Sich selbst belohnen:
Tu Dir was Gutes!

Camilla Kutzner, 17. Februar 2009 17:38 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Manchmal reichen die intrinsische Motivation oder das erwartete gute Gefühl, etwas endlich abhaken zu können, nicht aus, um sich selbst zu motivieren. Ein paar Gedanken zur Kunst des Sich-Selbst-Belohnens.


Dass es helfen kann, sich selbst eine Belohnung zu versprechen, wenn man in einem Motivationsloch steckt, ist weithin bekannt – aber wie gestaltet man diese wirkungsvoll? Und wie belohnt man sich, ohne ständig Süßigkeiten zu essen oder Geld auszugeben?

Eine Belohnung soll helfen, die Unlust angesichts einer Aufgabe durch Vorfreude zu kompensieren. Damit das funktioniert, beherzige ich einige Prinzipien:

  • Auch überschaubare Teilschritte belohnen: Nicht “wenn ich fertig bin mit der dreizehnseitigen Bibliographie für meine Dissertation, gönne ich mir eine Tafel Schokolade”, sondern eher “wenn ich zwei Stunden an der Bibliographie gearbeitet habe, rufe ich meine beste Freundin an”. Natürlich haben auch große Belohnungen für große Ziele ihre Funktion (“wenn ich mein Examen gut bestanden habe, kaufe ich mir ein neues Fahrrad”), aber für kurzfristige Motivationstiefs helfen kurzfristig erreichbare Belohnungen besser, denn: Die Zeitspanne, über die mich die Vorfreude auf eine Belohnung tragen kann, ist begrenzt.
  • Realistische Ziele. Wenn ich mir für die Erfüllung einer Aufgabe oder das Erreichen eines Zieles eine Belohnung verspreche, muß ich mir sicher sein, daß ich dieses Ziel auch erreichen kann. “Ich schustere heute aus dem Nichts eine zweistündige Präsentation zusammen” ist kein realistisches Ziel, “Ich erstelle in den nächsten zwei Stunden die drei fehlenden Diagramme” schon eher.
  • Unmittelbarkeit bzw. zeitliche Nähe: Wenn ich mich für die Abgabe meiner Magisterarbeit erst drei Monate später belohne, kann ich den Zusammenhang nicht mehr fühlen. Belohnungen wirken am besten, wenn sie unmittelbar nach Erledigung der Aufgabe erfolgen.
  • Großzügig sein: Manchmal bleibt man etwas unter der Zielvorgabe und ist nicht ganz zufrieden. Gerade dann ist es hilfreich, das, was ich geleistet habe, trotzdem anzuerkennen – es sei denn, ich habe das Ziel wirklich weit verfehlt.
  • Zu guter Letzt: Die Belohnung, die ich mir versprochen habe, muß ich auch wirklich einhalten. Habe ich erst einmal die Gewohnheit entwickelt, mir die versprochene Belohnung vorzuenthalten (sei es, weil ich trotz allem nicht zufrieden bin mit meiner Leistung, sei es, weil auf einmal irgendetwas viel dringender ist als das Fußbad, das ich mir versprochen habe), werde ich bald im Hinterkopf haben, daß ich mich ohnehin nicht an meine Versprechen halte. Damit wird diese Art von Selbstmotivation wirkungslos. Wer weiß, daß er dazu neigt, kann sich damit helfen, Ziele und Belohnungen im voraus schriftlich festzulegen.

Womit kann man sich belohnen?

Kurz gesagt: Mit allem, was Abwechslung in den Alltag bringt und Freude macht. Das kann ein liebevoll gekochtes Abendessen sein (das sich von meiner üblicherweise schnellen und preiswerten Küche abhebt), ich kann mich für einen endlich geklärten Supportfall mit einem schwierigen Kunden belohnen, indem ich mir in aller Ruhe einen Tee genehmige, und ich kann mir für die Abgabe meiner Steuererklärung einen Kinoabend mit Freunden gönnen.

Was man als Belohnung empfindet, ist individuell verschieden. Für mich sind vor allem ausschlaggebend:

  • Eine Belohnung wirkt eher, wenn sie den Charakter von Abwechslung oder von etwas Besonderem hat, also etwas ist, was ich (zumindest in diesem Zusammenhang) nicht jeden Tag tue.
  • Spaß und Genuss: Selbsterklärend – und natürlich das Wichtigste an einer Belohnung.

