail, Aufgaben und Kalender vereint an einem Ort

4.4.2014, 0 KommentareIQTELL:
E-Mail, Aufgaben und Kalender vereint an einem Ort

Wäre es nicht schön, wir hätten ein einziges Tool und dieses würde uns erst noch produktiver machen? IQTELL hat nicht weniger als dies zum Ziel. Sehr ambitioniert! Ich habe das Tool unter die Lupe genommen.

Mohiomap: Eine zusätzliche Dimension für Evernote-Notizen

7.3.2014, 0 KommentareMohiomap:
Eine zusätzliche Dimension für Evernote-Notizen

Die meisten Leute arbeiten viel besser mit visualisierten Inhalten. Dennoch besteht ein Grossteil unserer Daten aus statischem Fliesstext. Auch Evernote bildet hier keine Ausnahme. Mohiomap stellt nun aber die Notizen aus Evernote als Mindmap dar.

PopClip: Mach mehr aus Deiner Maustaste

17.1.2014, 0 KommentarePopClip:
Mach mehr aus Deiner Maustaste

Ich bin ja ein Verfechter von Tastenkombinationen und ärgere mich, wenn ich jemandem zuschauen muss, der mit der Maus ins Menü klickt, um einen Text zu kopieren und anderswo einzufügen. Dies bedeutet aber nicht, dass man nicht den Mausklick durchaus noch optimieren kann. Seit längerem ist PopClip auf dem Markt und ist in der neuen Version zu einem wirklich nützlichen Tool geworden.

Produktivität ganz persönlich: «Wie lange ich arbeite, ist meine eigene bewusste Entscheidung»

12.8.2013, 2 KommentareProduktivität ganz persönlich:
«Wie lange ich arbeite, ist meine eigene bewusste Entscheidung»

Fionnuala Meehan ist nicht nur Sales Director von Google Ireland, sondern spricht dank Schule und einem Studienjahr in Freiburg auch fließend Deutsch. Studiert hat die Irin Europäische Studien, danach arbeitete sie 5 Jahre lang in der Kundenbetreuung der Best Western Hotels, wechselte dann für weitere 5 Jahre zu AOL und ist nun seit 8 Jahren bei Google. Fionnuala ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die Fragmentierung der sozialen Kommunikation: Wird Google Facebook überleben?

4.2.2013, 10 KommentareDie Fragmentierung der sozialen Kommunikation:
Wird Google Facebook überleben?

Während Netzaktivisten das Ende des freien Internets durch Facebook befürchten, sehen alte Hasen die Situation gelassener und kritisieren vor allem das Hype-Geschäftsmodell von Facebook. Aus ihren Reihen hört man: Google wird Facebook überleben, u.a. weil sich unsere Kommunikationstools immer weiter fragmentieren. Stimmt diese These?

Sitzungen: Wie Marissa Mayer erfolgreich 70 Meetings pro Woche bewältigt

18.7.2012, 8 KommentareSitzungen:
Wie Marissa Mayer erfolgreich 70 Meetings pro Woche bewältigt

70 Meetings pro Woche überhaupt zu überleben ist bereits eine Leistung. So auch noch produktive Arbeitsergebnisse zu erzielen grenzt an ein Wunder. Aber es geht.

Ink: Gekritzel digital

12.4.2013, 0 KommentareInk:
Gekritzel digital

Die heute präsentierte App ist so simpel, dass sie eigentlich in zwei Sätzen erklärt wäre. Sie stellt aber einen wichtigen Schritt in Richtung papierloses Büro dar. Darum verdient «Ink» eine ausführlichere Erwähnung.

Scrible: Webseiten mit Notizen versehen

13.5.2011, 2 KommentareScrible:
Webseiten mit Notizen versehen

Scrible ist ein Dienst, um Webseiten mit Notizen oder farbigem Leuchtstift zu bearbeiten.

Snippets: Notizentool für  konzentriertes Arbeiten

15.4.2011, 0 KommentareSnippets:
Notizentool für konzentriertes Arbeiten

Snippets ist ein Notizentool für Windows, das sich unauffällig in den Arbeitsfluss integrieren soll.

15 Kommentare

  1. Für mich begründen 2 Faktoren den Erfolg von Evernote gegenüber Google: Die Anwendung gibt es als echtes Windows-Tool, sowas bedient sich um längen angehmer als jede noch so schöne web 2.0 Anwendung. Außerdem setzt Evernote (zumindest bisher, jetzt scheint es ja leider zu kommen) nicht auf die Community-Welle, was mir sehr sympathisch ist, da damit ein Haufen nutzloser Funktionen garnicht erst implementiert wurden.
    Evernote konzentriert sich aufs Wesentliche, das ist seine bisherige Stärke.

  2. Evernote ist wirklich gut. Was mir noch fehlt ist mehr Sicherheit durch verschlüsselte Verbindungen sowie die Offline-Nutzung der gesamten Funktionalität … :)

    • Mit der Premium-Version (USD 45/Jahr) ist SSL-Verschlüsselung für alle Datentransfers möglich.

    • Mit der Premium-Version (USD 45/Jahr) ist SSL-Verschlüsselung für alle Datentransfers möglich.

      Anwendungen, bei denen Standard-Funktionen als «Premium» verkauft werden, nutze ich nicht.

  3. Das eine Desktop-Anwendung per se einer Web-Anwendung überlegen sein soll halte ich für abwegig. Gerade das Desktop Interface für Windows von Evernote läßt einiges zu Wünschen übrig.

