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The 4-Hour Workweek – Der nächste Produktivitätshype

Von Johannes Kleske am 24. April 2007 um 13:00 Uhr Kommentare (22)
Kategorien: Bücher

Ja, ganz richtig gelesen, da oben steht ‚The 4-Hour Workweek’ (T4HWW), zu deutsch: die 4-Stunden Arbeitswoche. Das ist der Titel eines Buches von Timothy Ferriss, das heute erscheint und das in den nächsten Wochen und Monaten wohl in allen Diskussionen in der Produktivitätsszene und darüber hinaus auftauchen wird.

Ferriss stellt in dem Buch seine radikalen Ideen und Thesen zur Vereinfachung des Lebens auf und präsentiert seinen Ansatz, den er Lifestyledesign nennt. Grundsätzlich geht es ihm darum, aus dem scheinbar vorgegebenen Lebensverlauf von Arbeit und Rente auszusteigen und nicht bis zum Ruhestand zu warten, um all die Dinge zu machen, die man machen will.


Ferriss ist Ende Zwanzig und hatte bis vor wenigen Jahren ein gut gehendes, internationales Unternehmen laufen. Er arbeitete wie fast jeder Geschäftsführer praktisch ununterbrochen bis er 2004 zusammenbrach. Danach baute er sein Leben radikal um. Er wollte nicht länger bis zum nächsten Burnout schuften und sich bis zu seiner Rente von Burnout zu Burnout durchschlagen, um dann am Ende seines Lebens nicht mehr die Kraft zu haben die Dinge zu tun, auf die er eigentlich Lust hatte. Nun hält er einen Weltrekord im Tangotanzen, ist nationaler Meister im Kickboxen, ist Schauspieler, Dozent in Princton uvm. All das erreichte er, während er von seinem mobilen Arbeitsplatz aus seine Firma führt.

Hier sind einige der Prinzipien, die ihm sein Ziel, die 4-Stunden Arbeitswoche, ermöglichen:
* Ferriss wendet das 80/20-Prinzip von Pareto auf alles an. Er konzentriert sein Geschäft auf die 20% seiner Kunden, die ihm 80% seines Umsatzes einbringen. Wiederum verabschiedet er sich von 20% der Kunden, die ihm 80% des Ärgers einbringen. Grundsätzlich machen 20% der Aufgaben, 80% des Erfolgs aus.
* Er vertritt Parkinsons Gesetz, dass Arbeit immer die Zeit brauchen wird, die ihr zur Verfügung steht und kürzt deshalb die verfügbare Arbeitszeit, wo er kann.
* Aus der Verbindung des Pareto-Prinzips und des Parkinson Gesetzes knüpft er eine rekursive Definition von Effektivität: Limitiere deine Aufgaben auf die wichtigen, um deine Arbeitszeit zu verkürzen und verkürze deine Arbeitszeit, um deine Aufgaben auf die wichtigen zu limitieren.
* Ferriss promoted die Weniger-Informationen-Diät (low-information diet). Mehr Informationen führen zu mehr Ablenkung. Ablenkungen sind Gift für Produktivität und Effektivität. Deshalb ruft Ferriss nur zweimal am Tag seine Mails ab und versucht sein ganzes Umfeld, geschäftlich und privat, darauf zu trainieren, ihn nicht zu stören.
* Um sich selbst nur mit den wichtigsten Aufgaben zu befassen lagert Ferriss alle weniger wichtigen Aufgaben an Arbeiter in Indien und anderen Billiglohnländern aus.
Ich selbst habe von Ferriss Prinzipien in seiner Präsentation beim SXSW-Festival in Austin gehört, die über den SXSW-Podcast verfügbar ist. Dort erklärt er die wichtigsten Prinzipien und zeigt an einigen Beispielen, wie er und Bekannte von ihm die Prinzipien umgesetzt haben.

Seitdem ich den Podcast gehört habe frage ich mich, ob Ferriss der nächste Vereinfachungsguru wird und wir das Kürzel T4HWW demnächst genauso häufig benutzen werden wie GTD oder ob er ein egozentrischer Ausbeuter ist, der auf Kosten anderer seine Jungenträume auslebt. Ich bin z.B. unsicher, ob sich seine Prinzipien so einfach auf andere Leben übertragen lassen. Er erzählt, dass von seinen ursprünglich 140 Kunden fünf für 90% des Umsatzes verantwortlich waren. Also, konzentrierte er sich nur noch auf die fünf. Allerdings muss man erstmal 140 Kunden gewinnen, um sich dann die fünf besten aussuchen zu können. Mit seinen Prinzipien dürfte das schwer möglich sein.

Bis wir die Details in seinem Buch nachlesen können (d.h. bis Amazon es in Deutschland ausliefert) empfehle ich die ausführliche Buchbesprechung von Dave Seah. Dabei sollte man die Kommentare nicht auslassen, in denen Ferriss selbst zur Anschuldigung der Ausbeutung und seiner Verkäuferart Stellung nimmt.

Links:
* The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich bei Amazon
* Buchbesprechung bei Dave Seah inkl. Kommentar von Ferriss
* Präsentation von Ferriss beim SXSW-Festival
* Blog von Tim Ferriss



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22 Kommentare

Hans

Wird Zeit für ein Update von Mac Professionell: http://tinyurl.com/blr52. Der geht ja weiter als ich.


