Zuhause arbeiten:
Mach’s wie Magritte!

Gregor Gross, 27. März 2009 15:31 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Wer von zuhause aus arbeitet, ist von allerlei Lasten befreit, die sich im Büroalltag ergeben – aber auch mit neuen Problemen konfrontiert. Einsamkeit und fehlende Strukturen sind die zwei schwerwiegendsten.

Ich prokrastiniere am liebsten mit einer Tageszeitung. Mein Favorit ist die tägliche Lektüre der Financial Times. Meine liebste Kolumnistin ist Lucy Kellaway, und eine ihrer Kolumnen beschäftigt sich mit Leserproblemen. Am 12. März ging es um folgende Frage:

Im letzten Oktober wurde ich gefeuert. Seither bin ich als Hotelagentin selbständig und arbeite von zuhause aus. Alleine arbeiten belastet meine Seele: An manchen Tagen finde ich es einfach, mich hinzusetzen und zu arbeiten, aber an anderen Tagen lasse ich mir jede nur mögliche Ausrede einfallen, um bloß nicht zu arbeiten – und stelle auf einmal fest, ich will unbedingt Wäsche waschen. Wie kann ich mich an solchen Tagen motivieren und soweit disziplinieren, dass ich meine Arbeit schaffe und meine Firma wächst? Meine Freunde und Familie interessieren sich in keinster Weise für mein Geschäft, meinen Freund habe ich so sehr damit gelangweilt, dass er nun Geschichte ist.

Frau, 42

Für jemanden, der gerade erst sechs Monate selbständig ist, sind das zwei schwerwiegende Probleme.

Das eine ist die Einsamkeit, die sich beim Arbeiten ohne Kollegen ergibt. Das andere ist das Fehlen einer von außen vorgegebenen Struktur. Es gibt keinen Chef, der Ziele vorgibt und Ergebnisse kontrolliert. Es gibt keine Kollegen, die Zusammenarbeit in Projekten einfordern. Es gibt keine eingefahrenen Abläufe und Prozesse.

Was es gibt, ist sehr viel Freiheit, und damit verbunden sehr viel Verantwortung, sich selber zu steuern. Die Freiheit ist es, die alle Selbständigen schätzen. Diszipliniert mit der Verantwortung umzugehen ist dann das, was an der Selbständigkeit am schwersten fällt.

Und welche Tipps geben Lucy Kellaway und ihre Leser für Selbständige, falls mal das Motivieren schwer fällt?

  • Versetze Dich in Business-Stimmung (einfach, indem Du beispielsweise nicht im Schlafanzug arbeitest)
  • Lege Deine Bürozeiten fest und halte Dich dran
  • Schaffe Dir einen Arbeitsplatz, der Dir richtig gefällt
  • Setze Dir Ziele, verbunden mit einem System von Belohnung und Bestrafung
  • Sei froh, dass Du keine Zeit mit überflüssigen Meetings verschwendest

Der Künstler Magritte, so Kellaway, legte viel Wert darauf, sich in seine Büro-Stimmung zu versetzen: Jeden Morgen zog er sich an, gab seiner Frau einen Abschiedskuss, marschierte dreimal um den Block – und kam dann nach Hause zurück, um in seinem Atelier mit der Arbeit anzufangen. Wenn das nicht hilft, kann man auch ein kleines Büro anmieten, um nicht von all den anderen Sachen zu Hause abgelenkt zu werden. Und wenn man eine Bürogemeinschaft findet, hat man sogar seine sozialen Kontakte.

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4 Kommentare

  1. Marvin
    schrieb am 27. März 2009 um 20:16 Uhr (#)

    Kanns nur bestätigen: Klamotten anzuziehen die man auch in einem richtigen Büro tragen würde, wirkt schon sehr viel. Auch feste Bürozeiten sind wichtig.

    Wenn das alles nicht hilft, dann bleibt wahrscheinlich nur der beschriebene allmorgendliche Spaziergang um den Block. Das ist mir bisher erspart geblieben ;)

  2. erwin
    schrieb am 28. März 2009 um 12:03 Uhr (#)

    man sollte sich selber fragen ob man den Job wegen des Umfeld oder wegen des Jobs macht.
    es gibt Leute die können nicht ohne Kollegen schaffen,während andere froh sind ihre ruhe zu haben

  3. Horst
    schrieb am 28. März 2009 um 13:42 Uhr (#)

    Ich würde aus den schon genannten Gründen nicht zu Hause arbeiten wollen. Einen Tag in der Woche mache ich “Home Office”. Das ist nicht schlecht, weil ich einiges in Ruhe wegräumen kann, wozu ich sonst nicht so richtig komme. Außerdem hat es was, wenn man später aufstehen muss und den ganzen Tag im Schlafanzug arbeiten kann. Aber generell? Nein, da würde mir etwas fehlen. Natürlich ist das Geschmacksache. Es gibt sicher viele, die ohne Probleme allein arbeiten können und die sich damit sogar sehr wohl fühlen. Nur ist es leider so, dass man sich das oft nicht aussuchen kann. Ich empfinde es, was meinen Home Office Tag angeht, das schon als ein gewisses Privileg.

  4. Gregor Groß
    schrieb am 29. März 2009 um 21:30 Uhr (#)

    Das erinnert mich an meine Studienzeit. Da hatte ich beim zuhause lernen unendliche Schwierigkeiten… es gab einfach zuviel Ablenkung und andere kleine Dinge, die man tun konnte. So hatte man abends viel geschafft, aber eigentlich noch nichts für die Prüfung gemacht!

    Jetzt im Beruf ist es besser. Manchmal arbeite ich von zu Hause, wo ich weniger oft gestört werde. Andererseits mache ich dann auch gerne mal einen Mittagsschlaf ;-)

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