Effizientes Arbeiten:
Macht Twitter produktiver?

Ist Twitter ein Produktivitätstool für Wissensarbeiter? Erste Erfahrungsberichte sind durchwachsen, deuten aber auf eine mögliche Anwendung hin: Twitter als Instrument für das persönliche Wissensmanagement.

Twitter, bereits drei Jahre alt, wird in der Businesswelt inzwischen ernst genommen. Experten propagieren Twitter als Instrument für das Marketing, zum Lernen, für die Jobsuche, zur Unterstützung von politischen Kampagnen und vielem mehr. Was aber bringt Twitter im Alltag des Wissensarbeiters und wie hilft es, produktiver und effizienter zu werden?

Informelles Lernen mit Twitter

Erste Erfahrungsberichte deuten auf milde, aber vorhandene Vorteile hin: Die Early Adopters nutzen Twitter zum persönlichen Wissensmanagement. Mandy Schiefner vom Center for Teaching and Learning der Universität Zürich war vor kurzem einige Monate mit privaten Projekten unterwegs. Während dieser Zeit nutzte sie Twitter und schreibt darüber:


“So bekam ich mit, was gerade in der ‘Arbeitswelt’ diskutiert wurde. Ganz nebenbei lernte ich auch neue Leute kennen. Und die Sache mit dem informellen Lernen ist nicht weg zu diskutieren: Ganz nebenbei bekommt man Literatur- und Linktipps, ist in Diskussionen verwickelt und kann auch die Community um Rat fragen.”

(Hier gibt’s ihren ganzen Erfahrungsbericht.)

Gerade Freelancer, die von zu Hause aus arbeiten, erwähnen diesen Vorteil. Clive Shepherd, britischer E-Learning-Spezialist und Autor, zog nach drei Monaten Twitter ein Fazit auf seinem Blog: “As someone who works from home, it keeps me in touch with a wide range of like-minded professionals.” – Twitter helfe ihm, mit vielen Gleichgesinnten und Experten in Kontakt zu bleiben, obwohl er alleine daheim arbeite.

Twitter ist wie das Rauschen im Großraumbüro

Der Wissensmanagement-Experte David Gurteen vergleicht die Situation in seinem Artikel auf ‘Inside Knowledge’ mit einem Großraumbüro. Dort bekomme man ebenfalls sehr viel ‘unfreiwillig’ mit: Die Kollegen reden am Tisch nebenan, man hört die eine Hälfte eines Telefongespräches, man wird kurz etwas gefragt: Gurteen bezeichnet dies als fragmentierte Form von Wissensmanagement und nennt ebenfalls den Begriff des informellen Lernens. Es handele sich keineswegs um irrelevante Informationen, sondern man lerne so mehr über die Organisation, für die man arbeitet, über die Kollegen, neue Produkte, Strategien, ja sogar über die Branche und den Markt, in dem man sich bewegt.

Arbeitet man von zu Hause aus, fehlt dieses Rauschen im Großraumbüro. Gurteen schlägt vor, Twitter als Ersatz zu nutzen. Eine Bedingung ist allerdings, dass man ein bestehendes Netzwerk hat, also die Leute und deren Arbeit kennt, denen man via Twitter folgen will. Und Erfahrung im Umgang mit Social-Media-Tools sei auch notwendig.

Unternehmensinterne Lösungen als Alternative

Ein soeben erschienener Report von Gartner Research weist auf eine weitere Einschränkung hin. Nutzen Mitarbeiter Twitter, stellen sich Sicherheits- und Rechtsfragen beziehungsweise meist auch die entsprechenden Probleme. Gartner sieht das Potenzial von Microblogging-Diensten für das interne Knowledge Management und die Kommunikation ebenfalls, empfiehlt aber, spezifische Unternehmenslösungen zu verwenden.

Wie diese ersten Erfahrungen zeigen, kann Twitter helfen, effizienter zu arbeiten. Allerdings ist es kein Allerwelts-Heilmittel und bedingt einige Erfahrung im Umgang mit dem Tool und persönlichen Netzwerken. Schließlich, wie es David Allen kürzlich in einem Business-Week-Artikel vermerkte (wir berichteten hier), kommt es einzig darauf an, wie und warum man ein Tool nutzt. Und ein großer Vorteil von Twitter blieb bisher noch unerwähnt: Man kann es, im Gegensatz zum Bürorauschen übrigens, abschalten.

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4 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 22. April 2009 um 20:35 Uhr (#)

    Gute Nacht, falls der Vergleich mit dem Grossraumbüro zutrifft … die meisten Menschen arbeiten unbestritten in einer Umgebung mit Lärm und ständiger Bewegung nicht effizient.

  2. id
    schrieb am 23. April 2009 um 07:27 Uhr (#)

    Vor allem muss ich zum twittern aktiv werden. Meine volle Aufmerksamkeit von dem abwenden was ich gerade tue. Von beiläufiger Informationsaufnahme kann also gar keine Rede sein.

  3. Simone Amores
    schrieb am 23. April 2009 um 10:52 Uhr (#)

    Also, ich finde es ja sehr entspannend, Twitter auch mal aus zu schalten!

  4. Gregor Groß
    schrieb am 23. April 2009 um 11:17 Uhr (#)

    In der Financial Times haben sie es mal erwähnt, sie nennen es “periphere Aufnahme”. Das heisst, ich folge interessanten Leuten und kriege mit, was die tun. Und das erweitert meine Aufnahme interessanter Vorgänge… was Du hier meinst. Dafür ist Twitter klasse.

    Als Prokrastinationstool ist es aber auch ungeschlagen!

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