Wie man seine Ziele umsetzt:
Gute Vorsätze? War da was?

Es ist Mitte Januar. Die Vorsätze zum neuen Jahr wurden gefasst, man will seine Gewohnheiten ändern und weiß, wie das klappen kann. Die ersten Tage sind auch schon geschafft, aber nach und nach macht sich wieder das Faultier in einem bemerkbar. Was tun, wenn Begeisterung und Motivation nachlassen?

Die meisten Menschen wollen ihr Leben eigentlich verbessern. Und eigentlich ist dabei nur das Wort “eigentlich” das Problem. “Eigentlich” signalisiert nämlich, dass man schon möchte, aber nichts investieren will. Es soll einem einfach so in den Schoss fallen. Gleichzeitig ist “eigentlich” auch ein Zeichen für eine gewisse Hilflosigkeit: Man möchte etwas ändern, aber weiß nicht so recht, wie. Doch damit noch nicht genug: Sehr oft sind Vorsätze (nicht nur zu Jahresbeginn!) zu allgemein formuliert. “Auf die Ernährung achten”, “Sport treiben”, “Nichtraucher werden” sind ein erster Schritt, aber mehr nicht. Das mag genügen, um in den ersten Tagen, vielleicht Wochen, konsequent zu sein, aber dann lässt die Motivation nach. Plötzlich scheinen Alternativen attraktiver (“Ausnahmsweise esse ich das Stück Kuchen”) oder werden die Ausreden kreativer (“Bei dem Regen kann ich nicht laufen gehen, sonst erkälte ich mich”). Wer einen Vorsatz das ganze Jahr über wirklich umsetzen will, der muss mehr an Planung investieren. Aber keine Angst, die folgenden Tipps sind so einfach, dass man sie problemlos umsetzen kann.

  1. Konkretisieren: Wer das bisher noch nicht getan hat, der sollte es spätestens jetzt machen. “Mehr Sport treiben” genügt nicht als Ziel. Das ist viel zu schwammig. Was heißt “mehr”? Einmal, zweimal, dreimal die Woche? Was heißt “Sport”? Zählt Treppensteigen auch? Je konkreter, desto besser: “Ich will mindestens dreimal pro Woche im Wald laufen gehen.” Dieses Ziel kann man messen, man kann den Boden unter den Laufschuhen spüren und sich schon im Wald laufen sehen. Und das motiviert!
  2. Kleine Schritte: Ein Vorsatz oder ein Ziel wirkt oft überwältigend. Das kann abschrecken und demotivieren. Wenn man aber das Ziel in kleine Schritte aufteilt, dann kann man es plötzlich handhaben. “Ab jetzt will ich meine Arbeit besser organisieren” besteht aus verschiedenen Schritten: Schreibtisch aufräumen – bestehende Aufgaben festhalten – Organisationssystem planen usw. Durch das Definieren der einzelnen, kleinen Schritte wird das Ziel greif- und überschaubar.
  3. Zwischenziele setzen: Was ist, wenn ich mir vornehme, mehr Sport zu treiben und erst im Dezember damit anfange? Dann habe ich eigentlich mehr Sport getrieben und somit das Ziel erreicht. Wer nicht schummeln und das ganze Jahr seinen Vorsatz umsetzen will, der setzt sich Zwischenziele. So sieht man, ob man noch auf Kurs ist. Also: “Bis im März will ich 45 Minuten am Stück laufen können, und zwar dreimal pro Woche. Im August will ich 10 km in 50 Minuten schaffen.”
  4. Inspiration: Nutzt alles, was euch inspiriert: Bilder, Musik, Zitate, Rituale usw. Als ich anfing zu bloggen, habe ich die CD “Piece By Piece” von Katie Melua gehört. Diese Musik ist für mich nun so stark mit dem Bloggen verbunden, dass ich sofort Lust aufs Schreiben bekomme, wenn ich die CD höre. Ein weiteres Hilfsmittel, welches ich einsetze, ist eine Art Collage, auf der ich meine Ziele mit Fotos visualisiert habe. Diese Collage ist bei mir der Desktop-Hintergrund, so dass ich meine Ziele mehrmals täglich sehe. Man kann sich auf unterschiedliche Weise inspirieren und motivieren. Den besten Weg muss jeder selbst finden.
  5. Fokussieren: Euer Vorsatz ist so wichtig, dass ihr ihn nicht nur gesetzt, sondern ihn auch gleich auf ein ganzes Jahr angelegt habt. Dafür verdient er es, dass ihr euch voll auf ihn fokussiert. Er darf nicht an einem einzigen Tag vergessen gehen. Sondern er muss euch ständig begleiten. Daher muss es etwas sein, was euch persönlich sehr wichtig ist. Deswegen sollte man sich auch nicht zu viele Vorsätze setzen, sondern sich nur auf wenige oder sogar nur einen beschränken.
  6. Der ideale Tag: Eine Übung, die ich regelmäßig mache: Wie sieht mein idealer Tag aus? Was will ich wann tun? So merkt man schnell, ob man sich zu viel vorgenommen hat und hat außerdem eine Leitlinie für die Einteilung seiner Zeit. Am besten schriftlich festhalten!
  7. Routine: Am einfachsten ist es, wenn man sich neue Routinen aneignet. Denn dann setzt man seine Vorsätze praktisch automatisch um. Genauso wie man aus lauter Gewohnheit und Routine als erstes im Büro den Computer einschaltet – was übrigens gar nicht immer nötig ist, da man meist auch Aufgaben hat, die man nicht am Computer erledigen muss -, kann man routinemäßig als letztes vor dem Feierabend seinen Eingangskorb leeren.
  8. Täglich eine halbe Stunde: Wer sich keine Vorsätze vorgenommen hat, die aus neuen oder abgelegten alten Gewohnheiten bestehen, sondern Jahresziele formuliert hat, der kann sich täglich fix eine halbe oder sogar eine ganze Stunde reservieren, in der er sich alleine um die Erreichung dieser Ziele kümmert. Das ist zwar keine lange Zeit, aber sie summiert sich über das Jahr. Wer also einen neuen Job will, kann täglich eine halbe Stunde lang Anzeigen sichten, Tipps im Internet lesen, den Lebenslauf anpassen, sein Netzwerk aktivieren usw.
  9. 100er Liste: Manchmal hat man zwar ein Ziel, aber man weiß nicht so recht, wie man es erreichen soll. Für diesen Fall gibt es eine schöne Methode, wie man recht schnell Ideen generieren, seine Gedanken ordnen oder Lösungen finden kann: Man setzt sich einfach hin und erstellt eine Liste mit hundert Antworten oder Lösungen. Das scheint sehr viel zu sein, aber ihr werdet staunen, was euch alles einfällt, wenn ihr wirklich 100 Punkte liefern müsst. Vieles davon ist vielleicht nicht brauchbar, aber einiges sicher sehr wertvoll. Mehr über diese Technik könnt ihr in diesem imgriff.com-Artikel und auf Litemind lesen.
  10. Rückblick: Genauso wichtig wie Vorausplanung ist es, regelmäßig zurückzuschauen. Was hat geklappt, was nicht? Was kann ich verbessern? Was muss ich ändern? Je nach Ziel kann man jeden Tag einen kurzen Rückblick halten. Mindestens einmal in der Woche empfiehlt es sich aber bei jedem Ziel und jedem Vorsatz.

