Frauengehälter:
Mehr Geld für Leistung

Warum verdienen Frauen noch immer weniger als Männer? Neun konkrete Punkte, die Gehaltsverhandlung zum eigenen Vorteil zu beeinflussen.

Viele Frauen arbeiten bis zum Umfallen – und bekommen doch weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Im Schnitt sind es sind es 23 Prozent weniger. In manchen Berufen und gerade bei älteren Frauen ist die Diskrepanz sogar noch höher. Nicht gerade ein Faktor, der zu mehr Poduktivität motiviert.

Doch woran liegt es – und vor allem: Was kannst du daran ändern?

Mach dir zunächst einmal klar, warum es diese Gehaltunterschiede überhaupt gibt. Ein Grund: Viele Frauen trauen sich nicht, mehr Gehalt zu fordern, denn Sie wollen Ihren Chef nicht verärgern, vor den Kollegen nicht gierig erscheinen oder haben Angst vor einer Kündigung. Für manche ist es sogar ein regelrechtes Tabu, über Geld zu reden. Daher verhandeln sie meist schlecht.

Doch Irrtum:

Laut Gehaltscoach Dr. Cornelia Topf, Autorin des Buches „Gehaltsverhandlungen für freche Frauen“ schätzen viele Chefs sogar Mitarbeiter, die sich für mehr Gehalt stark machen. Denn die zeigen damit, dass sie karrierebewusst, leistungsbereit und motiviert sind.

Außerdem lassen sich Frauen oft in Teilzeitjobs abdrängen, weil sie diese mit der Familie besser vereinbaren können, und nehmen dafür weniger Geld in Kauf. Und noch immer verursacht die Babypause bei vielen Frauen den Karriere- und Gehaltsknick.

Auch fehlende Qualifikationen oder einfach die Berufswahl spielen eine Rolle, wenn Frauen weniger verdienen.

Deshalb sollten Frauen, die finanziell vorankommen wollen, sich weiterbilden, Fachliteratur lesen, sich in einem bestimmten Aufgabengebiet Spezialwissen aneignen – und darüber reden. Denn auf diese Weise zeigen sie, dass sie mehr leisten als andere, und kompetente Mitarbeiter sind für eine Firma unverzichtbar.

Vor allem ist aber eines Wichtig: Frauen dürfen nicht einfach geduldig abwarten, bis der Chef von selbst auf die Idee kommt, ihnen mehr zu zahlen, sondern müssen regelmäßige Gehaltsgespräche führen, wie sie für Männer selbstverständlich sind. Denn wer lange keine Gehaltsforderungen stellt, erweckt den Eindruck, dass er sich nichts zutraut oder bald kündigen will. Daher einige Tipps für das Gehaltsgespräch – speziell für Frauen:

  • Regelmäßige Gehaltsgespräche sind wichtig. Auf diese Gespräche solltest du dich aber stets gut vorbereiten und die passenden Argumente parat haben – denn der Chef hat garantiert welche!
  • Im Gehaltsgespräch ist Selbstbewusstsein wichtig. Statt Selbstkritik solltest du daher auf deine Stärken schauen. Führe ein Tagebuch, in dem du deine Erfolge notierst.
  • Das Gehalt hängt nur zu 10 Prozent von der Leistung, aber zu 60 Prozent vom Bekanntheitsgrad beim Vorgesetzen ab. Melde dich daher im Meeting öfter zu Wort oder übernimm renommierte Projekte – damit zeigst du, das mit dir zu rechnen ist.
  • Sammle Informationen für deine Argumentation: Wie steht die Firma wirklich da? Welches Gehalt ist in der Branche in einer bestimmten Position und mit diesem Aufgabengebiet üblich? Was verdienen Kollegen?
  • Auch wenns schwer fällt: Jammere nicht über gestiegene Preise, sondern betone, was du für die Firma geleistet hast – das überzeugt viel mehr!
  • Der Chef hat sicher etwas gegen deinen Gehaltswunsch. Also sammle Argumente: Welche Einwände könnte er bringen? Und wie könntest du darauf reagieren?
  • ?Eigentlich hätte ich etwas mehr Gehalt verdient? – damit signalisierst du, dass du selbst nicht an den Erfolg deiner Forderung glaubst. Du musst deinen Gehaltswunsch ganz konkret beziffern und gegebenenfalls begründen, wie du zu dieser Summe kommst.
  • Wenn Männer ?Nein? sagen, heißt das nicht unbedingt ?Nein?. Vielmehr sollst du nun mit dem Chef in Verhandlungen treten.
  • Wenn der Chef trotz aller Argumente bei seinem “Nein” bleibt: Fordere Ersatzleistungen, etwa Firmenwagen, einen Bonus oder Privilegien. So etwas ist sogar netto oft lukrativer als mehr Geld.
 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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3 Kommentare

  1. Aber bitte keine “Sonst muss ich mich nach ‘nem anderen Job umsehen” Aussagen, sonst sagt der Chef ganz gerne mal “Ja!” (vor allem bei stillen Mäuschen) und dann ist die ganze Gesprächsbasis im Eimer… ;)

  2. Und was haben nun alle diese Argumente mit “frau” zu tun?
    Reichlich wenig, finde ich. Sie gelten genauso für männliche Gehaltsverhandlungen.

    In meinem Umfeld (IT) ist es häufig so, dass sich Frauen gerne hinter Kollegen verstecken. Da sind dann, wenn jemand nachfragt, plötzlich ganz andere für irgendwelche Aufgaben verantwortlich, die frau regelmässig erledigt. Und das passiert nach meiner Beobachtung selten, weil sich die männlichen Kollegen vordrängen, sondern eher weil sich die Frauen zurückziehen und ungern mit breitem Rücken sagen “Das ist mein Job, ich bin dafür verantwortlich”.

    Für mich war das auch erst schwierig, doch ich habe schon als Studentin im Nebenjob gelernt, wie ich mich unentbehrlich und damit auch “wichtig” machen kann. Dadurch kommt man schnell ins Gespräch und steht bei der Vergabe weiterer Aufgaben oben auf der Rangliste.

  3. Leider wird es Frauen eher übel genommen, wenn sie um Gehälter verhandeln als Männer und die Forschheit im Auftreten schadet ihnen eher, als sie nutzt, zumindest diversen Studien zufolge.
    “Women are penalized more than men for negotiating,” Babcock tells Alex Cohen. “People are less likely to like them; if they negotiate in a job interview, they are less likely to hire them. There are real social sanctions that occur when women initiate negotiations.”
    http://npr.org/templates/…php?storyId=12529237

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  1. [...] > Wenn man es nicht versteht, bügelt man es platt. jepp, allerdings mach ich das mit meinem system auch so, also pssst. man hat ja immer die komplette windows installation auf cd gesichert irgendwo [...]

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