Der Link am Morgen:
Besser leben ohne E-Mail?

Unser alter Bekannter Leo Babauta will nahezu vollständig auf E-Mail verzichten. Er habe es satt, mehrmals täglich Mails zu checken, Newsletter abzubestellen, Spam zu löschen und Kettenbrief-Unsinn auszusortieren. Darum also die “Unabhängigkeitserklärung” vom Instrument E-Mail.

Leos Hauptkommunikationsmittel soll Twitter werden (Kontakte können ihm Direktnachrichten schicken, alle anderen öffentliche mit dem Kürzel “@zen_habits”), längere Konversation möchte er in 10-Minuten-Chats über Instant Messenger abwickeln (aber am liebsten nur einen pro Tag ansetzen), kollaboratives Arbeiten soll in Wikis oder Google Docs stattfinden.

Nun ja. Ich kann nicht ganz folgen.

  • Leo benutzt Gmail, einen E-Mail-Dienst, der ganz hervorragend Spam ausfiltert, das Problem ist damit längst nicht mehr so gravierend wie noch vor fünf Jahren. Auch unerwünschte Newsletter kann man fix als Spam klassifizieren, statt umständlich den Abmeldeprozess zu durchlaufen wenn der Abmeldeprozess allzu “abmeldeverhindernd” gestaltet ist.
  • Das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten ist selbstverständlich in einem Wiki oder Google Doc um Welten produktiver als über hin- und hergeschickte E-Mails, aber wieso muss man E-Mail gleich ganz kicken, um das umzusetzen? Wer so konsequent ist, allen seinen Kontakten E-Mail auszutreiben, der dürfte es doch auch so hinkriegen, sie zum Benutzen eines Wikis zu bringen.
  • Die zeitversetzte Kommunikation per Mail ist mir persönlich in vielen Fällen deutlich lieber als ein terminierter Skypechat – und mal ehrlich, hat Leo tatsächlich pro Tag nur eine Sache zu klären, die komplizierter ist als in einer 140-Zeichen-Twitternachricht vermittelbar? Und ist die dann wiederum nur gerade so komplex, dass sie in zehn Minuten durchgesprochen ist?

Ich befürchte, dass sich gerade die Konzentration auf Twitter zum Bumerang entwickeln wird. Man kann viele Mails auf 140 Zeichen und weniger eindampfen, das stimmt schon, aber mit Rückfragen und Ergänzungen gibt es schnell längere Gesprächsverläufe, die sich äußerst unübersichtlich in Twitter darstellen lassen – ganz im Gegenteil zu Gmail.

» Killing Email: How and Why I Ditched My Inbox (zenhabits.net)

Übrigens, imgriff.com gibt’s auch bei Twitter: Alle neuen Artikel automatisiert bei twitter.com/imgriff_feed, persönliche Tweets unter twitter.com/imgriff. Nur für den Fall, dass wir doch mal Leos Beispiel folgen …

Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein Link zu einem besonders lesenswerten Text rund ums Thema Produktivität. Viel Spaß bei der Lektüre!

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5 Kommentare

  1. puyol5
    schrieb am 29. Juli 2009 um 10:11 Uhr (#)

    Wetten, dass er E-Mail nicht wirklich aufgibt? Vielleicht ist das in zehn Jahren möglich, aber nicht heute. Es geht ihm doch nur darum, zu provozieren und die Aufmerksamkeit zu kriegen.

  2. Benjamin Oette
    schrieb am 29. Juli 2009 um 10:48 Uhr (#)

    Ich glaub der Gedanke, der hinter steckt, heißt Reduktion auf das Wesentliche. Bei 140 Zeichen muss ich mich beschränken auf die wichtigen Punkte.

    Das kostet Zeit und Hirnschmalz. Ich muss nachdenken bei dem was ich mitteilen will. Was für den Leser aber angenehm sein kann. Er findet, dass ihn interessierende schneller und versteht – hoffentlich – leichter und besser was ich von ihm will.

    Ein radikaler, aber überaus interessante Ansatz zur Eindämmung der Informationsflut.

  3. erwin
    schrieb am 29. Juli 2009 um 11:08 Uhr (#)

    immer den kessel am kochen halten oder ?

  4. Netter Leser
    schrieb am 30. Juli 2009 um 11:48 Uhr (#)

    “Auch unerwünschte Newsletter kann man fix als Spam klassifizieren, statt umständlich den Abmeldeprozess zu durchlaufen.”

    Echeint mir keine gute Idee zu sein, wenn ich den Newsletter abonieren konnte, kann ich ihn auch wieder abbestellen. Das markieren von validen E-Mails als Spam, kann zu unerwünschten Problemen für Mailserverbetreiber und deren Nutzern führen. Also Spam als Spam markieren, aber Newsletter, die man selber bestellt hat sollte man einfach wieder abbestellen.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 30. Juli 2009 um 12:01 Uhr (#)

    » Netter Leser: Einverstanden. Ich meinte insbesondere die Fälle, in denen der Abmeldeprozess bewusst umständlich gestaltet wird; da habe ich dann auch kein Problem mit dem Spam-Button.

    Ich hab’s im Text korrigiert, jetzt wird es klarer, denke ich.

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