Zurück ans Steuer:
Wie man Kontrolle wiedererlangt

Ivan Blatter, 28. Februar 2008 15:00 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Wer kennt das nicht? Mit Schwung hat man sein Organisationssystem umgestellt, neue Methoden trainiert, von vorne angefangen. Und eine ganze Weile lief alles hervorragend. Doch auf einmal merkt man, wie man den Tritt verliert und in alte Muster zurückfällt. Im Folgenden geben wir ein paar Tipps, was man tun kann, wenn man die Kontrolle wieder zu verlieren droht:

Nach den ersten erfolgreichen Tagen oder Wochen verliert man häufig seinen Rhythmus. Vielleicht lässt man sich ein wenig gehen, vielleicht ist so viel los, dass man seine neuen Gewohnheiten nicht mehr weiter pflegen kann. Oder der normale Ablauf wird durch Feiertage oder Ferien gestört. Das haben viele erlebt, die versucht haben, etwa Getting Things Done umzusetzen - Du vielleicht auch.

Egal, was die Gründe dafür sind, Du hast Deinen Rhythmus verloren und möchtest ihn wieder finden. Das ist gar nicht immer so einfach. Wir entwickeln uns weiter, unsere Prioritäten und Interessen verschieben sich. Man kann nicht einfach zurück gehen, als ob nichts gewesen wäre. Doch vielleicht helfen Dir die folgenden Tipps, die Kontrolle wiederzugewinnen, wenn das Chaos droht:

