Die produktive Raubkatze (Mac)

Johannes Kleske, 13. Juni 2007 12:24 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Die für Oktober angekündigte neue Version von Mac OS X enthält einige Funktionen, die Macbenutzern den Arbeitsalltag vereinfachen und versüßen werden.

Bild 8-1

Auch wenn Macs noch immer eine Form von Statussymbol und Fashionstatement sind, so sind für mich als jemanden, der zwölf Stunden am Tag vor dem Rechner sitzt, die Bedienung und damit das Betriebssystem ausschlaggebend und nicht die Computer. Ich bin vor über fünf Jahren auf den Mac gewechselt, weil ich eine Präsentation zu Mac OS X gesehen habe und mich begeistert hat, wie Apple alles tut, um dem Benutzer die Arbeit zu erleichtern.

Deswegen sind für mich Präsentationen, wie die Keynote (Stream) von Steve Jobs am Montag zur Eröffnung der World Wide Developer Conference von Apple, bei der er neue Funktionen der nächsten Mac-OS-X-Version Leopard vorgestellt hat, viel spannender als andere Präsentationen z.B. von neuen Macs oder iPods, weil das Betriebssystem den größten Einfluss auf meinen Arbeitsalltag hat.

Gerade in Sachen Produktivität hat Leopard einige neue Funktionen in petto, die wir euch hier schon einmal vorstellen wollen. Zusätzlich gibt es Tipps, wie man manche der Konzepte schon heute mit der Hilfe von Tricks oder Software einsetzen kann.

Aufgeräumter Desktop mit Stacks

Bisher hatte Mac OS X die unangenehme Angewohnheit alle Downloads aus Programmen wie Safari, iChat oder Mail direkt auf dem Desktop zu speichern. Das hat den gleichen Effekt wie wenn man alle Briefe, Memos, Zeitschriften und Dokumente immer nur einfach auf seinem Schreibtisch ablegt, irgendwann geht man im Chaos unter und findet nichts mehr.

Apple hat sich dem Problem in Leopard mit der Hilfe von Stacks (Stapel) angenommen. Stacks sind beliebige Zusammenstellungen von Dateien, Ordnern oder Programmen, die man auswählen und als Icon im Dock ablegen kann. Klickt man auf das Icon, fährt der Stack blitzschnell aus und zeigt alle Inhalte an.

Bild 2-2

Ein Stack kann z.B. der Programmordner sein. So kann man mit zwei Klicks, egal, was man gerade am Rechner macht, ein anderes Programm starten. Ein anderer Stack könnte z.B. alle Dokumente enthalten, die man an einem Tag braucht.

Leopard kommt mit dem vorinstallierten Stack ?Downloads.? Alle Downloads von Safari, iChat und Mail werden direkt dort gespeichert, womit das Problem des zugemüllten Desktops zumindest nicht mehr von Haus aus auftritt.

Die Produktivitätsvorteile von Stacks sind damit klar: Schneller Zugriff auf die wichtigsten Dokumente, Ordner und Programme über das Dock, sowie ein aufgeräumter Desktop.

Bereits heute kann man für Ordner eine Stacks-ähnliche Funktion von Mac OS X nutzen. Dazu zieht man einen Ordner aus dem Finder in das Dock in den Bereich neben dem Mülleimer. Klickt man dann mit links auf das neue Icon, öffnet sich der Ordner im Finder. Klickt man allerdings mit rechts auf das Icon, öffnet sich eine Liste mit dem Inhalt des Ordners.

Mail als Organisations- und Kommunikationszentrale

Immer mehr von unserem Arbeitsalltag läuft im E-Mail-Programm ab. Fast alle Kommunikation kommt hier an und ich kenne inzwischen einige Leute, die ihre Arbeit anhand von E-Mail-?To-Dos? organisieren. Apple trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem sie das Mailprogramm von Mac OS X zur zentralen Organisations- und Kommunikationsstelle ausbauen.

Bild 4-1

In Mail lassen sich nun Notizen erfassen und verwalten. Sie können Grafiken, Text und Anhänge enthalten und lassen sich genauso wie E-Mails in Gruppen und intelligenten Ordnern organisieren. Das beste daran ist, dass Notizen ein zentraler Mac-OS-X-Dienst sind. D.h. man kann sie von jedem Programm aus erfassen, dessen Entwickler sie als Funktion eingebaut hat.

