Für Kritik am Chef gelten
besondere Regeln

Auch ein Chef macht mal Dummheiten. Es gibt sogar Chefs, die machen unentwegt Dummheiten. Wie sagt man ihnen das, ohne gleich auf der Abschussliste zu stehen?

Vorsicht - manche Chefs sehen Kritik als Majestätsbeleidigung.Die wenigsten Chefs gehen mit ihrer Führungsrolle so selbstbewusst um, dass Kritik für sie eine Selbstverständlichkeit wäre. Daher fühlen sie sich angegriffen, wenn man sie kritisiert. Also besser immer brav die Klappe halten?

Eher nicht. Denn wenn Dir die Handlungsweise deines Chefs nicht passt, solltest Du das thematisieren. Wenn Du Kritik immer herunterschluckst, wirst Du dauerhaft unzufrieden oder «platzt» irgendwann noch. Aber Vorsicht: Für Kritik am Chef gelten ganz besondere Regeln.

Am wichtigsten: Nicht beschweren, sondern konstruktiv sein. Sieh das Kritikgespräch als Veränderungsvorschlag: Ziel des Gesprächs sollte eine Maßnahme oder konkrete Vereinbarung sein. Sprich offen an, was Du Dir wünschst, welche Lösung Du Dir vorstellst und was Du erreichen willst. Damit zeigst Du, dass Du nicht einfach nur Frust loswerden willst. «Ich möchte die Kommunikationsabläufe in meiner Abteilung ändern, damit wir kundenorientierter arbeiten können. Dazu ist nötig, dass …»

Beachte außerdem:

  • Sei behutsam, vorsichtig und freundlich, aber klar und direkt in der Meinungsäußerung. Vermeide aber Weichmacher («eigentlich wollte ich»). Bleibe sachlich: «Ich bin der Meinung, dass …»
  • Kritisiere ein bestimmtes Verhalten oder die Sache, aber nicht die Person Deines Vorgesetzten: «In diesem Fall haben Sie etwas Unmögliches von mir erwartet.» Vermeide Pauschalformulierungen wie: «Sie erwarten immer zu viel von mir!», denn das ruft Widerstand hervor.
  • Nenne konkrete Situationen und Beispiele: «Bei dem aktuellen Projekt fehlen mir konkrete Terminabsprachen, dadurch kann ich keine realistische Planung vornehmen.» Je konkreter, desto besser!
  • Kritisiere Deinen Vorgesetzten niemals in Anwesenheit von Dritten. Die Kritik wirkt dann viel stärker, und der Chef kann den Eindruck bekommen, es handle sich um eine «Verschwörung». Für manche Chefs ist das sogar Majestätsbeleidigung, deren Folgen Du zu spüren bekommen wirst.
  • Zeige die Konsequenzen, die das negative Verhalten Deines Chefs für Dich persönlich hat. Teile ihm mit, welche Folgen es für Deine Arbeit hat und was das Verhalten bei Dir emotional auslöst: «Ich kann meine Arbeit nicht in Ruhe erledigen, wenn Sie mir jede Stunde eine neue Aufgabe übertragen.»
  • Bitte Deinen Vorgesetzten um Hilfe, statt ihn anzugreifen: «Ich brauche für dieses wichtige Projekt Ihre Unterstützung.»
  • Vermeide Vergleiche mit anderen Vorgesetzten, da diese kränkend sein können: «Mein früherer Arbeitgeber war in so einem Fall viel souveräner.»
  • Sprich auch positive Dinge an, die Verhaltensweisen, die Du schätzt. Das schafft eine gut Atmosphäre. Dinge anzusprechen, die gut laufen, lenkt das Gespräch in eine positive Richtung. Bleib aber bitte ehrlich, keine Schmeicheleien.
 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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Ein Kommentar

  1. sollte man das gefühl haben bei kritik ,egal in welche form ,auf der “Abschussliste zu stehen hat man wohl bei der falschen firma angefangen……………

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