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Mehr ist mehr

Von Florian Steglich am 1. Juli 2007 um 15:50 Uhr Kommentare (1)
Kategorien: Tricks

Je mehr man sich vornimmt, desto mehr schafft man. Klingt komisch? Nicht für Menschen, die das Konzept der “strukturierten Prokrastination” anwenden.

Wer unter Prokrastination leidet, ist oft versucht, dem Problem damit abzuhelfen, dass er sich weniger Verpflichtungen auferlegt. Weil so viel zu tun sei, so der Glaube, kapituliere man vor der Masse und schaffe keinen Anfang. In der Folge sagt man Termine ab, nimmt keine neuen Aufträge mehr an, streicht Dinge, die nicht so dringend erscheinen, von seiner To-Do-Liste und … merkt schließlich, dass all das trotzdem nicht hilft, die wirklich wichtigen Aufgaben anzupacken.

Kein Wunder, sagt dazu John Perry, Philosophieprofessor in Stanford. Er geht das Problem genau andersherum an: Verpflichtungen sind prima, und das Aufschieben von Verpflichtungen auch - solange man es richtig macht.

Perry nennt seine Art des Aufschiebens “Strukturierte Prokrastination“. Ihr liegt eine einfache Beobachtung zugrunde: Prokrastinierer erledigen nie die Aufgabe, die sie als die wichtigste oder dringlichste identifiziert haben. Stattdessen liegen sie aber keineswegs bloß auf dem Rücken und versuchen, Comicfiguren in Wolkenformationen zu entdecken; sondern sie erledigen andere Dinge. Dinge, die weniger wichtig sind, die weiter unten auf der To-Do-Liste stehen, aber nichtsdestotrotz im Großen und Ganzen nützliche Dinge: Einkaufen, Fenster putzen, Telefonate erledigen, Wäsche waschen, andere Projekte planen.

Die Wichtigsten werden die Letzten sein

Mit dem Wissen um diesen Effekt kann sich der geschickte Prokrastinierer nun selbst austricksen. “Man schafft es, beliebig viel Arbeit zu erledigen, solange es nur nicht die Arbeit ist, die man zum gegebenen Zeitpunkt eigentlich erledigen sollte.” So hat es der Schauspieler und Autor Robert Benchley irgendwann in den 1930er Jahren in einem Artikel formuliert. Er beschreibt darin, wie er sich an einem Montagmorgen mit fünf Aufgaben konfrontiert sieht, die in der angefangenen Woche erledigt werden müssen. Nachdem er die wichtigsten beiden dieser Aufgaben identifiziert hat, setzt er sie jedoch nicht an die Spitze, sondern ans Ende seiner To-Do-Liste. Die Folge: Während er lustlos vor seiner Schreibmaschine sitzt, um mit dem ersten Punkt der Liste (einem Zeitungsartikel) zu beginnen, schweifen seine Gedanken und Blicke ab, und eher er sich versieht, hat er zwei andere Aufgaben erledigt: einen Haufen alte Zeitschriften ausgewertet und einen Stapel Briefe beantwortet.

Genau so geht auch John Perry vor. Wichtig ist es vor allem, so Perry, geeignete Projekte zu finden, die man als wichtig und dringlich betrachten und an die Spitze der To-Do-Liste setzen kann; die aber in Wahrheit nicht wirklich wichtig und dringlich sind. Perry nennt als Beispiel einen Artikel, den er für eine wissenschaftliche Publikation verfassen soll. Er steht auf Platz 1 seiner Aufgabenliste, und er ist seit 11 Monaten überfällig. Perry hat zwar ein schlechtes Gewissen deswegen, weiß aber andererseits mittlerweile, dass andere Autoren ihren Text ebensowenig fertig haben, es also keinen Unterschied macht, ob er sich heute dafür an den Computer setzt oder erst in ein paar Wochen. Wenn die Top-To-Do’s dann irgendwann tatsächlich eilen oder wichtig werden, muss der strukturierte Prokrastinierer neue Aufgaben finden, die noch mächtiger erscheinen, und diese an die Spitze seiner Prioritätenliste stellen. Automatisch wird er dann in Vemeidung der neuen Top-Tasks die anderen Projekte erledigen.

Klingt zu durchschaubar? Kein Problem, sagt John Perry, denn Prokrastinierer hätten in aller Regel ein ganz famoses Talent zum Selbstbetrug.

[Essays via blog.pmarca.com gefunden]



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Ein Kommentar

Rafa

Wozu sich das Leben unnötig kompliziert machen? Haben die meisten Menschen wirklich so einen schlechten Charakter? ;)


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