Bild 3-3

Das gleiche gilt für die neuen To-Do-Listen in Leopard. Waren sie bisher auf iCal beschränkt, so stehen sie nun zentral zur Verfügung und explizit auch in Mail. Musste man bisher per Copy&Paste Aufgaben aus einer E-Mail in die Liste in iCal aufnehmen oder sich mit Plugins wie MailTag helfen, kann man in Leopard Text in einer E-Mail markieren und diesen per Klick in eine Aufgabe umwandeln.

Selbst seine Nachrichten findet man mit Leopard in Mail, denn Apple baut es zu einem vollen Feedreader aus. Auch hier kann man intelligente Postfächer einsetzen, um Nachrichten zu filtern und zu organisieren.

Fokus mit Spaces

Das größere Bildschirme zu mehr Produktivität führen, zeigten zuletzt einige Studien. Wer nicht das nötige Kleingeld für einen weiteren Monitor hat, kann sich mit einer virtuellen Lösung helfen. Es gibt für jedes Betriebssystem Software, die einem ermöglicht, zwischen verschiedenen, virtuellen Desktops zu wechseln und so immer nur die Programmfenster zu sehen, die man gerade braucht. Das hilft dabei, sich auf die aktuelle Aufgabe zu fokussieren, ohne dass man mühsam alle anderen Fenster schließen oder verkleinern muss.

Mac OS X hat bereits mit Exposé eine elegante Lösung, um sich einen Überblick über die geöffneten Programme zu verschaffen und schnell zwischen Fenstern zu wechseln. Diese Funktion wird nun in Leopard um Spaces erweitert, die Implementierung von virtuellen Desktops in Mac OS X.

Bild 5-1

Die Standardfunktionalität kennt man dabei schon von anderen Lösungen. Man kann per Tastenkombination von einem ?Space? zum nächsten wechseln. Angelehnt an Exposé kann man allerdings auch eine Übersicht aufrufen, bei der alle Spaces verkleinert und abstrahiert nebeneinander dargestellt werden. So kann man sehen, in welchem Space gerade welche Fenster geöffnet sind. Zusätzlich kann man auch Fenster per Drag?n Drop von einem Space in einen anderen ziehen.

Wer virtuelle Desktops schon heute auf seinem Mac nutzen will, sollte sich VirtueDesktops ansehen.

Weitere Funktionen

Neben diesen Funktionen enthält Leopard noch viele weitere Erneuerungen, die unseren Arbeitsalltag deutlich erleichtern werden.

Bild 6-1

Für Webworker dürften die neuen Funktionen von iChat spannend sein, bei denen man seinem Chatpartner Dokumente in iChat präsentieren und gleichzeitig erklären kann. Ob die aktuelle Schnittfassung eines Films, eine Keynote-Präsentation oder eine Excel-Tabelle, fast alles lässt sich in iChat ?abspielen.? Das wird ein ganz großes Ding für verteilt arbeitende Teams.
Ebenfalls für Webworker sehr interessant dürfte die Möglichkeit in Leopard sein, von Haus aus sehr einfach auf den eigenen Rechner im Büro oder daheim zugreifen zu können, wenn man unterwegs ist. Dafür wird allerdings .mac benötigt, das ansonsten auch weiterhin sträflich vernachlässigt wird.

Bild 7-1

TimeMachine ist die neue Backup-Lösung von Leopard, die, abgesehen von dem etwas überzogenen Design, uns allen in Zukunft wahrscheinlich einiges an Ärger ersparen wird (es soll ja immer noch Leute geben die keine Backups machen). Besonders spannend ist dabei die Möglichkeit, die Backups über Airport (WLAN) auf einer zentralen Festplatte ablegen zu können.

Neben den oben erwähnten To-Do-Listen wurde iCal grundsätzlich überarbeitet und bietet noch mehr praktische Funktionen, wenn man viel im Team arbeitet und Termine koordinieren muss. So kann man sich mit Leopard direkt anzeigen lassen, welches Teammitglied wann freie Zeitblöcke hat und iCal kann davon ausgehend sogar den besten Termin für ein Meeting mit einer bestimmten Gruppen von Leuten vorschlagen.