  1. Schritt zurück: Das ist zuerst einmal das Wichtigste. Es eine Illusion zu glauben, Du könnest einfach so von selbst wieder zurückfinden. Nein, Du brauchst eine (kurze) Auszeit. Wenn Du den Rhythmus bei der Arbeit verloren hast, dann versuche, eine Woche lang eine Stunde früher anzufangen oder länger im Büro zu bleiben. Dann hast Du Deine Ruhe, um Deinen Rhythmus und Deine Gewohnheiten neu aufzubauen. Wenn es den Rhythmus in Deinem privaten Leben betrifft, dann reserviere Dir einen Tag am Wochenende oder vielleicht sogar das ganze Wochenende. Nimm Dir wirklich die Zeit: Notiere sie in Deinem Kalender. Und unterschätze die Zeit nicht, die Du brauchen wirst. Wichtig ist, dass Du Dich ganz zurück ziehen kannst. Schalte alle Ablenkungen aus und fokussiere Dich darauf, Deinen Rhythmus wiederzufinden - oder einen neuen, besseren zu entwickeln.
  2. Auslegeordnung: Nun gilt es, das Problem zu identifizieren. Was läuft nicht? Was möchtest Du erreichen? Was ist realistischerweise möglich? Mach zwei Listen: Auf der ersten Liste schreibst Du Deine Verpflichtungen auf. Wenn Du beispielsweise Kinder hast, ist es schwieriger, einen persönlichen Rhythmus durchzuhalten. Wenn Du jeden Morgen mit einem Freund joggen gehst, kannst Du währenddessen keine Aufgaben erledigen. Auf der zweiten Liste schreibst Du alles auf, was Dir persönlich wichtig ist, und was Du unbedingt in Deinem Ablauf unterbringen willst. Was machst Du gerne, was ist Dir wichtig?
  3. Überblick: Schau Dir jetzt die beiden Listen an und überlege Dir, ob Du all das in Deinem Tag unterbringen kannst (und willst!). Wahrscheinlich hast Du zu viel vor. Mag sein, dass das bisher kein Problem war, aber vergiss nicht, dass Du zu Beginn sicher sehr motiviert warst und viel Energie freisetzen konntest. Jetzt hat aber der Drive nachgelassen und das Problem ist, die Veränderungen langfristig und beständig zu verankern.
  4. 1 Tag=24 Stunden: So, jetzt hast Du einen Überblick über Deine Verpflichtungen, die Du erfüllen musst und über die Dinge, die Dir wichtig sind. Um das alles in Deinem Tag unterzubringen, musst Du überhaupt wissen, wie viele Stunden Dir pro Tag dafür übrig bleiben. Ziehe also zuerst die Dinge ab, die Du jeden Tag tust und tun musst. Bei mir sind das zum Beispiel:
    - 8 Stunden Schlaf
    - 1 Stunde Arbeitsweg (hin und zurück)
    - 8.5 Stunden Büro
    - 2 Stunden kochen und essen (insgesamt für Frühstück, Mittag- und Abendessen)
    - 1.5 Stunden für den Haushalt, Einkaufen, Körperpflege (duschen, rasieren usw.)
    Das macht insgesamt 21 Stunden, wo ich bereits beschäftigt bin. Bleiben mir also nur noch 3 Stunden pro Tag, die ich für weitere Dinge nutzen kann.
  5. Prioritäten: Wenn Du merkst, dass Du mehr Dinge tun möchtest, als Du überhaupt tun kannst, dann musst Du Prioritäten setzen. Das betrifft vor allem die zweite Liste mit den wichtigen Dingen. An Deinen Verpflichtungen kannst Du vieles gar nicht verändern (z.B. wenn Du Kinder hast) oder höchstens mittel- bis langfristig (z.B. Vereinsmitgliedschaft kündigen). Hier geht es aber darum, kurzfristig Deinen Rhythmus wieder zu finden. Schau Dir also die zweite Liste an und versuche, Prioritäten zu setzen. Was ist Dir am allerwichtigsten? Was liegt Dir am meisten am Herzen? Wo verspürst Du am meisten Herzblut und Leidenschaft? Was bringt Dir den größten Nutzen? Diese Dinge sind zuerst in Deinen Tag unterzubringen. Das können auch Dinge sein, die Dir den Tag erleichtern und Deine Produktivität steigen - etwa das Durcharbeiten und Leeren Deiner Posteingänge. Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst, kannst Du den “Prioritizer” benutzen. Hier kannst Du bis zu 15 Stichworte eingeben. Danach werden Dir mehrmals zwei Stichworte präsentiert und Du musst Dich entscheiden, welches von den beiden Dir wichtiger ist. Durch geschickte Kombinationen hast Du nach ein paar Vergleichen eine priorisierte Liste.
  6. Ziele setzen: Jetzt kommt es drauf an:
    a) Wenn Du einfach nur den Rhythmus verloren hast, etwa weil Du viel Zeit verplemperst, dann setz Dir das Ziel, Deinen Rhythmus wieder zu erlernen. Verfolge dieses Ziel einen ganzen Monat lang. Schreib Dir Deinen Ablauf auf, hänge ihn gut sichtbar irgendwo hin und halte fest, ob Du Deinen Gewohnheiten täglich nachkommst.
    b) Wenn aber das Problem darin besteht, dass Du es nicht mehr schaffst, die wichtigen Dinge in Deinen Tagesablauf unterzubringen, dann musst Du anders vorgehen und Deine Gewohnheiten neu erlernen oder ändern. Nimm dir Ziele vor wie etwa: Email-Inbox täglich leeren, früh aufstehen, früh ins Bett gehen, täglich 1 Stunde lesen usw. Falls Du diese Gewohnheiten bereits einmal eingeübt hast und Du sie jetzt wieder erlernen möchtest, dann kannst Du mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen. Plane sie in Deine Routine ein. Wenn es neue Gewohnheiten oder neue Ziele sind, ist es besser, wenn Du Dir pro Monat nur eine Gewohnheit vornimmst und Dich voll und ganz auf diese fokussierst.

Entscheidend ist, dass Du Dich mindestens einen Monat lang darauf konzentrierst, wieder die Kontrolle zu gewinnen. Bei den übrigens Zielen musst Du zurückstecken. Aber so ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Du den Dreh wieder findest.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. transformcar

    schrieb am 28. Februar 2008 um 19:29 Uhr (#)

    Danke! Kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Habe im Januar mit Zen to done angefangen und mir für diesen Monat die Gewohnheit “Durcharbeiten” vorgenommen. Das klappte so super, dass ich es die letzten Tage schleifen ließ … eben weil es zu gut lief.

    Dachte mir ein paar faule Tage sind nicht schlimm, mit der neuen Technik bekommst du alles schnell wieder in den Griff. Doch aus einem faulen Tag werden zwei, dann drei, dann eine Woche …

    Danke fürs wachrütteln!

  2. FuriousDragon

    schrieb am 29. Februar 2008 um 22:34 Uhr (#)

    Ich finde “The Prioritizer” Klasse!
    Kennt jemand eventuell ein Tool das offline funktioniert?


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