Sparen durch Ausgeben

Eine auf die eigenen Ausgaben selbst erhobene ‘Sparsteuer’ hält den Konsum im Zaum.

imgriff-Leser René Landgrebe hat einen interessanten Kommentar zum Artikel Wie man mit einem zusätzlichen Konto sparen kann geschrieben. Und damit hat er nicht nur gezeigt, dass unsere Leser die Besten auf der Welt sind, sondern dass es sich auch lohnt, die Kommentare hier zu lesen. Das kann man nun nicht von jeder Seite im Netz behaupten. Damit alle Leser von seiner Sparmethode erfahren, hier nun der von ihm überarbeitete Artikel:

Ich habe letztes Jahr meine ganz eigene Idee entwickelt, wie sich Geld ansparen lässt. Es kann als ?Sparen durch Ausgeben? beschrieben werden und funktioniert ohne extra Konto (aber: genaue Buchführung der Finanzen erforderlich!). Wie das gehen soll? Ganz einfach:
Man nehme alle Ausgaben und schlage eine ?Sparsteuer? auf. Die Sparsteuer ist dabei als Steuer zu verstehen, die wir auf unsere Ausgaben erheben – ganz ähnlich einer Mehrwertsteuer. Wenn ich also ein Produkt für 100? kaufe, schlage ich nochmal 20% drauf und bezahle 120?: 100? an den Verkäufer und 20? an mich. Bei dem Prozentsatz orientiere ich mich grob am deutschen Mehrwertsteuersatz von 19%. Da dies aber etwas schlecht im Kopf zu rechnen ist, nehmen wir einfach 20%.

Mit jedem Produkt was wir kaufen, sparen wir also mehr und Schulden können mit diesem System schön umgangen werden, da wir stets mehr “bezahlen”, als wir eigentlich ausgeben und jeder ausgegebene Euro bedeutet 20 gesparte Cent.

Wer es noch extremer mag, der kann auch sein Einkommen auf diese Art “besteuern”. Wieder können wir die bekannten 20% nehmen. Allerdings kann der Reiz zu sparen verloren gehen, wenn wir allzu viel sparen. Wenn ich Geld anspare ohne davon etwas auszugeben, muss ich verzichten. Ich muss also viele Jahre verzichten, um wenige Jahre viel Geld zu haben und auszugeben. Mit meinem Modell kann ich ruhigen Gewissens Geld ausgeben und weiß, dass ich dabei sogar noch spare.

Überschüssiges Geld am Monatsende wird zu 50% auf unser Sparkonto gepackt, weil wir ja nicht nur durch Konsum sparen wollen, sondern auch mal ganz klassisch. Die restlichen 50% bleiben auf dem Hauptkonto für unerwartete Ausgaben oder für Dinge, auf die wir separat sparen wollen.

Ist nur noch die Frage, was wir mit dem Ersparten Geld machen sollen. Kurze Antwort: Das bleibt jedem selbst überlassen. Denkbar wären Sparziele mit festen Beträgen, wobei vom Sparkonto nichts abgehoben werden darf, was nicht dem Sparziel entspricht – andernfalls wäre das Konto sinnlos. Es kann aber auch als passives Einkommen dienen, indem wir Zinserträge erwirtschaften. Wir haben dabei kein konkretes Sparziel, sondern möchten zusätzliche Erträge erwirtschaften. Diese Zinserträge haben wir dann zur freien Verfügung und können sie beliebig ausgeben (worauf natürlich wieder die “Sparsteuer” erhoben wird).
Hat das Sparkonto eine gewisse Höhe erreicht (z.B. eine Million Euro -> das sind 40 Jahre lang jährlich 25.000? + Zinserträge von durchschnittlich 15.000? jährlich bei 3% p.A. = etwa 40.000? im Jahr), können wir uns z.B. in den Ruhestand begeben.

 

13 Kommentare

  1. Einer der besten Artikel auf imbegriff.com seit langem!

    Eigentlich eine genial einfach Idee; aber man muss noch darauf kommen. Werde mal versuchen, sie umzusetzen…

  2. Das errinnert mich doch sehr stark an meine persönliche Strategie:

    Nettogehalt geht auf DirektbankGiro (gebührenfrei) – dort verbleiben 20 + X % – Rest geht auf Kostenfreies Girokonto und deckt die Ausgaben des täglichen Bedarfs

    Die 20 + X % vom Netto Gehalt decken:
    alle Altersvorsorge + Versicherungen + Sparmaßnahmen ab… (Daueraufträge usw)

    Auf beiden Girokonten gibt es eine Virtuelle 0 Linie die bei rund einem MonatsNetto liegt – nix ist teurer als der Dispo.

    Alle 3 Monate geht eventuelles Restgeld wieder zurück an das 20% Konto bzw. auf ein Sparkonto bei der Hausbank…

    Bislang fahre ich damit ganz gut, Gebühren zahle ich keine, da beide Girokonten kostenfrei sind, dh. es geht genug Geld ein.