[…] Beschreibung von Johannes Kleske, der den Artikel bei imgriff.com veröffentlicht hat: The 4-Hour Workweek – Der nächste Produktivitätshype Tags:4 Hour Workweek, Getting Things Done, […]


[…] The 4-Hour Workweek – Der nächste ProduktivitätshypeTim Ferriss hat ein sehr provokatives Buch über Vereinfachung, Informationsdiät und „Lifestyledesign“ geschrieben. […]


[…] Unterbrechungen, die seine Produktivität massiv beeinträchtigen. Während er The 4-Hour Workweek liest hat er aus dem gelesenen einen Maßnahmenplan zusammengestellt. Der Plan gibt eine ganz […]


[…] erwartet ist die Produktivitätsblogosphäre voll mit Artikeln über Tim Ferriss’ The 4-Hour Workweek. Hier sind einige […]


[…] für sie persönlich passt und fangen direkt an, es in die Welt hinaus zu posaunen (siehe Tim Ferriss). Immerhin ist der beste Weg, um reich und glücklich zu werden, immer noch ein Buch […]


AlfaFox.info Tipps & Tricks

Von Ausbeutung sollte man nicht sprechen, wenn Menschen frei Handeln. Für die Auftragnehmer von Tim Ferris wird es jeweils die beste Alternative sein, für ihn zu arbeiten, sonst würden sie sich einen anderen Job suchen. In einem freien Markt haben immer beide Seiten einen Vorteil von einem Handel.


Marcel Weiss

Alfafox, das stimmt aber nur wenn die Realität sich an die Theorien der neoklassischen Ökonomen halten würde. Macht sie aber meist nicht, das Miststück.


[…] The 4-Hour Workweek – Der nächste Produktivitätshype » imgriff.com « RSI: How to mouse goofy - Lifehacker –  […]


Karsten

Hallo zusammen,

zum Buch “The 4-Hour Workweek” gibt es eine deutschsprachige Website für Diskussionen:

http://4-stunden-arbeitswoche.de/

Gruß
Karsten


[…] 4-Hour Workweek (Burkhard Schneider) Interview mit Frank Katzenberger (Frank Westphal, Tonabnehmer) Vorstellung von Buch und der Prinzipien von Tim Ferriss (Johannes Kleske) Vorstellung von Buch und der Prinzipien von Tim Ferriss (Nickname: marlster) […]


[…] Blog des Autors Tim Ferriss gibt Gastautor Ryan Holiday 12 Tipps, wie man mit weniger Zeitaufwand zu besseren […]


[…] unter sich: Tim Ferriss (The 4 Hour Workweek) hat ein kurzes, aber ergiebigs Interview mit Gina Trapani (Lifehacker.com) geführt, in dem es […]


[…] der Ratschläge des Autors Tim Ferriss ist es, berufliche und auch persönliche Aufgaben an Freelancer (etwa in Indien) abzugeben: […]


[…] u.a. dieses Video, in dem er - auf deutsch! - die deutsche Ausgabe seines Bestsellers “The 4-Hour Workweek” […]


Thomas

Ich finde sein Buch ausgesprochen klasse, lesenswert und auch umsetzenswert.

Auch wer seinen Gedanken nicht komplett folgend möchte, für den finden sich trotzdem viele Anregungen.


[…] worum geht’s und wie kommt man ins Paradies auf Erden? Im Griff weiss es: Ferriss wendet das 80/20-Prinzip von Pareto auf alles an. Er vertritt Parkinsons Gesetz, dass […]


[…] August 2008 macht die Regierung des US-Bundesstaates Utah einen auf Tim Ferriss: Zwar nicht gleich mit einer 4-Hour-Workweek, aber immerhin mit der Einführung der […]


Oliver Springer

So radikal lässt sich das vor allem nicht für alle Menschen umsetzen, denn sonst irgendwer muss die ganze ausgelagerte Arbeit ja auch ausführen.

Immerhin ist Tim Ferriss mal jemand, der über das übliche Delegieren hinausgeht, denn mal im Ernst: Wer hat denn schon die Möglichkeiten, Aufgaben zu delegieren?

In diesem Punkt eröffnet “Die 4-Stunden-Woche” wahrlich neue Perspektiven!

Sehr gut finde ich, dass dies mal ein Buch in diesem Bereich ist, bei dem man um die Frage, was man eigentlich außer Arbeiten noch machen möchte im Leben, nicht herumkommt. Das sollte mehr gewürdigt werden!


Lorbeerblatt

> Er erzählt, dass von seinen ursprünglich 140 Kunden fünf für 90% des Umsatzes verantwortlich waren. Also, konzentrierte er sich nur noch auf die fünf.

Mag zunächst funktionieren!

1. Aber was ist wenn das jeder macht?

2. Wollen wir in so einer Welt leben?

3. Was bedeutet das für die Wirtschaft im großen Stil und

4. was für den Enzelnen.


Thomas

Hallo Lorbeerblatt,

das macht aber nicht jeder, oder? Die Frage ist ziemlich theoretisch.

Was wäre denn daran so schlimm, wenn das jeder machen würde? Würde sich die Welt denn dann so stark verändern?


Johannes Kleske

Das Problem ist vor allem, dass er erstmal 150 Kunden brauchte, um sie dann auf die besten 5 zu reduzieren. Um dem Prinzip zu folgen, müsste man also erstmal eine größere Anzahl Kunden ansammeln. Hier hakt seine Theorie in der allgemeinen Umsetzbarkeit ungemein.


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