RSS-Reader Feedly:
Deine Feeds in neuen Kleidern

Seit gestern macht ein neuer Feedreader die (ziemlich schnelle) Runde durch Blogs, Twitter und Co. «Feedreader» ist allerdings nicht ganz der treffende Ausdruck. Darf ich vorstellen: Feedly.

Feedly-LogoFeedly ist eine Erweiterung für den Firefox-Browser, die man sich am besten als eine Art Verkleidung vorstellt: Alle RSS-Feeds, die man bereits vorher genutzt hat, werden in hübschem Magazinstil neu arrangiert und um einen Haufen Funktionen ergänzt. Im Detail noch nicht ganz ausgereift, aber schon sehr beeindruckend – man sieht: Das geht in eine sehr, sehr richtige Richtung.

Was kann Feedly?

Feedly bietet alle Standards anderer RSS-Reader (Anzeige ungelesener Artikel, mark all as read, Kennzeichnen einzelner Inhalte per «Sternchen» etc.), lässt aber bei der Visualisierung viel mehr Auswahl.

Am schlichtesten ist die Anzeige nur der Überschriften, am verspieltesten die Reduzierung auf je ein Bild pro Artikel (schlecht, wenn keines verwendet wurde). Als Mittelweg gibt es drei Varianten unterschiedlich «magaziniger» Designs, bei denen Feedly mit Spalten, Kategorien und Bildern jongliert:

Die Cover-Ansicht von Feedly: Magazinig, schick, übersichtlich.
Die Cover-Ansicht von Feedly: Magazinig, schick, übersichtlich (Anklicken für Großansicht).

Feedly ist also eine Mischung aus persönlicher Startseite (bekannt etwa von Netvibes) und RSS-Aggregator (wie etwa Rivva) im Magazinlayout. Bei der Anordnung der Feedinhalte lernt sein Algorithmus nach Aussage der Entwickler von den Lesegewohnheiten des Nutzers, um die eingehenden Informationen immer komfortabler (sprich: relevanter) darzustellen.

Feedly schlägt zudem weitere Feeds vor, von denen es meint, dass sie zu den sonstigen Interessen des Nutzers passen könnten – ganz wie der Google-Reader, mit dem Feedly sehr eng zusammenarbeitet. Zwar kann man seine Feedabos auch aus einigen wenigen anderen Diensten wie etwa Bloglines importieren, aber seine Qualitäten spielt das Tool am besten mit dem Google-Produkt aus. Ein Google-Login ist gar Voraussetzung für die Nutzung.

Das Ganze kommt dann als Firefox-Erweiterung daher, nach dem Installieren erreicht man die Feedly-Ansicht (die, wenn ich das richtig verstehe, nicht übers Web zugänglich ist, sondern ausschließlich über den konkreten Browser) über ein Symbol in der Firefox-Navigationsleiste.

Der Aufbau

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen Feedly RSS-Feeds darstellt. Erreichbar sind sie über die hellblaue Navigationsleiste (vgl. Screenshot):

  • Unter «Cover» (das Buchsymbol) sieht man alle abonnierten Feeds, sortiert in Spalten und aufgeteilt nach den im Google-Reader erstellten Ordnern (dort «Tags» genannt), die Feedly automatisch übernimmt.
  • «What’s new?» bringt eine gemischte Ansicht aus Aktualität und Empfehlungen (wiederum aus dem Google-Reader, aber auch verknüpft mit Kontakten etwa von Friendfeed und Twitter). Der Zeitrahmen lässt sich von 24 Stunden bis zu 7 Tagen einstellen – eine schöne Möglichkeit, nach einer Woche Urlaub schnell zu sehen, ob man überhaupt etwas verpasst hat. Was dabei jeweils oben steht, soll den derzeit relevantesten Inhalt für den Nutzer darstellen; das klappt mit längerer Nutzungsdauer natürlich besser, deswegen hier noch kein abschließendes Urteil über diese Funktion.
  • Auf der «Wall» können Twitternachrichten, Feedly-Kommentare zu Artikeln und die «shared items» aus den Google-Readern der eigenen Kontakte angezeigt werden, je nachdem, welche Accounts man Feedly angibt.
  • Bei «All» erhält man alle Feedabonnements, es fehlt die zeitliche Komponente, und es wird offenbar weniger stark gewichtet und neusortiert.
  • Hinzu kommen als Navigationspunkte sämtliche Ordner, in die man seine Feeds vorher bereits gegliedert hatte (heißen im Google-Reader «Tags»).

Innerhalb der einzelnen Ansichten kann man zusätzlich noch zwischen den verschiedenen Darstellungen (s.o.) wechseln. Die zwei untersten Ebenen – einzelnes Blog oder andere Feedquelle sowie einzelner Blogeintrag – sind im Vergleich zu anderen Readern auffallend schlicht gestaltet, man meint, ein «echtes» Blog-Design vor sich zu haben:

Feedly: Darstellung eines einzelnen Artikels - mit Kommentaren!
Einzelansicht eines Blogartikels, in diesem Fall sogar mit den Kommentaren. (Anklicken für große und vollständige Ansicht)

«Social» und andere Features

Das, was Feedly von anderen Readern abhebt, sind die Features, die die schöne Visualisierung ergänzen. Man kann

  • einzelne Feed-Items wie etwa Blogartikel für später speichern
  • einzelne Feed-Items als lesenswert bewerten
  • direkt aus der Einzelansicht einen Artikel per Twitter verbreiten oder per Mail weiterleiten:
    Feedly: Fundstücke lassen sich direkt zu Twitter schicken.
  • bei vielen Blogs auch gleich alle Kommentare zu einem Artikel in Feedly lesen (zum Abgeben eines Kommentars allerdings muss man die Website besuchen – noch)
  • einzelne Passagen eines Artikels markieren und Anmerkungen hinzufügen, die dann am Rand neben der Textstelle angezeigt wird – und zwar auch für andere:
    Feedly: Highlighten und kommentieren einzelner Textpassagen
  • mit einem Klick auf «no thanks» Feedly mitteilen, dass man den speziellen Artikel nicht gut findet – das beeinflusst die zukünftige Anordnung der einzelnen Feed-Items auf der Seite, Feedly lernt.
  • mit einem Klick auf einen Kontakt («People», an diversen Stellen bei Feedly möglich) dessen Empfehlungen sowie eine Auswahl seiner abonnierten Feeds sehen und diese auch an Ort und Stelle selbst abonnieren.
  • und per integrierter Google-Suche sehr komfortabel und treffgenau seine Feeds durchsuchen.

Nicht alles, was glänzt, …

Hier und da hakelt die Darstellung noch etwas – so ist es etwa sehr verwirrend, wenn in einer der Magazin-Ansichten ein Bild ganz oben angezeigt wird, das zu einem Artikel gehört, der erst zwei Positionen weiter unten plaziert wird. Aber das sind zu vernachlässigende Startprobleme.

Schwerer wiegt, dass Feedly den ganz eifrigen RSS-Nutzern nicht mehr hilft, sondern Probleme bereiten könnte. Es dürfte seine Stärken vor allem bei einer «mittleren» Nutzung ausspielen, sagen wir: bei 30 bis 100 Feeds, die in 3 bis 6 Hauptkategorien fallen. Das lässt sich noch übersichtlich darstellen. Hardcore-Abonnenten allerdings, die mehrere hundert Feeds scannen und darum mit vielen Tags und anderen Tricks arbeiten, werden mit Feedly sehr langsam sein.

Besonders nervig ist bei alltäglichem Lesen der Feeds, dass die Kategorien, in die man seine Abonnements sortiert hat, ganz schnell aus der Navigationsleiste herausrutschen. Lange Bezeichnungen und mehr als 5, 6 Kategorien – je nach Monitorgröße – sind nicht zu empfehlen, alles darüberhinaus muss man sich umständlich erklicken. Das heißt: Wer Feedly nutzen möchte, muss gegebenenfalls seine fein ausgedachte Google-Reader-Struktur umbauen. Das schreckt ab.