    Die X lege ich immer wieder neu fest, es ergibt sich letztlich aus meinem Verhalten der letzten 3 Monate…

    Die Idee mit der täglichen besteuerung halte ich für gut, erzeugt in meinen Augen aber zu viel Verwaltung.

    Noch zwei Tipps:
    -Alles Hartgeld am Ende des Tages aus der Börse entfernen und in eine Kassette packen – es ist erstaunlich wie schnell man auf diese Art dazu kommt mit Geldrollen zur Bank zu laufen…. und merken tut man es meistens auch nicht was man da spart.

    - Taschengeld
    In etwa weiß man ja was man in der Woche ausgeben wird ohne das man auf etwas Verzichtet, also am Anfang der Woche diese Summe in die Geldbörse und dann die Kreditlkarte/EC Karte oder was auch immer nur im Notfall benutzen… (und lieber noch ne Nacht drüber schlafen)

    Insgesamt denke ich ich sollte das System mal als ganzes beschreiben…

    Grüße

    Hanno, fleissiger Leser

  3. Der Verwaltungsaufwand hält sich in Grenzen, wenn die Ausgaben wöchentlich oder monatlich aggregiert werden und dabei zum Beispiel ein Finanzverwaltungsprogramm wie Quicken oder Wiso Mein Geld verwendet wird (was allerdings nicht notwendig ist). Jede Auszahlung aufzuführen wäre eine Menge Arbeit (wie Du schon sehr richtig erkannt hast), die selbst ich mir nicht zumuten möchte. Die Kreditkarten/EC-Buchungen laufen über das Konto und werden vom Finanzprogramm erfasst. Heben wir Bargeld vom Konto ab, so wird das Ganze ja auch in den Kontoauszügen erfasst und wir können jede Abhebung ganz normal mit 20% besteuern. Aber nicht den Fehler machen und einfach 20% weniger Geld abheben! Muss man nur unnötig rechnen und je mehr Geld wir abheben desto besser.

  4. Stimmt, so gehts, letztlich ist es so das ich diese 20% vorweg nehme da ich davon ausgehe das ich alles was ich auf das Konto Leben schaufel auch ausgebe…

    Du sparst letztlich aber doch mehr weil das Geld bei Dir komplett in den Spartopf wandert und auch die Beiträge zur Altersvorsorge besteuert werden.

    Letztlich gleichen sich die beiden Techniken/Strategien…

    Grüße

    Hanno

  5. Das ist wirklich eine pfiffige Idee die allerdings ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert.

  6. bleibt noch die Frage: Wird das auf alle Ausgaben angewandt, also inklusive Miete, Strom, Wocheneinkauf (essen) oder nur auf die “unnötigen” oder besser gesagt nebensächlichen Ausgaben?

  7. Also ich habe an alle Ausgaben gedacht. Das hört sich erstmal schwierig an, aber funktioniert durchaus: Etwas billigere Wohnung, Stromsparen, auch mal Sonderangebote kaufen.
    Ich gebe zu: Wer nicht sparen möchte, der wird verzweifeln und sagen, dass er das nicht hin bekommt. Dass das funktionieren kann wird im Fernsehen immer wieder demonstriert wenn da irgendwelche Schuldenberater rumlaufen und rumrechnen.

  8. @Robert:
    Das ist wohl dann der Vorteil der 2 Konten Methode – die ja letztlich eine Art Steuer auf das komplette Einkommen darstellt. Dabei kannste dann im Vorfeld schon sehen was Du zur Verfügung hast und mehr ist halt nicht.

    Wie ich letztens erst irgendwo gelesen haben: Letztlich ist es egal, wie die Sparstrategie aussieht – solange man heute damit anfängt und immer etwas nennenswertes zur Seite packt.

    Die Besteuerung oder die 2 Kontenmethode sind doch nur Psycho-Krücken für uns die uns letztlich Gedanklich dazu bringen zu Sparen…

    Ich denke ob Du den Monatlichen Regelverbrauch da rein rechnest ist letztlich Dir überlassen, ich mutmaße mal – nicht jeder wird dies können, das ist schon eine Frage des Monatsnettos.

    Wichtig finde ich auch zu wissen was man wofür ausgibt, nicht genau aber so in etwa, als Anfangsfragestellung bietet sich dafür diese Frage an:

    Ist mir meine:
    Wohnung wirklich X%
    Handy wirklich Y%
    Sportverein wirklich Z%
    wert, wenn ich für meine Ernährung lediglich Q% ausgebe?

    Wobei die Begrifflichkeiten natürlich individuell sind.

