Schreiben ist Handwerk (Teil 2)
Schreibblockaden müssen nicht sein. Im ersten Teil dieses Artikels ging es um die Vorbereitungen zum Schreiben. Heute zeigen wir, wie man seinen Text fertigstellt.
(» Zum ersten Teil dieses Artikels)
Nachdem alle Informationen beisammen sind, die Eingang in den Text finden sollen, muss der Aufbau festgelegt werden. In dieser Phase bekommt man bereits ein Gefühl für den endgültigen Text. In dem einfachen Textdokument, in dem ich arbeite (vgl. erster Teil), gruppiere ich die Gedanken und Informationen, die zusammengehören. Durch weitere Leerzeilen grenze ich sie von anderen Gedankengängen ab und lege so bereits den Umfang der einzelnen Absätze fest. Einzelne Punkte sind bei mir nach wie vor durch eine Leerzeile getrennt, ganze Absätze durch drei.
Auf diese Weise ergibt sich der Aufbau des gesamten Textes. Manchmal muss ich mir an dieser Stelle eingestehen, dass ich meinen Entwurf komplett umstellen muss. Da passt der erste Gedanke, mit dem ich eigentlich beginnen wollte, nicht zum Ende, das der Aufbau nun vorgibt, vielleicht fallen auch ganze Abschnitte weg, weil sie sich nicht mehr sinnvoll unterbringen lassen. Notfalls muss man auch schöne Formulierungen wieder löschen, so weh das tut.
Ein Gefühl für den Text bekommen
Manchmal ist es auch ratsam, den kompletten Aufbau umzuwerfen. Was vorher von Absatz zu Absatz einen Spannungsbogen aufbaute, der in einer Pointe im letzten Absatz mündete, wird jetzt vielleicht zu einem Online-Happen: Alle wichtigen Fakten kommen gleich zu Beginn, zusätzliche Informationen gibt es am Ende für denjenigen, der überhaupt so lange lesen mag (online ist bekanntlich der nächste Klick nicht weit). Und häufig beschleunigt der radikale Umbau der Gliederung sogar die Arbeit. Wo man vorher umständlich an Zusammenhängen feilte und nicht recht weiterkam, liegt vielleicht plötzlich eine schlankere und viel einleuchtendere Struktur vor einem – keine Angst also vor der Substanz!
Erst wenn der Aufbau feststeht, wenn Anfang und Ende richtig gesetzt sind und zusammenpassen, wenn alle Infos enthalten sind und Überflüssiges gestrichen wurde, erst dann geht es an das Formulieren.
Auch deshalb nutze ich einen Texteditor. Die Breite des Programmfensters wähle ich so, dass eine Zeile im Editor ungefähr einer Zeile nach der Veröffentlichung entspricht. So bekomme ich ein gutes Gefühl dafür, wie mein Text hinterher wirken wird – auch in Bezug auf Absatzlänge und Zwischenüberschriften.
Schöne Formulierungen sind Kür, nicht Pflicht
Zurück zur Ausgangssituation: Anders als bei einer Schreibblockade, die sich einstellt, wenn man den ersten Satz nicht auf das leere Blatt Papier bekommt, hat man bei diesem Vorgehen schon viel Vorarbeit geleistet:
- Erstes Brainstorming und Recherche sind erledigt.
- Das Material ist nach Sinnzusammenhängen gruppiert.
- Mit deren Reihenfolge ist der Aufbau des Textes festgelegt.
Der Gedankengang des ersten Absatzes liegt nun vor einem, er muss nur noch ausformuliert werden. Und die Formulierung ergibt sich meist schon aus dem Zusammenhang.
In solchen Momenten habe ich schon sehr schöne Formulierungen gefunden, weil ich mich nur auf die Sprache konzentrieren konnte – auch das ein Vorteil. Und wenn ich andererseits in Zeitnot oder müde war, schaffte ich trotzdem akzeptable Formulierungen. Die Texte wurden geschrieben und veröffentlicht. Wie gesagt: Schreiben ist Handwerk. Ich kenne keinen Handwerker, der jeden Tag ein Kunststück schafft, aber seine Arbeit erledigt er trotzdem.













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