Störend ist auch die negative Seite der nahtlosen Integration mit dem Google-Reader: So wie Feedly Einstellungen von Google übernimmt, tauchen auch Spuren von Feedly dort auf – etwa die unschön benannten (z.feedly.annotated) Feedzusammenstellungen gespeicherter oder kommentierter Artikel.

Und schließlich ist es schade, dass die Nutzung nur mit Google-Account möglich und nur mit dem Google-Reader als Grundlage wirklich ergiebig ist. Das Verwalten, Anlegen und Kündigen von Feeds nur in Feedly macht keine Freude. Umsteiger von Offline-RSS-Readern oder kompletten Anfängern wird die Sache damit erschwert – dabei könnten gerade letztere durch die klassische und zugängliche Darstellung in Magazinform für Feedly begeistert werden.

Grundsätzlich aber: Ein ausgefeiltes Konzept und wegweisende Features für die RSS-Nutzung, schick obendrein. Und ein hervorragendes Beispiel für die angenehm unsichtbare Verknüpfung verschiedener populärer Dienste zu einem neuen Ganzen.

Feedly verknüpft gelungen populäre Dienste und Innovationen zu einem neuen Angebot.
Feedly integriert viele populäre Dienste. (Anklicken für Großansicht; Screenshot feedly.com)

Wer Google-Reader und Firefox benutzt, sollte mit Feedly mindestens mal herumspielen – es lohnt sich!

Zur Veranschaulichung vor den eigenen Tests hier noch ein Video, in dem der Feedly-Gründer alle wesentlichen Funktionen erklärt:

feedly guided tour from Edwin Khodabakchian on Vimeo.

» Feedly.com

[Update] Ergänzend, weil häufig zu lesen ist, der Firefox 3 sei Voraussetzung für Feedly: Ich habe mit Firefox 2 getestet und keinerlei Probleme gehabt.

 

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5 Kommentare

  1. Danke für diesen ausführlichen Text.

    Als Google Reader Nutzer mit ca. 30-50 Feeds, werde ich mir das mal anschauen ;-)

  2. Nach der Installation von Firefox 3.0 bin ich auch an Feedly hängen geblieben. Als grosser Fan von iGoogle muss ich mich aber erst noch überzeugen lassen, definitiv und komplett zu wechseln.

    Ich findes es schick und freue mich über die Twitter Integration. Was mich aber stört: wieder ein Plugin. Ich hätte das lieber auch über alle Browser zugänglich. Als einfach Website.

  3. Ist feedly wirklich nur mit Google-Id nutzbar?

  4. » Ralph: Wäre mir auch lieber, wenn man Feedly nicht nur im eigenen Browser erreichen könnte.
    -
    » Benjamin: Ja.

  5. [Anm.: Name und Link editiert - wenn schon ein Kommentar, der nur aus einem Link zum eigenen Blog besteht, dann bitte nicht auch noch mit Domainnamen-SEO. F.S.]
    -
    [Anm. 2: Beitrag ganz gelöscht, da wortgleich unter mehreren Artikeln gepostet.]

4 Pingbacks

  1. [...] ich über die neue Firefox-Erweiterung Feedly schrieb, sie tauge wohl am besten für Nutzer, die zwischen 30 und 60 RSS-Feeds lesen, habe ich [...]

  2. [...] war, dass ich einen neuen RSS-Reader in Magazinformat testen wollte: Feedly, über den ich hier und hier gelesen habe. Um es kurz zu machen, ich wechselte noch am gleichen Abend von Version 3 auf 2.0.0.14 [...]

  3. [...] fündig geworden. Er baut auf dem Googlereader auf, wird aber in Firefox eingebaut. Ein sogenanntes Addon, aber lest selbst. | inter.res.santes | Wie ihr alle wisst, habe ich mir vor kurzem den Palm Treo [...]

  4. [...] sehr guten und ausführlichen Bericht über Feedly könnt ihr hier nachlesen. Danke schonmal an dieser Stelle an Florian Steglich, der diesen tollen Artikel verfasst [...]

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