    Grüße

    Hanno

  9. Sparen durch ausgaben. naja warum nich. wie wärs mit sparen durch gewinnen?? http://source-werbeartike…ogshirts-2008-01-01/
    hier kann man sich z.b grad seine werbeartikel “sparen” :-D

  10. Und die Aktion läuft so schlecht, dass jetzt Fake-Kommentare nötig sind? Mehr über die Aktion hier: http://off-the-record.de/…teln-um-die-blogger/

  11. Eine wirklich gute Idee. Natürlich darf man es nicht übertreiben, da man sonst nach kurzer Zeit die Lust verliert.

    Wirklich eine prima Idee!
    Vorteilhaft ist daran natürlich auch noch, dass man sich Ausgaben 2mal überlegt, da sie ja dann 120% kosten.

    Bitte mehr davon!
    Gruß Thomas

  12. Sparen beim täglichen Ausgeben

    hier sind noch einige Tipps zum unauffälligen alltäglichen Sparen
    - splitte Deine Ausgaben auf mehrere Tage die Woche d.h. gehe fast täglich Lebensmittel einkaufen mit einem Einkaufszettel
    oder tanke dreimal die Woche eine kleine Menge das ist einfacher zu managen als ein Grosseinkauf.
    Auch Sonderangebote kurz vor MHD bekommst Du dann einfacher.
    - stell Dich ca. 1,50 m vor das Regal im Supermarkt und checke alle Artikel und Preise bevor Du zugreifst
    - überlege Dir ca. 3 Tage im voraus was und wo ( zu Hause oder ausser Haus) Du Essen möchtest
    - kurze Rechnung: netto Einkommen minus Wohnkosten minus andere feste Kosten geteilt durch 20 Arbeitstage ist gleich Dein Tagesbudget
    Behalte diese Zahl im Kopf und gib tunlichst nicht mehr aus pro Werktag !
    - achte auf den Ölpreis (z.B. bei Spiegel.de rechts unten auf der Seite) und dazu gehörige Meldungen
    - gibts Meldungen das es hoch geht sofort tanken, gibts Meldungen das es runtergeht erst am nächsten Tag nachmittags tanken
    - wenn es Dir zu teuer ist tanke für 9,90 EUR Du kannst damit ca. 100 km fahren (*Schau ins Gesicht des Tankstellenpächters dabei*)
    - überleg Dir ob es unbedingt ein Getränk zu 1,50 EUR unterwegs sein muss oder ob ein Schluck Wasser aus dem nächsten Hahn nicht auch reicht
    - nimm Dir eine Flasche Mineralwasser und einen Snack (Brot mit Belag Äpfel oä.) zu Terminen mit wo es lange und anstrengend werden könnte
    - ältere Kleidung kann man zu Hause und zu Gartenarbeit noch lange schleppen
    - Schuhe können durchaus ein bis zweimal zum Schuster
    - Telefoniere vom Festnetz, Handy prepaid nur für Notfälle und zum Anrufen lassen
    Und jetzt denk mal nach ! Hast Du gehungert oder so ? NEIN ! Warst Du geizig ? NEIN ! Hast Du noch Geld in der Tasche ? JA !
    KLEINVIEH macht auch MIST !! und der TEUFEL scheisst IMMER auf den GRÖSSTEN HAUFEN !!!

  13. Ja, die meisten Leute verstehen sparen wirklich falsch, sie meinen, dass sie etwas sparen, wenn sie das Joghurt 3cent preiswerter beim Disounter eingekauft haben.

    Den Vorschlag von oben finde ich wirklich gut, ich habe das seit Anfang bez. Mitte des Jahres noch ein wenig verfeinert und auf insgesamt 6 Konten erweiter, wobei das verfügbare Geld (100%) wie folgt auf die Konten verteilt wird.

    1) Konto für allgemeine Ausgaben (Lebenshaltungskosten wie: AUto, Miete, Versicherungen … ) 55%
    2) Konto für Altersvorsorge, Vermögensaufbau… (von diesem Konto wird nie, nie, Geld genommen) 10%
    3) Konto für grössere Anschaffungen 10%
    4) Konto für Bildung (Bücher, Seminare, Unterrichte, …) 10%
    5) Konto für Spass 10% (das Geld muss am Ende des Monats ausgegeben werden ;-)
    6) Konto für Wohltätigkeit (dieses Geld wird regelmässig gespendet) 5%

    Dieses System gewährleistet einerseits tatsächlich das Ansparen von Geld für einen langfristigen Vermögensaufbau, andererseits SPASS. Ganz wichtig ist, dass man eben nicht nur spart, spart und spart und keine Freude hat, sondern sich zwischendurch auch etwas gönnt und dies eben in Maßen.

    Weitere Details findet Ihr unter:
    http://secretsofachievers…y-management-system/

    leider jedoch auf englisch.

2 Pingbacks

  1. Geld sparen durch “Geld ausgeben”!

    Auf dem blog imgriff.com habe ich gerade einen lesenswerten Beitrag gefunden. Es wird eine pfiffige Methode vermittelt, wie man Geld sparen kann, indem man es ausgibt.
    Geht nicht? Geht doch:
    http://imgriff.com/

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