Irren ist menschlich – oder?

Vor allem im Berufsalltag herrscht heutzutage wenig Fehlertoleranz: Alles muss perfekt sein, klingen, aussehen. Denn was perfekt wirkt, verkauft sich besser gegenüber Kollegen, Chefs und Kunden. Dabei sind Fehler durchaus wichtig.

Nur durch negative Erfahrungen lernen wir, wie wir etwas besser machen können. Und Fehler sind nicht nur wichtig, sondern auch menschlich. Vielleicht hast Du auch schonmal eine vertrauliche E-Mail an die falsche Person geschickt oder bei einem Meeting schlecht recherchierte Informationen präsentiert? Psychologen schätzen, dass jeder Mensch zwei bis fünf Fehler pro Stunde macht. Gründe dafür sind zum Beispiel Überlastung, Verwendung falschen Materials oder ein Produkt, das nicht ausreichend getestet wurde. Dagegen kannst Du fast nichts tun.

Aber: Entscheidend ist, wie Du mit Fehlern umgehst.

Nicht wenige Menschen verwenden ihre Zeit darauf, gemachte Fehler zu verleugnen, zu vertuschen, zu beschönigen oder sogar anderen unterzuschieben. Dadurch entsteht unproduktives Betriebsklima ohne jede Innovationsfreude – schlecht für die Atmosphäre, schlecht für die Wirtschaft.

Ebenso falsch handeln diejenigen, die sich durch zur Schau getragene Fehlerlosigkeit einschüchtern lassen: Sie wollen Fehler durch richtige Entscheidungen und optimales Verhalten von vornherein vermeiden. Statt also ihre gesamte Energie daran zu setzen, einen Erfolg zu erreichen und dafür auch Risiken einzugehen und Rückschläge in Kauf zu nehmen, sorgen sich diese Misserfolgsvermeider primär darum, keine Fehler zu machen, und agieren dementsprechend vorsichtig und defensiv. Vielleicht schaffen sie es sogar, wenig Falsches zu tun, das aber zu einem hohen Preis: Wer der Vermeidungsstrategie folgt, vermeidet auch, Entscheidungen zu treffen und eigenständige, innovative Ideen zu befördern, die für das persönliche Vorankommen, aber auch für die gesamte Wirtschaft so wichtig sind. Das geht so weit, dass ganze Branchen die interne Revision mehr fürchten als die Konkurrenz.

Besser ist: Den Fehler positiv sehen und daraus lernen, was Du beim nächsten Mal besser machen kannst. Klar, das ist leichter gesagt als getan, denn wer gesteht sich schon gerne Fehler ein? Genau dafür ist das folgende kleine Spielchen äußerst hilfreich:

  • Zeichne auf ein Blatt drei Spalten (oder knicke das Blatt). In Spalte 1 schreibst Du auf, welchen Fehler Du Dir geleistet hast.
  • In der mittleren Spalte notierst Du nun, wie Du Dich verhalten und was Du gedacht hast, als Du den Fehler bemerkt hast. Diese Übersicht bekommt außer Dir niemand zu sehen – sei also ehrlich.
  • Vielleicht tendierst Du im ersten Moment dazu, Fehler vor Dir selbst zu rechtfertigen: Stehen da Sätze, die klingen wie «Ja, aber ich habe doch …» oder «Eigentlich habe ich schon alles gemacht, was nötig ist, nur diese eine Kleinigkeit habe ich übersehen»? In diesen Sätzen findest Du meist schon, was Du aus Deinem Fehler lernen und in Zukunft besser machen könntest.
  • Und genau diese Absichten, in Zukunft etwas besser zu machen, solltest Du in die dritte Spalte der Tabelle eintragen. Wenn Du mit Deiner Übersicht fertig bist, enthält diese letzte Spalte ganz konkrete Handlungsvorgaben für die Zukunft.
  • Die ersten beiden Spalten brauchst Du nun nicht mehr, denn Du willst Dich ja nicht weiter über Deine Fehler ärgern, richtig? Also weg mit Spalte 1 und 2!
  • Spalte 3 solltest Du jedoch irgendwo in Sichtweite aufheben, damit Du Dich immer daran erinnerst, was Du verbessern willst.
 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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