    Der große Vorteil von Evernote gegenüber Google Notebook war immer die Offline-Verfügbarkeit. Jedenfalls für mich. Gerade für sein eigenes Notiz-Archiv ist der ständige Zugriff darauf, ob mit oder ohne Netzzugang immens wichtig. Dadurch bewahrt man dieses Gefühl selbst Herr seiner Daten zu bleiben. Was bei nur auf fremden Servern gespeicherten Daten verloren geht.

  4. Ein Grund warum ich Evernote benutze ist die Verfügbarkeit auf allen Platzformen. So bin ich unabhängig von Handytyp, PC oder Mac, etc.

    Zudem habe ich nun zum ersten Mal die Möglichkeit meine Notizen von überall her zu nutzen.

  5. @Camma: Dafür bist Du abhängig von einer proprietären Software und überlässt Deine Daten einem Unternehmen sowie allen interessierten staatlichen Stellen zur Analyse … :->

  6. @Bernd: Welche Verschwörung meinst Du?

  7. @Bern: Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Wie kommst Du darauf?

  8. Immer dieses “proprietäre Software ist böse” und “nur Open Source kann die Welt retten” Gehabe. Und kosten darf es natürlich auch nichts. Programmierer leben schließlich alle von Luft und Liebe.

    • Immer dieses “proprietäre Software ist böse” und “nur Open Source kann die Welt retten” Gehabe. Und kosten darf es natürlich auch nichts. Programmierer leben schließlich alle von Luft und Liebe.

      Soll das nun die Verschwörungstheorie sein?

      Immer dieses “proprietäre Software ist böse” und “nur Open Source kann die Welt retten” Gehabe.

      Nein, darum geht es nicht – es geht darum, dass man sich im eigenen Interesse keine Anwendung nutzen sollte, ohne die gespeicherten Daten problemlos exportieren und in anderen Anwendungen nutzen zu können. Ansonsten begibt man sich in eine unerfreuliche Abhängigkeit.

      Ob eine Anwendung Closed oder Open Source ist, dürfte für die meisten Benutzer im Alltag keine wesentliche Rolle spielen. Die erwähnte Abhängigkeit ist unabhängig von Closed oder Open Source möglich. Open Source bietet allerdings immer den Vorteil, dass die verwendete Datenstruktur, usw. offen zugänglich sind, so dass kein eigentliches Reverse Engineering notwendig ist.

      Und kosten darf es natürlich auch nichts. Programmierer leben schließlich alle von Luft und Liebe.

      Anwendungen, auch online, dürfen durchaus Geld kosten. Für den Benutzer hat das Bezahlen den Vorteil, dass man wesentlich höhere Ansprüche stellen kann als an Anwendungen, die «gratis» verfügbar sind.

  9. Also ich empfinde es als großen Vorteil, dass die Daten online verfügbar sind. So kann ich mit iPhone und MacBook drauf zu greifen, überall wo ich gerade bin. Einmal stand ich in der Baustelle meiner neuen Wohnung und musste einem Handwerker eine Zeichnung zeigen, die niemand parat hatte. Ich zeigte sie ihm auf meinem iPhone, von wo ich auf Evernote Zugriff hatte.

    Soas geht natürlich nur, wenn die Datenbank online ist – auch wenn das Risiko dann sein könnte, dass böse faschistische Regierungsbehörden in ansonsten freiheitsliebenden, demokratischen Ländern versuchen könnten, rauszukriegen, welche Eierkuchenrezepte ich gespeichert habe oder dass ich vorgestern Sahnejoghurt und Räucherlachs kaufen wollte.

    Gut, ich speichere da auch wichtigere Sachen als Rezepte und Einkaufslisten. Letzten Endes halte ich mich selber aber für zu unwichtig, als dass Millionen von Regierungsbeamten Vorteile daraus schlagen könnten, mich zu überwachen oder meine Dokumente dazu benutzen könnten, mir meine Business-Ideen zu stehlen. Evernote hat als Unternehmen übrigens großes Eigeninteresse daran, als zuverlässig zu gelten.

    Aber vielleicht sehen das einige Leute anders, und wollen dieses mögliche, wenn auch wie beschrieben unwahrscheinliche Risiko nicht eingehen. Dann könnt ihr Evernote immer noch benutzen, nur dürft ihr es dann nicht synchronisieren. Damit geht aber auch der Vorteil verloren, dass ihr von überall auf die Daten zugreifen könnt (in meinem Fall hätte ich also keinen Bauplan zeigen können) und ihr müsst euch Gedanken darüber machen, wie ihr die Daten sichert.

    Und wem das dann mit Evernote zu doof ist, der nutze einfach ein anderes Programm oder sammle seine Notizen im bombensicheren und mit Raubkatzen und Killerquallen geschützten Atombunker in seinem Keller.

3 Pingbacks

  1. [...] ist in kurzer Zeit zu einem extrem populären Online-Tool für Notizen aller Art geworden. Wie sich Evernote gegen Google [...]

  2. [...] ist in kurzer Zeit zu einem extrem populären Online-Tool für Notizen aller Art geworden. Wie sich Evernote gegen Google [...]

  3. [...] Evernote: Erfolgreich gegen Goliath GoogleDas Tool Evernote ist in kurzer Zeit sehr populär geworden. Wie hat es sich gegen das Web-Schwergewicht Google durchsetzen können? (7. August 2009) [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder