Zuhause arbeiten:
Mach’s wie Magritte!

Wer von zuhause aus arbeitet, ist von allerlei Lasten befreit, die sich im Büroalltag ergeben – aber auch mit neuen Problemen konfrontiert. Einsamkeit und fehlende Strukturen sind die zwei schwerwiegendsten.

Ich prokrastiniere am liebsten mit einer Tageszeitung. Mein Favorit ist die tägliche Lektüre der Financial Times. Meine liebste Kolumnistin ist Lucy Kellaway, und eine ihrer Kolumnen beschäftigt sich mit Leserproblemen. Am 12. März ging es um folgende Frage:

Im letzten Oktober wurde ich gefeuert. Seither bin ich als Hotelagentin selbständig und arbeite von zuhause aus. Alleine arbeiten belastet meine Seele: An manchen Tagen finde ich es einfach, mich hinzusetzen und zu arbeiten, aber an anderen Tagen lasse ich mir jede nur mögliche Ausrede einfallen, um bloß nicht zu arbeiten – und stelle auf einmal fest, ich will unbedingt Wäsche waschen. Wie kann ich mich an solchen Tagen motivieren und soweit disziplinieren, dass ich meine Arbeit schaffe und meine Firma wächst? Meine Freunde und Familie interessieren sich in keinster Weise für mein Geschäft, meinen Freund habe ich so sehr damit gelangweilt, dass er nun Geschichte ist.

Frau, 42

Für jemanden, der gerade erst sechs Monate selbständig ist, sind das zwei schwerwiegende Probleme.

Das eine ist die Einsamkeit, die sich beim Arbeiten ohne Kollegen ergibt. Das andere ist das Fehlen einer von außen vorgegebenen Struktur. Es gibt keinen Chef, der Ziele vorgibt und Ergebnisse kontrolliert. Es gibt keine Kollegen, die Zusammenarbeit in Projekten einfordern. Es gibt keine eingefahrenen Abläufe und Prozesse.

Was es gibt, ist sehr viel Freiheit, und damit verbunden sehr viel Verantwortung, sich selber zu steuern. Die Freiheit ist es, die alle Selbständigen schätzen. Diszipliniert mit der Verantwortung umzugehen ist dann das, was an der Selbständigkeit am schwersten fällt.

Und welche Tipps geben Lucy Kellaway und ihre Leser für Selbständige, falls mal das Motivieren schwer fällt?

  • Versetze Dich in Business-Stimmung (einfach, indem Du beispielsweise nicht im Schlafanzug arbeitest)
  • Lege Deine Bürozeiten fest und halte Dich dran
  • Schaffe Dir einen Arbeitsplatz, der Dir richtig gefällt
  • Setze Dir Ziele, verbunden mit einem System von Belohnung und Bestrafung
  • Sei froh, dass Du keine Zeit mit überflüssigen Meetings verschwendest

Der Künstler Magritte, so Kellaway, legte viel Wert darauf, sich in seine Büro-Stimmung zu versetzen: Jeden Morgen zog er sich an, gab seiner Frau einen Abschiedskuss, marschierte dreimal um den Block – und kam dann nach Hause zurück, um in seinem Atelier mit der Arbeit anzufangen. Wenn das nicht hilft, kann man auch ein kleines Büro anmieten, um nicht von all den anderen Sachen zu Hause abgelenkt zu werden. Und wenn man eine Bürogemeinschaft findet, hat man sogar seine sozialen Kontakte.

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

Mehr lesen

Wie das Internet unser Kommunikationsverhalten verändert II/II: Gemeinsam einsam?

28.11.2012, 15 KommentareWie das Internet unser Kommunikationsverhalten verändert II/II:
Gemeinsam einsam?

Komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen durch pflegeleichte Online-Beziehungen ersetzen: Wer dieser Versuchung nicht widerstehen könne, werde immer einsamer, stellt Sherry Turkle fest. Klingt dramatisch. Wer aber lernt, den richtigen Kommunikationskanal im richtigen Moment einzusetzen, profitiert von den vielfältigen Möglichkeiten des mobilen Internets.

Cronsync: Webbasierte Zeiterfassung und Abrechnung

18.3.2011, 2 KommentareCronsync:
Webbasierte Zeiterfassung und Abrechnung

Cronsync ist ein Internetdienst aus Berlin, mit dem Freiberufler und Unternehmen Arbeitszeit für Projekte und Kunden erfassen können.

Freiberufler-Dasein: Vom Lotterleben

12.5.2010, 1 KommentareFreiberufler-Dasein:
Vom Lotterleben

Isabel Bogdan, Übersetzerin und Autorin beim Kulturmagazin ‹Titel›, beschreibt ihr Lotterleben als Freelancerin.

15.5.2009, 1 KommentareDer Link am Morgen:
50 x Selbstmarketing

Es ist nur eine Liste, aber es ist eine lange Liste: 50 Möglichkeiten, sich selbst und sein Angebot bekannter zu machen, hat Thursday Bram für Freelanceswitch.com gefunden.

Selbstmanagement für Selbstständige: 10 Denkanstösse, um bewusst zu handeln

13.11.2013, 3 KommentareSelbstmanagement für Selbstständige:
10 Denkanstösse, um bewusst zu handeln

Die berufliche Selbstständigkeit fordert die eigene Selbstmanagement-Kompetenz - Tag für Tag. Betroffen sind vor allem diejenigen von uns, die als 1-Personen-Unternehmer zwangsläufig für alles zuständig sind und Fragen zu Marketing, Buchhaltung und Strategie nicht einfach weitergeben können. Das Risiko fremdbestimmt zu arbeiten ist hier also besonders gross. Das muss aber nicht sein!

Arbeiten auf der Insel: «Mein Arbeitsrhythmus passt gut zum Leben hier»

17.7.2013, 3 KommentareArbeiten auf der Insel:
«Mein Arbeitsrhythmus passt gut zum Leben hier»

Wer von uns überlegt sich nicht gelegentlich, wie es wäre, auf einer Insel irgendwo im Süden zu arbeiten - mitten unter Fischern und Touristen? Ein Gespräch mit einer Übersetzerin, die diesen Schritt gewagt hat. Sie erzählt, wie sie ihr Arbeitsleben organisiert.

Selbständigkeit: Tun und lassen was man will. Aber davon leben?

15.6.2012, 7 KommentareSelbständigkeit:
Tun und lassen was man will. Aber davon leben?

Viele träumen davon, zu tun und zu lassen, was und wann sie wollen. Aber kann man davon leben? Und wenn ja, wie gut?

Zuhause arbeiten: Wie man den Chef überzeugt

16.6.2010, 0 KommentareZuhause arbeiten:
Wie man den Chef überzeugt

Das Arbeiten von Zuhause aus kann verlockend sein - aber wie geht man am besten vor, um den Chef von den Vorteilen der Heimarbeit zu überzeugen?

Freiberufler-Dasein: Vom Lotterleben

12.5.2010, 1 KommentareFreiberufler-Dasein:
Vom Lotterleben

Isabel Bogdan, Übersetzerin und Autorin beim Kulturmagazin ‹Titel›, beschreibt ihr Lotterleben als Freelancerin.

Virtuelle Teams: US-Magazin Inc. testet das Arbeiten ohne Büro

3.2.2010, 1 KommentareVirtuelle Teams:
US-Magazin Inc. testet das Arbeiten ohne Büro

Warum wechseln eigentlich so wenige Unternehmen vom Präsenz- zum virtuellen Büro? Das US-Magazin Inc. versucht‘s.

4 Kommentare

  1. Kanns nur bestätigen: Klamotten anzuziehen die man auch in einem richtigen Büro tragen würde, wirkt schon sehr viel. Auch feste Bürozeiten sind wichtig.

    Wenn das alles nicht hilft, dann bleibt wahrscheinlich nur der beschriebene allmorgendliche Spaziergang um den Block. Das ist mir bisher erspart geblieben ;)

  2. man sollte sich selber fragen ob man den Job wegen des Umfeld oder wegen des Jobs macht.
    es gibt Leute die können nicht ohne Kollegen schaffen,während andere froh sind ihre ruhe zu haben

  3. Ich würde aus den schon genannten Gründen nicht zu Hause arbeiten wollen. Einen Tag in der Woche mache ich “Home Office”. Das ist nicht schlecht, weil ich einiges in Ruhe wegräumen kann, wozu ich sonst nicht so richtig komme. Außerdem hat es was, wenn man später aufstehen muss und den ganzen Tag im Schlafanzug arbeiten kann. Aber generell? Nein, da würde mir etwas fehlen. Natürlich ist das Geschmacksache. Es gibt sicher viele, die ohne Probleme allein arbeiten können und die sich damit sogar sehr wohl fühlen. Nur ist es leider so, dass man sich das oft nicht aussuchen kann. Ich empfinde es, was meinen Home Office Tag angeht, das schon als ein gewisses Privileg.

  4. Das erinnert mich an meine Studienzeit. Da hatte ich beim zuhause lernen unendliche Schwierigkeiten… es gab einfach zuviel Ablenkung und andere kleine Dinge, die man tun konnte. So hatte man abends viel geschafft, aber eigentlich noch nichts für die Prüfung gemacht!

    Jetzt im Beruf ist es besser. Manchmal arbeite ich von zu Hause, wo ich weniger oft gestört werde. Andererseits mache ich dann auch gerne mal einen Mittagsschlaf ;-)

6 Pingbacks

  1. [...] erzählt nun in Berufung auf die Kolumnistin Lucy Kellawa, wie der Künstler Magritte sich diesem [...]

  2. [...] im Home-Office arbeiten?Vielleicht kann der belgische Maler René Magritte dazu Anregungen geben. Gregor Gross berichtet unter Bezugnahme auf eine Kolumne in der Financial Times, dass Magritte sich jeden Morgen [...]

  3. [...] an Gregors Artikel über das Arbeiten von zuhause aus verlinken wir heute den folgenden Artikel von “Zen Habits”: Escape the Cubicle Farm: [...]

  4. [...] die Gefahr hin, Euch mit dem dritten Selbständigkeits-/Home-Office-Thema (1, 2) in fünf Tagen auf die Nerven zu gehen: Das Titelthema der aktuellen [...]

  5. [...] Wer von zuhause aus arbeitet, ist von allerlei Lasten befreit, die sich im Büroalltag ergeben – aber auch mit neuen Problemen konfrontiert. [...]

  6. [...] Atelier ist in unserer Wohnung. Das bedeutet, dass ich’s irgendwie machen muss wie Magritte, um in meinen Arbeitsmodus zu kommen. Morgens gibt’s gemeinsames Frühstück für uns vier, [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder