Kreativer werden:
Neue Ideen mit der 100er-Liste
Erfolgreiche Menschen sprühen oft vor Ideen. Dabei sind sie so schnell und kreativ, dass Kollegen oder Freunde gar nicht mehr mitkommen. Genie muss man dafür gar nicht sein: Es gibt verschiedene Techniken, um den Ideenfluss anzukurbeln.
Grundsätzlich unkreative Menschen gibt es nicht. Wir alle waren schon mal kreativ, nämlich als Kinder. Einige von uns haben ihre Kreativität seitdem leider wieder verlernt oder den Zugang dazu verloren. Aber das lässt sich beheben. Ein paar Grundsätze, die Ihr dabei beherzigen solltet:
- Wer denkt, er sei nicht kreativ und habe einfach nicht viele Ideen, hat recht. Aber nicht, weil er von Natur aus nicht kreativ wäre, sondern weil er sich mit seiner Einstellung blockiert:
If you think you can do a thing or think you can’t do a thing, you’re right
(Henry Ford zugeschrieben). Deshalb: Glaubt an Eure Kreativität, dann kommt sie schneller. - Es gibt keine dummen Ideen. Es gibt vielleicht unausgereifte, entwicklungsfähige oder unrealistische Ideen, aber keine dummen. Wer bereits bei der Ideenfindung eine Kritik-Schere im Kopf hat, blockiert sich damit.
- Eine vergessene Idee ist verloren. Aus diesem Grund trage ich immer etwas zu schreiben bei mir. Früher hatte ich oft Ideen und dachte, dass ich sie nicht so schnell vergesse, weil sie so gut sind. Doch das war ein Trugschluss. Plötzlich waren sie eben doch weg. Heute kann mir das nicht mehr passieren.
- Fragen, fragen, fragen: Wer nicht fragt, bleibt dumm. Durch Fragen und Hinterfragen kann man seinen Horizont erweitern. Viele Ideen sind im Dialog und nicht im Elfenbeinturm entstanden. Unsere Ideen sind häufig weder revolutionär noch genial. Macht aber nichts. Wenn man Gedanken anderer mit den eigenen geschickt zusammengemischt, kann das auch etwas Neues ergeben.
Die 100er-Liste
Eine sehr einfach, aber wirkungsvolle Methode, wie man neue Ideen kreieren kann, ist die 100er-Liste.
Das einzige, was man dazu braucht, ist ein leeres Blatt bzw. ein leeres Dokument auf dem Rechner, ein bisschen Zeit und Offenheit. Und so geht’s: Man nimmt das Blatt und schreibt oben das Thema oder den Titel hin, etwa “100 Ideen, über was ich bloggen könnte” oder “100 Ideen für ein neues Website-Design” oder “100 Ideen, wie ich mich weiterentwickeln kann”. Danach kommt das Naheliegende: Loslegen und 100 Ideen aufschreiben. Das klingt nach viel, aber Ihr werdet staunen, wie viele Ideen Ihr eigentlich habt. Das ist für mich der verblüffende Effekt an dieser Übung. Beachtet aber folgendes:
- Schottet Euch ab: Schaltet alle Ablenkungen aus (Mail-Benachrichtigung, Telefon usw.), hängt ein Schild an die Tür (“Bitte nicht stören”) und schafft Euch eine angenehme Atmosphäre, in der Ihr nicht gestört werdet.
- Nummeriert die Zeilen. Sonst ist die Versuchung groß, mittendrin zu zählen, wie weit man schon ist. Das aber unterbricht den Fluss.
- Schreibt 100 Ideen in einem Rutsch auf. Macht keine Pausen, wenn es nach ein paar Einträgen nicht mehr fließt, sondern bleibt dran, bis die 100 voll ist.
- Schreibt “automatisch”: Hinterfragt und bewertet nichts, sondern lasst es einfach fließen. Doppelte Einträge, Rechtschreibfehler oder unpräzise Formulierungen sind kein Problem. Hier geht es um Menge und nicht um Perfektion.
Meistens läuft das Schreiben in verschiedenen Phasen ab. Mal sprudeln die Ideen, mal geht es langsamer voran. Am Anfang fällt es meistens relativ leicht, weil man zuerst das schreibt, was man ohnehin schon im Kopf hatte. Dann fängt man plötzlich an zu stocken. Genau jetzt wird es spannend: Denn jetzt verlässt man die gewohnten Bahnen und muss neue Wege suchen, um die Liste fortzuführen. Ein paar Dutzend Einträge weiter ist man dann auf neuen Pfaden angekommen und es geht wieder leichter.
Diese Methode funktioniert so gut, weil sie durch das automatische Schreiben den Draht zum Unbewussten aufnimmt. Meine erste 100er-Liste war eine Liste mit 100 Zielen, die ich erreichen möchte. Da waren ganz profane, banale Dinge drauf (wie “Spanisch lernen”), aber auch Ziele, welche ich nie erreichen werde, da sie nie abgeschlossen sind (wie “Authentisch leben”). Aus dieser Liste habe ich mir erstens kurz-, mittel- und langfristige Ziele herausgepickt, welche ich nun verfolge, aber zweitens auch ein Leitbild für mich selbst erstellen können. Ich habe mich gefragt, was für ein Wert oder ein Prinzip hinter jedem einzelnen Ziel steckt. Dabei ist mir aufgefallen, dass hinter den Zielen immer die gleichen ungefähr 5 Prinzipien stehen. Daraus konnte ich dann mein persönliches Leitbild erstellen.
Natürlich sind längst nicht alle Einträge interessant oder brauchbar. Doch trotzdem hat man am Schluss eine große Menge an neuen Ideen und erkennt Muster, die man weiterverfolgen kann. Wenn ich mir also überlege, über was ich bloggen könnte und dabei immer wieder Ideen zum Themenkreis Produktivität habe, dann kann ich davon ausgehen, dass dort mein Hauptinteresse liegt, und darauf aufbauen. Wenn ich auch merke, dass sehr wenige Ideen zum Thema Organisation passen, dann weiß ich, dass ich diese Kategorie vielleicht aus meinem Blog herausnehmen sollte.
Also: Probiert es aus, lasst Euch überraschen und staunt, wie viel in Euch steckt!
















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Abschalten – da sag ich sofort “Ja”. Aber nummerieren und die 100 voll machen?! Das wirkt mir doch zu sklavisch. Im Kern ist es gut, sich zu einem Brainstorming zu zwingen und den Gedankensturm vorher nicht abzubrechen. Aber das Komplettieren der Liste kann auch enorm unproduktiv werden. Wenn es irgendwann nicht mehr fließt, wäre Ablenkung aus meiner Sicht besser geeignet – damit es wieder besser fließt. Vielleicht enthält die Liste aber auch schon Spitzenideen. Warum dann noch 39 blöde ergänzen???
Das Verfahren ist so sicher nicht schlecht, aber zu behaupten, dass man “durch das automatische Schreiben den Draht zum Unbewussten aufnimmt” finde ich – gelinde gesagt – gewagt. Dadurch wird suggeriert dass “das” Unbewusste eine eigenständige, abgeschottete Einheit sei, die man befragen kann wie ein Orakel. Ich glaube nicht, dass Du bei zeitgenössischen Bewusstseinsforschern Unterstützung dafür kriegen würdest.
@Karrierebibel: Danke für den Kommentar! Du hast recht, die 100 voll zu machen, kann sklavisch wirken. Nur: Man kann nicht wissen, wann man eine gute und wann eine schlechte Idee hat. Zunächst schreibt man ja einfach nur auf, ohne die Ideen kritisch zu hinterfragen. Wer sagt, dass unter den 39 Ideen, die man noch mit Mühe und Not ergänzt, nicht plötzlich doch eine oder zwei Perlen drin steckt? Falls es wirklich nicht mehr fliesst und man lange vor dem halb leeren Blatt sitzt, dann kann man schon aufhören. Aber nicht zu schnell, bitte! :-)
@Philipp: Auch Dir Danke! Kann sein, dass ich mich da zu weit aus dem Fenster lehne – ich bin kein Psychologe -, aber es geht darum, die gewohnten Denkbahnen zu verlassen und nicht nur die Ideen zu reproduzieren, mit denen man sich sowieso schon mehr oder weniger beschäftigt. Dafür habe ich den Begriff “das Unbewusste” verwendet, aber im alltagssprachlichen Sinn. Ist sicherlich nicht so präzis, aber ich hoffe, der Sinn ist klar(er) geworden.
Nette Sache. Erinnert mich an das Buch “The Comic Toolbox – How to be funny, even if you`re not” von John Vorhaus und seine “Rule of Nine”. Da soll man auf die Schnelle 10 Ideen runter skizzieren und sich von vorn hinein darüber im Klaren sein, dass 9 der 10 Ideen Schrott sein werden. Das macht es einem eben auch einfacher, weil man sich nicht vorher dem Druck aussetzt, dass alle Ideen gut sein müssen. Kann das Buch (erschien in der deutschen Übersetzung mal im 2001-Versand) nur empfehlen.
klingt gut, muss ich mal ausprobieren. *mit zettel da sitz* . aber zeilen nummerieren finde ich nicht effizient. da will man dann die 100 ganz schnell rum kriegen und schreibt mist auf oder doppelt sich, oder?
[Editiert: Bitte keine Domains als Namen angeben. F.S.]
Klingt gut, mache ich jetzt mal.
Aber eine Frage, auch wenns persönlich ist: wie lebt man denn AUTHENTISCH?? **grübel grübel**
@Anonym: Wenn Du die Zeilen nicht nummerierst, ist die Gefahr gross, dass Du alle 5 Einträge nachzählen möchtest, ob Du die 100 erreicht hast. Deshalb empfehle ich das Nummerieren.
@neverstop: Ich hoffe, Du konntest stoppen. :-)
Wie man authentisch lebt? Wenn ich das wüsste. Das ist eigentlich – wie oben geschriebn – kein Ziel, sondern ein nie-endender Prozess. Hauptsache, ich vergesse nie, wer ich bin und lebe danach.
Für mich bedeutet “authentisch leben” tatsächlich so zu leben, wie ich es meiner Umwelt gegenüber propagiere; also nicht Wasser zu predigen und selber Wein zu saufen.
Zur Ideenfindung gibts ja sehr vielfältige Methoden – daher einfach mal ausprobieren und nicht die Methode selbst analysieren. Für mich klingt es doch plausibel, dass ab einem gewissen Punkt einfach “neue” Ideen erfunden werden “müssen”, um die Liste voll zu bekommen. Die Sache mit der Nummerierung ist mit Excel auch schnell behoben, einfach die Erste Spalte aufziehen und loslegen … Greets, Markus
Ja, so ähnlich mache ich es immer bei der Suche nach Bandnamen. Ich schreib einfach eine riesige Liste mit allem was mir grad einfällt. Die lese ich nach ein zwei Tagen nochmal durch, lass mich von bisherigen Einfällen inspirieren und ergänze. Die Namen gehe ich dann irgendwann mit den Bandkollegen durch. Dann nach einer Woche reden wir nochmal darüber ohne die Liste und alle, die wir uns über die Woche nicht merken konnten, fallen automatisch durch. Letzteres ist übrigens auch der Grund, wieso ich mir Ideen grundsätzlich nicht aufschreibe. Die guten kann ich mir sowieso merken und die, die ich mir nicht merken kann, die sind es wahrscheinlich nicht Wert Zeit damit zu verschwenden.
Boh, das mit dem Vergessen ist mir schon so oft passiert. Und ich habe genau das so gedacht, die Idee ist so gut, die vergisst Du nicht. Aufschreiben ist megawichtig. Trotzdem habe ich ein anderes Problem, ich habe massig Ideen, aber teilweise nicht die Zeit und nicht die Möglichkeit sie umzusetzen…