Kritik produktiv nutzen
Wer hört schon gerne, dass er etwas falsch gemacht hat? Eben. Niemand. Verständlich also, wenn man bei Kritik sauer wird oder beleidigt ist. Besser ist es, die Kritik produktiv zu nutzen.
Kritik trifft uns, das ist menschlich, denn jeder hat schon verletzende Erfahrungen gemacht. Wenn der Chef oder Kollege, der uns kritisiert, nun – ob absichtlich oder zufällig – diese wunden Punkte trifft, reagieren wir empfindlich. Wer aber richtig mit Kritik umgeht, schmollt dann nicht oder rastet aus, sondern nutzt sie für sich: Es gilt, die sachlichen Informationen aus der Kritik herauszuziehen, konstruktiv umzusetzen, und dem Kritiker gegenüber angemessen zu reagieren - getreu dem chinesischen Sprichwort: «Wer mir schmeichelt, ist mein Feind, wer mich tadelt, mein Lehrer!»
Denn wenn Du genau nachdenkst, wirst Du merken: Kritik ist eigentlich nichts anderes als ein Hinweis auf Fehler, Missstände oder falsche Entscheidungen. Und Kritik ist wichtig und sinnvoll: Niemand kann alleine die ganze Tragweite eines Problems erfassen oder wirklich bei allen Entscheidungen abschätzen, welche Auswirkungen diese haben werden. Wir merken also gar nicht immer, wenn wir etwas falsch machen. Daher ist es wichtig, dass uns jemand darauf aufmerksam macht, wenn etwas schief läuft.
Kritik ist also vor allem eine wertvolle Information, mit deren Hilfe Korrekturen und Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Traurig, aber wahr: Wenn Du immer nur Lob hören würdest, würdest Du nichts besser machen, sondern vermutlich auf Dauer eher noch weniger Leistung bringen.
Doch nicht immer ist Kritik sachlich. Oft genug wird sie im Berufsalltag auch als Machtmittel eingesetzt. Vorgesetzte, die kritisieren, erwarten häufig, dass man ihre Kritik widerspruchslos akzeptiert, und zeigen damit gleichzeitig, dass sie das Sagen haben. Umgekehrt tun sich viele Chefs allerdings schwer, Verbesserungsvorschläge ihrer Mitarbeiter zu akzeptieren.
Und auch Kollegen kritisieren einander oft genug nicht in der hehren Absicht, sich zu helfen, sondern verfolgen genau gegenteilige Ziele: Da wird die eigentlich sachliche Kritik benutzt, um den anderen indirekt zu beleidigen. Wenn man Dir zum Beispiel sagt: «Hier ist ein Fehler. Geben Sie sich doch etwas mehr Mühe …» heißt das indirekt, dass Du Dich zu wenig bemüht hast. Oder es werden einzelne Kritikpunkte verallgemeinert, um die ganze Person abzuwerten, etwa: «Sie machen immer solche Fehler …»
Viele akzeptieren solch fiese Kritik anstandslos, statt erstmal zu hinterfragen, ob die Kritik überhaupt berechtigt ist oder nicht. Und viele nehmen beleidigende Kritik einfach hin, statt ihr mit einer Portion Schlagfertigkeit zu begegnen.
Ob Du kritisierst wird oder nicht, kannst Du nicht steuern – wohl aber, wie Du richtig mit Kritik umgehst. Dazu hier einige Tipps:
- Versuche nicht, um jeden Preis Kritik zu vermeiden – das macht nur unzufrieden. Und es klappt zwar manchmal gut, wenn Du Dich unauffällig verhälst, aber Du wirst kritischen Äußerungen kaum immer aus dem Weg gehen können.
- Bleib ruhig, selbst wenn Du am liebsten losbrüllen möchtest. Dennoch: Erstmal tief durchatmen und ruhig überlegen, dann hast Du die besseren Karten.
- Manchmal fassen wir etwas als Kritik auf, das gar nicht so gemeint war. Frag Dich daher zuerst: War das wirkliche Kritik? Was genau wurde gesagt? Welcher Wortlaut wurde verwendet? Oder interpretiere ich diese Aussage nur als Kritik?
- Ist die Kritik, über die Du Dich ärgerst, überhaupt berechtigt? Wenn nicht, ist sie es nicht wert, dass Du Dich darüber aufregst. Wenn die Kritik jedoch zu Recht ausgesprochen wurde, solltest Du ernsthaft überlegen, was Du verbessern kannst.
- Selbst wenn die Kritik berechtigt ist: Wer kritsiert Dich eigentlich? Ist derjenige kompetent auf diesem Gebiet? Ist seine Meinung wichtig für Dich? Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass das nicht der Fall ist, musst Du seiner Aussage keine Beachtung schenken.
- Manche Kritik mag gut gemeint sein – hilfreich ist sie dennoch nicht. Wenn Du von jemandem hörst «Sie können das einfach nicht», ist das nutzlos: Du weißt danach nicht, was Du besser machen kannst. Bitte also Dein Gegenüber sachlich, etwas mehr ins Detail zu gehen: Was genau kannst Du angeblich nicht, wo sieht der andere noch Verbesserungsmöglichkeiten?
- Auch wenn Du Dich ärgerst, musst Du nicht zwingend auf einen Angriff reagieren: Ignoriere die Kritik bewusst. Lass Dich auf keine Diskussion ein: Verstehe die Kritik absichtlich nicht. Der andere gerät dann in Erklärungszwang und die Kritik läuft ins Leere.
- Gerade wenn ein anderer Dich durch seine Kritik bloßstellt, solltest Du schlagfertig reagieren, um Dein Gesicht zu waren. Eine gute Methode: Mach den Kritiker lächerlich. Übersteigere seine Kritik ins Uferlose – damit hast Du die Lacher auf deiner Seite.
- Kritik kann Dich kaum treffen, wenn Du zustimmst – aber selbstbewusst und ohne Rechtfertigung: «Das sehen Sie richtig», «Das haben Sie gut beobachtet», «Daran werden Sie sich gewöhnen müssen» oder «Danke für den Hinweis – das hat mir schonmal jemand gesagt.»
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zentao
Dieser Beitrag finde ich gut, schon fast etwas weise. Viele Kritiker, wollen sich durch ihre Kritik nur über ihren Gegenüber erhöhen. Dadurch dass sie den Anderen runter machen, fühlen sie sich gut. Auf kosten des Anderen. Der Kritiker fühlt sich stark und der Kritisierte fühlt sich schwach.Der Kritiker, stiehlt Energie von Seinem Opfer.
Deine Vorschläge zum Umgang mit Kritiker finde ich mehr oder weniger gut.
Grundsätzlich soll man sich nicht auf das Niveau des Kritiker runter lassen, sonder aus einer Selbstbewussten Grundhaltung(Ich weiss wer ich bin und was ich mir wert bin))heraus reagieren.
Liebe Grüsse zentao
Réka
Ich würde gleich ein Thema für den nächsten Artikel vorschlagen. Wie kann man korrekt und konstruktiv kritisieren?
Réka
[...]Als ich den Titel eines Artikels auf imgriff ?Kritik produktiv nutzen? las, war ich ein bisschen überrascht.[...]
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