Wer sich selbst beobachtet und darauf achtet, was er als Belohnung, als “sich etwas Gutes tun” empfindet, wird leicht seine eigenen Muster entdecken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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8 Kommentare

  1. Wolf
    schrieb am 17. Februar 2009 um 19:12 Uhr (#)

    No hard feelings, aber ich habe dieses Blog seinerzeit abonniert, weil/als es hier mehr Artikel zu – ich sag mal – handfesteren Themen gab. Ich erinnere mich an eine gute Reihe zur Handhabung von Thunderbird, an Beiträge zur vielfältigen Nutzung von Notizbüchern. Das waren Artikel, die mir Vergnügen bereiteten, weswegen ich imgriff.com abonnierte. Seit geraumer Zeit fallen mir hier aber nur noch diese Psycho-Themen auf, wie sie auch in Frauenzeitschriften erscheinen könnten.

    Möglicherweise fahrt Ihr damit sehr gut – ich wünsche es Euch -, aber ich werde das Abo vorerst auf dem Reader löschen und wollte Euch dieses kleine Feedback zumindest nicht vorenthalten.

    Beste Grüße

  2. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 17. Februar 2009 um 19:34 Uhr (#)

    » Wolf: Danke fürs kritische Feedback. Wir schauen mal, dass es neben den, wie Du sagst, “Psycho-Themen” wieder mehr Handfestes gibt.

  3. Alex
    schrieb am 18. Februar 2009 um 08:20 Uhr (#)

    Ich belohne mich immer schon vor der Arbeit… Mit Schoki arbeitet es sich besser…

    Ansonsten finde ich auch, euer Blog hat niveaumäßig stark nachgelassen. Gäähn!

  4. myrte
    schrieb am 18. Februar 2009 um 11:01 Uhr (#)

    Mir fällt es wie Trüffel von den Augen.
    Endlich bin ich mir auf die Schliche gekommen.
    Da wird ständig sich selbst ins Leere motiviert.
    Damit ist aber nun mit Hilfe dieses Artikels echt Schluß.
    Du schlimmes Ich, Du.

  5. m3
    schrieb am 18. Februar 2009 um 14:28 Uhr (#)

    Also ich finde auch eure “Psycho”-Themen nicht schlecht. Solange es hilft produktiver zu werden…

  6. rainer
    schrieb am 19. Februar 2009 um 20:47 Uhr (#)

    ich muß m3 völlig zustimmen, alles was hilft, gehört hier in den Blog… Eure Themenauswahl paßt.
    Vielleicht sollte sich der ein oder andere auch mal überlegen, dass zur Produktivität nicht nur die geeigneten Werkzeuge gehören, sondern auch das ein oder andere weiche Thema…
    auch wenn es vielleicht nervt, auch mal darüber nachdenken, warum das Thema anderen wichtig ist, man kann immer davon lernen

    also weiter so

  7. Tanja
    schrieb am 23. Februar 2009 um 10:54 Uhr (#)

    Ich stimme m3 und rainer zu:
    Was nutzt mir der 37. Moleskine-Hack, wenn es an meiner persönlichen Einstellung hapert oder ich grade mal ein mentales Tief habe und nicht starten kann?

    Die Werkzeuge unterstützen doch nur unsere Softskills bzw. sollen sie uns an den Punkten helfen, an denen es hapert.
    Warum nicht direkt am Problem ansetzen?

    Das einzige, was mir an diesem Artikel fehlt, ist der Austausch: womit belohnen sich die Anderen?

    Bei mir ist es Zeit: Zeit, einen Tee zu kochen und zu genießen, einen Kuchen zu backen, ein Buch zum Vergnügen zu lesen, am Computer zu zocken.

    Viele Grüße,
    Tanja

  8. Robert
    schrieb am 24. Februar 2009 um 12:04 Uhr (#)

    Mir war schon von Anfang an klar, dass sich die Qualität des Blogs nicht ewig halten konnte. Allein schon aus dem Grund, da irgendwann nunmal der Zeitpunkt kommen muss, an dem alle Produktivitätstools und Tipps ausgeschöpft sind.
    Nach einer gewissen Anzahl an Blog-Einträgen, KANN MANN EINFACH NICHT MEHR neue Sachen vorstellen, die die Produktivität weiter erhöhen!

    Am Anfang hat mir persönlich fast jeder Blog-Eintrag weitergeholfen meine Produktivität und Lebensqualität zu steigern. Doch in letzter Zeit wird der Nutzen immer weniger. Inzwischen fangen einige Einträge sogar an meine Zeit zu rauben statt mir zusätzliche zu schenken…

    Es liegt aber wie gesagt nicht an der nachlassenden Qualität der Blogger, sondern einfach an der ausgereizten Themenwahl.

    Vielleicht solltet ihr euer Konzept in dieser Hinsicht etwas überdenken.

    Viele Grüße,
    Robert

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