Der Opt-Out-Monat

Florian Steglich, 29. Juni 2007 10:25 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Anfang Juni habe ich beschlossen, einen “Opt-Out-Monat” zu beginnen. Der Vorsatz: 30 Tage lang jeden Tag irgendetwas zu kündigen, sei es ein ganzes Zeitungsabo oder bloß ein einzelner RSS-Feed. Zwischenbilanz: Es klappt hervorragend.

Die Flut nutzloser Informationen kennen wir alle. Mails, die wir nicht brauchen, Anzeigenblättchen im Briefkasten. In der Regel sind wir bereits so trainiert (oder: abgehärtet), dass vieles erst gar nicht wirklich ins Bewusstsein vordringt. Spam? Löschen. Anzeigenblättchen? In den Papierkorb im Hausflur werfen. Anders sieht es mit solchen Informationen und Verpflichtungen aus, die wir irgendwann mal angefordert haben oder eingegangen sind: Mitgliedschaften in Vereinen, die wir aus Sentimentalität noch aufrechterhalten. Zeitschriftenabonnements, die wir irgendwann mal wirklich wichtig fanden. RSS-Feeds zu Themen, die mal unsere Schwerpunkte waren. Newsletter für Produkte, die wir längst woanders beziehen.

Solche Dinge beanspruchen irgendwann zu viel Aufmerksamkeit, man hört sich immer stöhnen, wenn man an sie erinnert wird - “Ach, das schon wieder.”

Zeit für einen Opt-Out-Monat!

Getreu der These, dass hehre Vorsätze viel leichter umzusetzen sind, wenn man sie nur für einen begrenzten Zeitraum trifft, halte ich 30 Tage für ideal, um so einigen Ballast loszuwerden. Ich habe Anfang Juni meinen “Opt-Out-Monat” begonnen (Opt-Out ist ein Begriff, den wir eigentlich aus dem E-Mail-Marketing-Bereich kennen), er ist bald rum, und die Bilanz ist bislang hervorragend:

Tschüss, Ihr Newsletter von Spex, NEON, Gourmondo und Visions Weekly, die ich nie so richtig wollte. Auf Wiedersehen, Du eigentlich sehr (sehr!) empfehlenswerter Newsletter von eurotopics, der Du mir täglich ein gerade wichtiges politisches oder gesellschaftliches Thema in Europa nahebringen wolltest - ich hab Dich leider viel zu selten gelesen. Ciao, geschätzte Fitug-Mailingliste, die ich seit zwei oder drei Jahren nur noch unbesehen in einen Ordner umgeleitet habe. Adieu, Ihr RSS-Feeds diverser wirklich schöner Musikblogs. Weg mit Dir, Du Uralt-Konto meiner Heimatbank, über das nur noch ein einziger Dauerauftrag abgewickelt wurde.

Am Anfang fällt es leicht, jeden Tag etwas “zu kicken”. Es macht sogar großen Spaß, geht in aller Regel schnell und gibt ein gutes Gefühl. Kandidaten dieser einfachen Tage sind vor allem

* “Mark-all-read-Ordner” im E-Mail-Programm oder RSS-Reader - also die Ordner, in die wir immer brav neue Nachrichten einlaufen lassen, die wir dann aber lediglich im Abstand von drei, vier Wochen alle mit einem Klick als gelesen markieren. Die stören ohnehin schon lange. Weg damit!

Später wird es allerdings von Tag zu Tag schwerer, jedenfalls, wenn man sich nicht einfach mit einem RSS-Feed (von 400) zufriedengibt. Ich komme mittlerweile regelrecht ins Suchen und Abwägen. Opt-Out-Ehrenpunkte gibt es für die schwierige Kategorie

* Abos von Zeitungen oder Zeitschriften, die man wirklich liebt. Eigentlich. Deren ältere Ausgaben aber schon einen Stapel bis zur Hüfte bilden - man wollte “die ja eigentlich nochmal auswerten”.