Ausblick

Auch wenn Leopard erst im Oktober für ca. 130 ? auf den Markt kommen wird, deutet sich schon jetzt an, dass die neuste Version von Mac OS X unseren Arbeitsalltag wieder einen deutlichen Schritt einfacher und schöner machen wird. Bleibt zu hoffen, dass Apple es bis zum Herbst hinbekommt, dass die versprochenen Funktionen nicht nur schön aussehen, sondern auch einfach und vor allem schnell funktionieren.

» Mehr lesen: Mac-Software (30)

» Weitere Artikel der Kategorie «Tools» lesen

» Nächster Artikel: Kopf in den Sand
» Älterer Artikel: So schafft man sein Tagespensum

» Drucken
» Merken/E-Mail

6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. ckr

    schrieb am 13. Juni 2007 um 13:53 Uhr (#)

    Ein super Feature von Mail, welches unverständlicher Weise aber nicht gross angepriesen wird, ist auch der neu integrierte RSS-Reader. Hoffentlich ist der so gut, dass man auf NewsFire & Co. verzichten kann.

  2. Denny

    schrieb am 13. Juni 2007 um 13:59 Uhr (#)

    Auch wenn schon überall Infos zu den neuen Features in Leopard zu finden sind, habe ich diesen Artikel sehr genossen. Muss wohl an deinem guten Schreibstil liegen, Johannes ;)

    Witzig fand ich allerdings den Absatz zu iCal, in dem beschrieben wird, dass das Programm nun abhängig von der Verfügbarkeit der Leute einen Termin vorschlagen kann. Outlook kann das schon seit ein paar Jahren… Nichtsdestotrotz natürlich gut, dass Apple hier nachzieht.

    Bei TimeMachine würde mich mal interessieren, _wie_ genau die Backups angelegt werden. Sicher inkrementell, aber Details über verwendeten Plattenplatz wären schon ganz interessant.

    Über die neuen Features des Finder (http://www.apple.com/macosx/leopard/features/finder.html) hast du leider nichts geschrieben; diese Überarbeitung finde ich neben Stacks und Spaces am interessantesten (abgesehen vom unsinnigen Coverflow).

  3. pdaether

    schrieb am 13. Juni 2007 um 16:36 Uhr (#)

    @Denny:
    Den Coverflow-Modus im Finder finde ich jetzt gar nicht so unsinnig.
    Um mal eben schnell aus einer Fotoserie das richtige Bild herauszufischen, ist das doch ganz praktisch - nicht erst einen Bildbetrachter öffnen oder eine Diaschau starten.
    Das gleiche gilt imho auch für PDFs. So mal eben auf die Schnelle ein mehrseitiges PDF überfliegen zu können, hat auf jeden Fall was.

  4. Andreas

    schrieb am 13. Juni 2007 um 18:18 Uhr (#)

    Sehr interessanter Artikel! Da freue ich mich ja schon mal richtig auf Leopard! ;o)

  5. Julian Schrader

    schrieb am 13. Juni 2007 um 19:33 Uhr (#)

    ?und nicht nur für PDFs und Fotoserien ? auch Word-Dokumente usw. können im Finder-Coverflow sowie in Quicklook, das ich auch sehr praktisch finde, angezeigt werden.

    Timemachine basiert vermutlich auf dem neuen Dateisystem ZFS, das ? soweit ich weiß ? eine inkrementelle Speicherung von Daten direkt unterstützt. Wie das genau funktioniert kann ich leider nicht mehr sagen ? die entsprechende MacTV-Episode liegt schon zulange zurück.

    Ich bin sehr gespannt, was Leopard sonst noch an Neuerungen auf dem Kasten hat ? und freue mich auf die bekannten Features!

  6. Nailuj

    schrieb am 14. Juni 2007 um 19:40 Uhr (#)

    Ich hoffe, Quicklook beherrscht ein paar Formate mehr als die heute übliche Apple-Software. iTunes und QuickTime spielen ja kaum etwas ab. Time Maschine basiert nicht auf ZFS, sondern funktioniert wie iPhoto: Jede Dateiversion wird einzeln gespeichert. Viel Spass beim Kaufen einer noch grösseren Festplatte!

    Oh, es geht keine grössere ins Notebook rein? Tja, Time Maschine und Mobilität gibt es nicht!


2 Trackbacks

  1. Mac Professionell » Blog Archive » Produktiv arbeiten mit Leopard (Mac OS X 10.5)
    (15. Juni 2007 09:08)
  2. Links 15.06.07 [del.icio.us] at Rappelsnut
    (16. Juni 2007 02:38)

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

 
slug blogoscoop