Nachdenken zulassen, Grübeln stoppen

Simone Janson, 31. Januar 2008 14:34 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der Psychologieprofessor Neal Roese beschäftigt sich in seinem Buch ?Ach hätt? ich doch!? (Frankfurt am Main 2007) mit dem Bedauern von verpassten Gelegenheiten und den Zweifeln über gefällte Entscheidungen. Anschaulich erläutert er, warum das Weinen über vergossene Milch, also über Dinge, die man ohnehin nicht mehr ändern kann, nicht unnötig, sondern ein im Gegenteil sehr wichtiger psychologischer Prozess ist.

Wenn man über vergangene Situationen eingehend nachdenkt und überlegt, was man hätte besser machen können, wird man sich in Zukunft in ähnlichen Situationen besser verhalten – und in jedem Fall vorbereiteter in eine Situation gehen. Grübeln, auch wenn es zunächst unproduktiv scheint, kann also durchaus positive Effekte haben, wenn es uns motiviert, Dinge zu verbessern, und so zur Lösung eines Problems führt.

Aber es gibt Grenzen.

Denn je mehr man darüber nachdenkt, was genau man in einer Situation tun könnte, desto mehr muss sich das Gehirn anstrengen. Das Problem erscheint umso komplizierter, je länger man sich damit beschäftigt, und es wird immer schwieriger, zu einem Ergebnis zu kommen. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, die Situation nicht unter Kontrolle zu haben. Das Selbstbewusstsein schwindet, man wird unsicherer.

Wenn Du Dich das nächste Mal beim Grübeln ertappst, achte mal auf diesen Prozess: Am Anfang hast Du vielleicht noch klare Gedanken, bist Dir Deiner Meinung relativ sicher. Dann kommen die ersten Zweifel, die Dich dazu bringen, die Sache auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sehr gut – damit solltest Du es aber bewenden lassen, selbst wenn Du noch keine Lösung gefunden hast. Denke gegebenenfals zu einem späteren Zeitpunkt weiter über das Thema nach. Denn wenn Du nun weiter grübelst, werden Dir immer mehr Zweifel kommen, die Gedanken scheinen sich zu verselbständigen. Wenn man an dieser Stelle dem Gehirn eine Pause gönnt, wird man gelegentlich überrascht feststellen, dass sich das Thema von selbst erledigt.

Nachdenken ist also sinnvoll, zielloses Grübeln nicht.

Wenn Du dazu neigst, endlos Gedanken hin- und herzuwälzen und Dich damit selbst zu blockieren, kannst Du es mit einer sehr simplen, aber doch effektiven Methode probieren: dem ?Gedankenstopp?, der nur etwa 15 Sekunden Zeit braucht. Er dient dazu, sich bewusst zu machen, wann man ins Grübeln abgleitet und dieses Denkmuster zu durchbrechen, indem man eine bewusste Reaktion entgegensetzt.

Für den Gedankenstopp sag einfach laut ?Stopp!?, wenn Du merkst, dass Du mit dem Grübeln beginnst (wenn Du nicht alleine bist, sag es leise, aber eindringlich – oder denke es zumindest ?laut?). Atme tief ein und langsam wieder aus, entspanne Dich. Du kannst es auch weiter treiben und Dir ein Gummiband übers Handgelenk streifen, das Du auseinanderziehst und zurückschnellen lässt, um Dein Nachdenken zu unterbrechen. Egal wie, Hauptsache, Du lenkst Dich davon ab. Falls Du gerade nichts zu tun hast, mach Entspannungsübungen oder such Dir schnell eine kleine Arbeit, die zu erledigen ist. Wichtig ist, an etwas anderes zu denken.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

22.8.2008, 3 KommentareFrauengehälter:
Mehr Geld für Leistung

Warum verdienen Frauen noch immer weniger als Männer? Neun konkrete Punkte, die Gehaltsverhandlung zum eigenen Vorteil zu beeinflussen.

20.8.2008, 1 KommentareDer Link am Morgen:
Leben ohne Wecker

5.8.2008, 10 KommentareBesser schreiben:
Auf Einfälle verzichten

Ein grundlegender Fehler beim Schreiben ist, dass viele Ideen aneinandergereiht werden, statt einen guten Einfall auszudifferenzieren. Durch Verzicht wird der Text besser.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.