Ich werde diese Ehrenpunkte nicht bekommen, fürchte ich. Das Zeitungsabo zu kündigen bringe ich einfach nicht übers Herz (es zu behalten hat - als Journalistikstudent - außerdem irgendwie was von “support our troops”). All die anderen Notizen auf meiner Gekündigt-Liste (mitschreiben verstärkt das gute Gefühl!) sind aber auch so befriedigend genug. Sehr zu empfehlen also, so ein Opt-Out-Monat. Und demnächst probiere ich die Variante “RSS-Out-Monat”: Jeden Tag einen Feed kündigen, und bloß keinen neuen aufnehmen!

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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. André

    schrieb am 29. Juni 2007 um 11:28 Uhr (#)

    Dieser Artikel hat bei mir leider grad das Gegenteil bewirkt. RSS Feed abonniert …

  2. Klas

    schrieb am 29. Juni 2007 um 12:19 Uhr (#)

    Gute Idee … wobei ich mir die Mühe gerade bei Newslettern nicht mache … dafür gibt es ganz einfache Spam-Regeln: Newsletter “bouncen” lassen, und irgendwann kommt da auch nichts mehr …

    Aber ich bin schon gespannt auf denn RSS-Opt-Out.

  3. Laura

    schrieb am 29. Juni 2007 um 15:21 Uhr (#)

    Die tägliche Aufgabe finde ich persönlich nicht so gut, schließlich wird die Aufgabe ja von Tag zu Tag schwerer und bedarf je nach Charakter oder auch Mail-/Feedangebot schon einigen Minuten des Grübelns - lieber einen größeren Zeitraum festlegen und dann einmal richtig ausmisten.
    Das mache ich regelmässig und versuche dann auch möglichst ehrlich zu mir zu sein: alles was mehr als einmal oder ohne triftigen Grund ungelesen in den Papierkorb wanderte, wird abbestellt.

  4. Mario Aeby

    schrieb am 1. Juli 2007 um 17:18 Uhr (#)

    Lustig - zufälligerweise war der Juni auch bei mir Opt-Out-Monat:

    - Ich habe unzählige E-Mail-Newsletter gekündet und merken müssen, dass einige Anbieter diesen relativ einfachen Prozess extrem verkomplizieren.
    - Als einziges Print-Produkt habe ich das GEO gekündet - ich habe schlicht zu wenig Zeit, die (eigentlich) interessanten Beiträge zu lesen.
    - Das FACTS-Abo hingegen wurde MIR gekündet ;-)

  5. Rafa

    schrieb am 3. Juli 2007 um 07:21 Uhr (#)

    Ich mache das mehr oder weniger nach Gefühl. Ich bin eigentlich nie in der Lage, dass ich mir sage: “Ich bin total überlastet”

    Wenn mich etwas stört, dann kommt es weg, dazu brauch es keinen Monat. Das ist ein automatischer Prozess, der mir hilft den Überblick zu bewahren.

  6. Steve

    schrieb am 25. Juli 2007 um 05:14 Uhr (#)

    Da habe ich echt ein Problem:

    von täglich ca. 150 Newslettern erscheinen mir gerade 5 als überflüssig …

    Newsletter nutze ich ausschließlich, um meine Lebensgrundlage zu sichern, also nicht für Hobby oder Freizeit.

    Gerade im Bereich Daytrading und SEO habe ich mit den Abos so viel gelernt, dass ich einfach nicht mehr loslassen kann.

    Alle Infos sind unglaublich werthaltig: so habe ich meinen neuen, komplett eingerichteten und seit Jahren eingeführten Webshop auf diese Weise zu einem lächerlich günstigen Preis kaufen können und die täglichen Gewinne im CFD-Daytrading sind auch nur durch entsprechende Newsletter möglich.

    Fazit: täglich zwar 3 Stunden querlesen, aber es lohnt sich auf jeden Fall.


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