Was man täglich sieht,
vergisst man
Von Gastautor am 16. April 2008 um 16:15 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Allgemein
Was einem wichtig ist, das sollte man nicht vergessen. Manch einer klebt sich darum Zettel mit kleinen Botschaften auf den Rand des Monitors. Das tägliche Vor-Augen-führen kann aber auch zum Gegenteil führen: Man beachtet es nicht mehr.
Von Peter Giesecke
Das auf einem Post-it notierte Passwort am Bildschirm ist wohl eher ein Klischee. Erinnerungen und Vorsätze (”täglich Obst essen!”) aber findet man tatsächlich häufig an diesem Platz. Andere drucken sich gleich den kompletten Projektplan aus und hängen ihn an die Wand. Und an der Supermarktkasse sieht man, wer alles ein Foto seiner/seines Liebsten im Portemonnaie stecken hat. Mit der Zeit jedoch wird man blind für das, was man sich eigentlich täglich vor Augen führen wollte, und beachtet es nicht mehr wirklich.
Der Autor Stephen Covey spricht in seinem Buch “Der Weg zum Wesentlichen” von einem “Dilemma zwischen Nah- und Fernsicht”. Die Nahsicht repräsentiere die “Tagesperspektive”, in der Dringlichkeit, Bedürfnisse, konkrete Aufgaben, deren Erledigung sowie nächste Schritte vorherrschen. Die Fernsicht steht für “Vision und Philosophie”, also für Wichtigkeit, Langfristigkeit , Grundbedürfnisse, Ziele und das Gesamtbild.
Sein genialer Gedanke ist, dass man beides miteinander abgleicht - aber nicht täglich, sondern einmal pro Woche. Tag für Tag soll man sich auf die Erledigung der Aufgaben konzentrieren. Diese setzt man sich einmal in der Woche, indem man sie aus den übergeordneten Zielen ableitet. Wenn man nun am Samstag den Kaninchenstall repariert, geschieht dies nicht aus Tierliebe, sondern vor allem um des Hausfriedens willen. Der ist wichtiger.
Sich selbst fragen: Habe ich mein Ziel erreicht?
Sich einen Zettel an den Monitor zu kleben, kann hilfreich sein, um sich daran zu erinnern, täglich Obst zu essen. Wer aber keine Lust auf Obst hat, wird diesen Zettel sehr schnell übersehen. Er büßt seine Wichtigkeit ein. Ein (ehrlicher) Wochenrückblick zwingt einen jedoch in eine andere Perspektive. Man liest das Wochenziel “täglich Obst essen” und muss sich selbst die Frage beantworten: An welchen Tagen habe ich mein Ziel erreicht? Manchmal führt dies zu einem kleinen Schock.
Für wiederkehrende Aufgaben hat Getting Things Done von David Allen eine gute Lösung parat: Mach eine Gewohnheit daraus. In diesem Fall hilft auch der Zettel am Monitor - aber nur für die begrenzte Zeit, in der die Gewohnheit eingeübt wird. Bei abstrakteren Botschaften wie “Aufgaben schneller abschließen” oder “besser zuhören” hilft nur der Abstand. Also weg mit den ganzen Erinnerungen, Botschaften, Sinnsprüchen und Zitaten auf den Zetteln und Bildschirmen!
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2 Kommentare
ich schick mir immer selbst E-Mails mit Erinnerungen!!! nicht lachen, das klappt wirklich!
Réka
schrieb am 18. April 2008, 10:09 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…]„Was man täglich sieht, vergisst man” Diese überraschende Aussage las ich gestern auf imgriff. […]
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Chef
schrieb am 16. April 2008, 22:52 Uhr (Permalink zum Kommentar)