Zeitsparen für Filmfreaks und Podcaster

Beim Erarbeiten von Wissen kommen zunehmend auch audiovisuelle Medien – Stichwort Podcasts – zum Einsatz. Während Techniken für schnelleres Lesen bereits weit verbreitet sind, ist der effiziente Umgang mit Audio- und Filmaufnahmen aber trotzdem noch weitgehend Neuland.

Ein ungewöhnlicher, aber dennoch interessanter Hinweis dazu war kürzlich in der Basler Zeitung zu lesen. Das Zauberwort lautet digitale Zeitkompression. Bei Audiodateien werden dabei sich wiederholende Frequenzen im Millisekundenbereich herausgeschnitten. Die verbleibenden Tonstücke werden anschließend über einen Algorithmus wieder zusammengefügt, die Tonhöhe bleibt dabei jedoch unverändert. Ganz ähnlich funktioniert die Komprimierung von Videomaterial. Einzelbilder mit nahezu identischem Inhalt werden aus dem Filmstreifen herausgeschnitten.

Diese Techniken werden von Filmstudios und Fernsehsendern eingesetzt, um beispielsweise bei der Synchronisation das Bild und die neue Tonspur genau aufeinander abzustimmen, aber auch, um Liveübertragungen oder Spielfilme zu kürzen, so dass zusätzliche Werbespots eingespielt werden können. Im Heimbereich sieht es dagegen etwas anders aus. Zwar bieten Rekorder zunehmend die Möglichkeit an, selber aufgenommenes Material schneller abzuspielen. Bei vielen DVD-Playern läuft das Bild im Schnellvorlauf jedoch zu rasant ab und der Ton wird gar nicht mehr ausgegeben.

Auf dem Computer hingegen läuft es besser: Einige Medienplayer ermöglichen eine variable Abspielgeschwindigkeit von heruntergeladenem Material, wobei jedoch in vielen Fällen die Tonhöhe verändert wird. Nicht so beim Quicktime Player. Per Tastenkombination auf “Ctrl+K” wird die A/V-Steuerung eingeblendet, wo unten rechts das Tempo geregelt werden kann. Die Qualität ließ beim Probehören jedoch zu wünschen übrig: Es entstand ein Hallen, das ab etwa einer 1,5-fachen Geschwindigkeit störend wurde. Man kann jedoch einschränken, dass man Audio- und Videodateien kaum viel schneller abspielen wird. Abhilfe schafft ansonsten ein (leider nicht sehr günstiges) Plugin von Enounce für Realplayer oder Windows Media Player. Der Ton wird bei hohem Tempo zwar etwas abgehackt, das wirkt allerdings viel weniger störend als das Hallen. Für das Beschleunigen von Videos muss der Computer entsprechend fix sein, um das Umrechnen direkt zu ermöglichen. Da beginnt schnell mal das Bild zu wackeln.

Beim Ausprobieren gewann ich den Eindruck, dass sich diese Technik für Audio besser eignet als für Video. Für Filmfreaks mag dies daher eine Spielerei sein. Für das Lernen jedoch eignet sich das Ganze hervorragend. In Studien konnte gezeigt werden, dass das menschliche Gehirn mehr versteht als die normalerweise 140 bis 180 gesprochenen Wörter pro Minute, ihm beim Schnellvorlauf jedoch mehr Leistung abverlangt wird. Die Hörer/Betrachter setzen sich dadurch intensiver mit dem Inhalt auseinander. Möglich also, dass das sogar zu besseren Lernleistungen führt.

 

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4 Kommentare

  1. Auch bei Video gibt es hin und wieder gute Gründe für mehr Tempo. Beim Sichten von Material haben wir schon vor 20 Jahren die VHS- Beta- und sogar MAZ-Bänder mit doppelter Geschwindigkeit laufen lassen, oft sogar mehrere Bänder auf mehreren Monitoren gleichzeitig. Wenn es etwa darum ging, eine bestimmte Stelle aus einer Kennedy-Rede zu finden, oder den effektiven Moment des Starts der Apollo 11 in altem News-Material. Es ist verblüffend, wie aufnahmefähig das Gehirn tatsächlich ist, wenn ein bestimmter “Trigger” dabei mit hilft.

  2. Wie soll es denn funktionieren, fast identische Bilder aus einem Film zu “filtern”? Ist dann eine fließende Bewegung überhaupt möglich? Ich meine, das Auge braucht doch mindestens 24 Bilder pro Sekunde, um etwas flüssig zu sehen. Und diese Einzelbilder sind doch auch fast identisch. Somit würde man ja mit Filterung auf eine Zahl unter 24 Bilder kommen, daraus ergibt sich also eine ruckelnde oder unrunde Bewegung.

    Oder wie soll man sich so eine Filterung vorstellen?

  3. Wie das technisch im Detail funktioniert, kann ich auch nicht genau sagen. Aber ich glaube, Du stellst Dir das schon richtig vor, Bernd. Wie Du sagst, wird das Bild mit zunehmender Geschwindikeit schlechter. Das heisst, man muss eine Balance finden, wo man zwar Zeit sparen kann, aber das Filmgeschehen trotzdem noch gut erkennen kann.

  4. Das denke ich auch. Man darf vermutlich nicht den gleichen Filmgenuss erwarten. Aber das ist ja bei Speed-Lesetechniken nicht anders, das ist auch nicht dasselbe wie “das gute Buch vor dem Kamin”.

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