Wer einen Vorsatz gefasst hat, der ist bereits auf dem richtigen Weg. Jetzt geht es ums Durchhalten. Und das braucht Geduld. Seid nicht zu streng mit Euch, aber bleibt unbedingt dran. Hinfallen ist kein Problem, nicht mehr aufstehen ist aber mehr als schade. Wer immer noch befürchtet, zu wenig Selbstmotivation zu haben, der kann weiter lesen und sich noch mehr Tipps auf der Liste “101 Ways For Self Motivation” holen.

 

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2 Kommentare

  1. Was steckt dahinter, wenn Menschen ihre Vorsätze nicht umsetzen? Faulheit, falsche Ziele oder was?
    Über die psychologischen Hintergründe habe ich einen Blog-Beitrag verfasst.
    Hier der Link:

    [Edit: Link entfernt, F.S.]

  2. Herr Kopp-Wichmann, das wollen Sie jetzt aber nicht unter jeden Blogbeitrag schreiben, hoffe ich. Sonst springt nämlich entweder der automatische oder mein intuitiver manueller Spamfilter an.

3 Pingbacks

  1. [...] Wie man seine Ziele umsetzt: Gute Vorsätze – war da was? [...]

  2. [...] Vorsätze sind schnell gefasst; schwierig wird es, wenn es an die Umsetzung geht. In zwei Artikeln haben wir ein paar Tipps gegeben, wie’s besser klappen könnte: 15 Tipps, um Gewohnheiten wirklich zu ändern und Wie man seine Ziele umsetzt: Gute Vorsätze? War da was? [...]

  3. [...] vernünftig erscheint für unser Arbeit oder unser Leben. Auf den ersten Blick zumindest. Ivan hat vor einiger Zeit einen sehr klugen und vernünftigen Artikel zum Thema «Gute Vorsätze» geschrieben. Seine besten [...]

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